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23.01.2002

12:27 Uhr

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Fischer ist Spitzenkandidat der Grünen

Die Grünen haben sich erstmals in ihrer 22-jährigen Parteigeschichte auf einen Spitzenkandidaten für den Bundestagswahlkampf festgelegt.

Foto: ap

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dpa BERLIN. Außenminister Joschka Fischer wird ein Spitzenteam von weiteren sechs prominenten Grünen-Politikern anführen. Das beschloss der Parteirat mit 13 gegen eine Stimme am Montag in Berlin. Fischer sagte anschließend, mehr noch als die Spitzenkandidatur freue ihn "die neue Geschlossenheit der Grünen". Das Wahlkampfteam werde "einen Wahlkampf führen, der inhaltlich zuspitzt und die Alternativen klar macht".

Zu dem Spitzenteam neben Fischer gehören Verbraucherministerin Renate Künast, Bundesumweltminister Jürgen Trittin, die beiden Parteivorsitzenden Fritz Kuhn und Claudia Roth sowie die Fraktionschefs im Bundestag, Kerstin Müller und Rezzo Schlauch. Dieses Team werde "kraftvoll, kreativ, mutig, frech und sehr überzeugend (...) Personen und Inhalte verbinden", sagte Roth bei der Vorstellung. Die Grünen wollten nach der Bundestagswahl am 22. September die sozial-ökologische Erneuerung und die gesellschaftliche Demokratisierung fortsetzen. Nach Kuhns Worten soll das Team beim Wahlparteitag im Mai der Basis präsentiert werden.

Fischer sagte, er freue sich sehr auf die Herausforderung, den Grünen-Wahlkampf zu führen. "Innenpolitik ist jetzt für mich wieder angesagt." Der Wahlkampf werde "alles andere als einfach werden". Die Entscheidung werde nicht zwischen den großen Parteien SPD und Union fallen, sondern zwischen den kleinen Parteien.

Als Hauptthemenfelder des Wahlkampfs nannte Fischer verbesserte Zukunftschancen für die junge Generation, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Fortsetzung einer nachhaltigen Energie- und Finanzpolitik. Wichtig sei auch die Fortsetzung der Politik für ein zusammenwachsendes Europa. "Edmund Stoiber ist hier eine klare Alternative."

Auch in anderen Bereichen sei der Kanzlerkandidat der Union und CSU-Chef Stoiber ein "klares Alternativangebot", sagte Fischer. Allerdings sei Stoiber, was die "Halbwertzeiten" seiner politischen Äußerungen angehe, "ein rasch zerfallendes Isotop". Fischer wies darauf hin, dass Stoiber entgegen früherer Ankündigungen die Ökosteuer nicht komplett rückgängig machen und auch die Regelung für die Eintragung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften bestehen lassen wolle.

Fischer will sich in der Grünen-Partei ganz besonders um die Mitglieder bemühen, die gegen Auslandseinsätze von Bundeswehrsoldaten sind. "Ich werde auch auf die Menschen zugehen, die andere Auffassungen in Fragen von Krieg und Frieden haben als ich", sagte der Minister zur Niederlage des Alt-Linken Hans-Christian Ströbele bei der Kandidatenaufstellung der Berliner Grünen. Er wies allerdings die Beschreibung "Ende der Ära Ströbele" zurück. Er sehe kein Ende einer Ära, sondern Listenaufstellungen.

Zurückhaltend äußerte sich Fischer zur Vorschlägen, ein "Fernseh-Duell" solle es nicht nur zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Stoiber geben, sondern auch zwischen den Spitzenkandidaten von FDP und Grünen. Kontroversen sollten im Parlament ausgetragen werden. Auch dort gebe es hohe Einschaltquoten.

Gegen die Ausrufung eines Spitzenkandidaten hatte im Parteirat als Einzige die thüringische Landesvorsitzende Astrid Rothe votiert. Sie nannte es "falsch, einen Personenwahlkampf zu führen, der künstlich konstruiert ist".

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