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25.01.2001

17:06 Uhr

HB DÜSSELDORF. Durch die gesamte Steuersparbranche geistert das Stichwort "2b". Gemeint ist der entsprechende Paragraf im Einkommensteuergesetz. Er besagt, dass Steuersparmodelle, bei denen der Steuersparaspekt zu sehr im Vordergrund steht, vom Finanzamt nicht mehr anerkannt werden. Deswegen nennen sich Steuersparfonds heute lieber "Renditefonds" - das klingt ungefährlicher. Weil der Gesetzgeber nicht allzu unfreundlich auftreten wollte, hat er dem "2b" noch eine Übergangsregelung zur Seite gestellt, nämlich Paragraf 52 Abs.4 EStG. Danach greift der "2b" nicht, wenn zwei Bedingungen vorliegen. Erstens: Das Wirschaftsgut (z.B. ein Schiff oder eine Immobilie) wurde vor dem 5.3.1999 angeschafft, bzw. seine Herstellung wurde vor diesem Datum begonnen. Zweitens: Anleger müssen die Beteiligung bis zum 31.12.2000 gezeichnet haben. Wenn diese Bedingungen vorliegen, spricht man im Fachjargon von "Konservierungsfonds" - weil sie die alten Steuervorteile erhalten, also konservieren. Ende des laufenden Jahres ist es damit aber endgültig vorbei.

Wenn der "2b" greift, hat das fatale Folgen. Dann können steuerliche Verluste nämlich nur mit Gewinnen aus anderen Beteiligungen, für die ebenfalls der "2b" gilt, verrechnet werden. Damit ist der Witz der Steuersparmodelle verdorben, denn Anleger wollen deren Verluste ja mit ihren anderen Einkünften verrechnen.

Bleibt die Frage zu klären, welche Fonds vom "2b" erfasst werden. Die Antwort ist schwierig und vielleicht nie mit völliger Sicherheit zu geben. Die Anbieter hoffen natürlich immer, dass ihr Fonds nicht darunter fällt.

Der bekannte Fachjournalist Stefan Loipfinger aus Griesstätt hat eine schematische Darstellung entwickelt, auf die sich auch Anbieter beziehen. Danach sind in der Regel nur solche Fonds gefährdet, bei denen der steuerliche Verlust 50 Prozent des Eigenkapitals erreicht oder überschreitet (die "Nichtaufgriffsgrenze)". In diesem Fall führen folgende Bedingungen in die Falle: Die Rendite ist nach Steuern doppelt so hoch wie vor Steuern.

Mit Steuervorteilen wird geworben. Der steuerliche Verlust beträgt beim Spitzensteuersatz mehr als 186 Prozent des eingesetzten Kapitals. Es genügt, wenn eine dieser Bedingungen erfüllt ist. Kein Wunder, dass die neuen Prospekte die steuerlichen Verluste ganz klein ausweisen.

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