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14.07.2000

11:20 Uhr

Fischer: "Ich weiß viel Neues, aber ich werde nicht darüber sprechen"

Auch nach Fischer-Besuch bleibt für Geiseln weiter nur die Hoffnung

VonUte-Marion Schnurrer

dpa MANILA. Manila, Donnerstagnacht, 17. Stock im Mandarin Oriental Hotel. Draußen ist es heiß und schwül, es regnet in Strömen. Hinter den beschlagenen Fensterscheiben diskutieren Joschka Fischer, Hubert Vedrine und Erkki Tuomioja nach ihrem Gespräch mit dem philippinischen Präsidenten Joseph Estrada über das Geiseldrama etwa 1 000 Kilometer südlich von ihnen auf der Insel Jolo.

Der Grund der Reise, zumindest der offiziell verkündete, scheint erfüllt. Das Treffen sollte der philippinischen Regierung klarmachen, dass es auf jeden Fall zu einer friedlichen Lösung kommen müsse. Das Leben der Geiseln dürfe nicht gefährdet werden, heißt es immer wieder. Am Freitag wird eine weitere malaysische Geisel freigelassen. Das bewertet das Auswärtige Amt zwar als positiv. Doch mit dem Besuch der drei Außenminister habe das nichts zu tun, sagte ein Sprecher.

Mit der Reise der Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Finnlands nach Manila ist zwölf Wochen nach Beginn des Geiseldramas ein Höhepunkt der Regierungsaktivitäten erreicht. Was dies für die Göttinger Familie Wallert und die anderen Geiseln bedeutet, ist die Frage. Nicht, weil der Besuch vorerst keine konkreten Ergebnisse gebracht hat, sondern weil die Lage zu undurchschaubar ist, die Geiselnehmer zu unkalkulierbar sind, sagen Experten in Manila. "Wir können heute denken, in ein paar Tagen ist alles vorbei und dann kommt es wieder zum Stillstand", heißt es in Fischers Delegation.

Schon einmal hatte Estrada persönlich bei der deutschen Botschaft in Manila angerufen mit der Nachricht, dass Renate Wallert frei sei. An jenem 13. Mai, fünf Stunden später, hieß es, die aus Jolo übermittelten Informationen seien leider falsch gewesen. Und so bleibt nach wie vor immer nur die Hoffnung.

Überlegungen, auf höchster Ebene in das Bemühen um die Freilassung der Geiseln einzusteigen, gab es in Berlin seit Wochen. Bereits nach der Manila-Reise von Javier Solana als EU-Beauftragter für Außen- und Sicherheitspolitik am 9. Mai wurde über einen Besuch Fischers auf den Philippinen nachgedacht. "Durch den Besuch Solanas ist der philippinischen Regierung bewusst geworden, wie ernst die Europäer die Angelegenheit nehmen", hieß es im Auswärtigen Amt.

Doch Fischer bleibt vorerst in Berlin. Erste persönlichen Kontakt zur Regierung in Manila nimmt er am 26. Juni auf. In Warschau spricht er mit der philippinischen Vizepräsidentin Gloria Macapagal Arroyo. Knapp drei Wochen später halten dann Berlin, Paris und Helsinki den Zeitpunkt für gekommen.

Nun muss sich Fischer fragen lassen, was die Gespräche gebracht haben und ob er nicht seinen letzten Trumpf - die persönliche Anwesenheit - zu leichtfertig verspielt habe. Die Antworten sind die, die er auch schon in Berlin gegeben hat. Es müsse auf jeden Fall eine friedliche Lösung geben. Das habe man der philippinischen Regierung noch einmal klar machen wollen. Keine überstürzten Handlungen, heißt das Motto. Selbst wenn das Drama weiter andauert, Hauptsache, die Geiseln bleiben am Leben.

Und Manila hat versichert, was sie bereits Dutzende Male versichert hat. Man werde das Leben der Geiseln nicht gefährden. Die drei Außenminister sprachen Estrada ihr Vertrauen und Dank aus. Die Antworten auf die Fragen, ob sie denn nun etwas wüssten, was sie vorher nicht gewusst hätten, sind rätselhaft und liegen doch auf der Hand. "Ich weiß viel Neues, aber ich werde nicht darüber sprechen", sagt Fischer. "Das wäre nicht sehr weise."

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