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08.01.2008

10:27 Uhr

Fishers Zwischenruf

Sie sind die Welt!

VonKen Fisher (Grüner Fisher Investments)

Die Aktienmärkte werden nicht nur von offensichtlichen Faktoren beeinflusst. Hinter den Bewegungen von Wertpapieren stecken stark vernetzte Abläufe, die sich oft nur Experten offenbaren. So überrascht es auch, dass gerade Dinge, die im Inland passieren, häufig weniger Einfluss besitzen als der ganze Rest.

Was ist wichtiger für deutsche Aktien als Angela Merkel, Öl, Inflationsängste oder sogar der Einfluss der gesamten deutschen Wirtschaft? Alles andere! Die gesamte Welt beeinflusst deutsche Aktien mehr, als Sie denken. Um zu sehen, wohin die deutschen Märkte gehen, müssen Sie die Welt außerhalb Deutschlands beobachten.

Am 13. November beschrieb ich für Sie ein starkes Muster, das Aktien bewegt - den Yen-Euro-Spread. Im vergangenen Jahr korrelierten tägliche Yen-Euro-Bewegungen erstaunlicherweise mit den täglichen Bewegungen am deutschen, britischen, amerikanischen und sogar dem globalen Aktienmarkt; große Innertagesbewegungen entsprachen den Yen-Euro-Bewegungen fast perfekt. Warum?

Die ganze Welt ist weit stärker vernetzt als Sie denken. Selten haben sich in der Geschichte große Aktienmärkte in unterschiedliche Richtungen bewegt. Im Gegenteil: Seit 1970 laufen deutsche und internationale Aktien zu 70 Prozent in dieselbe Richtung. Das ist beeindruckend! Und die Vernetzung nimmt noch zu - und das täglich. Seit 2002 haben Dax und MSCI-World-Index-Bewegungen einen Korrelationskoeffizienten von 0,97 - also von 97 Prozent! Auch einzelne Länder bewegen sich im Gleichklang; Deutschland mit England etwa zu 98 Prozent. Mit Amerika liegt die Übereinstimmung bei 94 Prozent. Bei Japan funktioniert es nicht ganz so gut. Aber auch dort sind es 85 Prozent. Vor gerade mal 30 Jahren waren diese Korrelationen deutlich geringer - zum Teil lagen sie unter 50 Prozent.

Phänomene, die Stärke oder Schwäche verursachen, schwappen augenblicklich auf andere Länder über - selbst wenn dort das Umfeld ein ganz anderes ist. Darum bewegen Yen-Euro-Spreads nicht nur den deutschen Markt, sondern die ganze Welt. Nächste Woche werde ich Ihnen ein stark aufkommendes Phänomen aus den USA vorstellen, das sich in der Vergangenheit nicht allzu stark auf deutsche Aktien ausgewirkt hat, dies aber künftig tun wird. Vorsicht ist geboten, denn heutzutage sind alle Kräfte global. In jedem Land dominieren globale Muster die örtlichen. Das gilt sogar für Länder, die groß und eigenständig sind wie Amerika und Deutschland. Ignorieren Sie die Welt nicht - Sie sind die Welt!

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