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10.01.2003

10:15 Uhr

Firmierung unter ING Direct denkbar

ING will große Direktbank schmieden

Die Karten unter den deutschen Direktbanken werden neu gemischt. Während das weitere Schicksal der zur Hypo-Vereinsbank gehörenden DAB Bank weiter in der Schwebe hängt, zeichnet sich die Bildung eines neuen Online-Riesen ab. Der holländische Finanzriese ING will nach Angaben aus Finanzkreisen die Entrium AG übernehmen und mit der Allgemeinen Deutschen Direktbank (Diba) verschmelzen.

pot FRANKFURT/M. Zusammen kämen Diba und Entrium auf fast drei Millionen Kunden und würden die mit Abstand größte Direktbank in Deutschland bilden, die auch für die großen Filialbanken ein ernst zu nehmender Konkurrent im Privatkundengeschäft wäre.

Derzeit verhandelt ING exklusiv mit dem Entrium-Mehrheitsaktionär Capitalia über eine Übernahme. Mit einer Entscheidung wird bereits in den nächsten Tagen gerechnet. Capitalia, Italiens viertgrößte Bank, braucht dringend Geld, um die dünne Kapitaldecke aufzubessern. Der Kaufpreis für die frühere Quelle Bank dürfte sich nach Angaben aus Finanzkreisen in der Größenordnung von 350 Mill. Euro bewegen.

Dies wäre weitaus weniger, als die Italiener zunächst erhofft hatten. Capitalia will Entrium schon vor Monaten verkaufen. Zunächst peilten die Italiener einen Preis von 500 Mill. Euro an. Doch die meisten der angeblichen Interessenten, die von italienischer Seite ins Spiel gebracht wurden, wollten von einer Übernahme nichts wissen. Ein Verlustgeschäft wird der Verkauf allemal: Der Online-Broker Bipop Carire, der im letzten Jahr mit der Banca di Roma zu Capitalia fusionierte, hatte bei der Übernahme von Entrium im Jahr 2000 noch 2,6 Mrd. Euro bezahlt.

Sollte die Übernahme zu Stande kommen, wird das Duo Diba/Entrium vermutlich unter ING Direct firmieren. Unter dieser Marke ist der Online-Arm von ING in einem halben Dutzend Ländern vertreten - nur in Deutschland wurde der Name Diba bisher beibehalten. ING Direct gilt als einer der erfolgreichsten Versuche, eine internationale Direktbank aufzubauen. Dieser Tage überschritt die Zahl der Kunden die Schallmauer von fünf Millionen Kunden. Zudem wurden im vierten Quartal erstmals schwarze Zahlen erreicht.

Die Diba ist die wohl am schnellsten wachsende Bank in Deutschland. Allein zwischen Januar und Oktober 2002 verdoppelte sich die Zahl ihrer Kunden auf 1,8 Millionen. Außerdem ist die Bank im Gegensatz zu den reinen Online-Brokern wie DAB und Comdirect profitabel. Schon im Oktober wurde der Vorjahresgewinn von 8,4 Mill. Euro übertroffen. Auch Entrium, mit 965 000 Kunden etwa halb so groß wie die Diba, schreibt schwarze Zahlen.

Weiter ungewiss ist die Zukunft der DAB Bank. Nach dem bereits vor einigen Tagen die französische Tochtergesellschaft Selftrade, in der ein Großteil des Auslandsgeschäft (Frankreich, Großbritannien und Spanien) gebündelt war, an die SocieteGenerale-Tochter Fimatex verkauft wurde, will sich die DAB jetzt offenbar auch aus der Schweiz zurückziehen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters laufen Verkaufsgespräche mit der Baseler Bank Sarasin. In der Schweiz hat die DAB 10 000 Kunden. Im Ausland ist der Broker ansonsten nur noch in Österreich vertreten.

Anschließend muss die HVB entscheiden, was sie mit dem verbleibenden Rest der DAB macht. In Frage kommen vor allem ein Verkauf oder die Eingliederung in die Muttergesellschaft. Als wahrscheinliche Variante gilt in Finanzkreisen derzeit die Eingliederung in die HVB. Eine Entscheidung dürfte in den nächsten Wochen fallen.

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