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15.02.2001

15:15 Uhr

Flatrate führte zu Verlusten

T-Online ersetzt Flatrate ab 1. März durch neue Pakettarife

ap BONN. Angesichts erheblicher Verluste schafft die Telekom-Tochter T-Online ihre Flatrate für den Internetzugang über den analogen Telefonanschluss und über ISDN wieder ab.

Das Surfen im Internet solle dennoch durch neue Tarife für die weit überwiegende Mehrheit der Kunden nicht teurer, sondern meist sogar billiger werden, versicherte der neue T-Online-Chef Thomas Holtrop am Donnerstag in Bonn.

Aktie legt zu

Die Börse honorierte die Neuordnung der Tarife und den Wegfall der unwirtschaftlichen Flatrate bei T-Online. Die Aktie des Unternehmens legte bis zum Nachmittag um 9,91 % auf 12,86 Euro zu.

T-Online macht die erst im vergangenen Mai eingeführte Flatrate für einen Großteil des Verlusts von 125 Mill. Euro (über 240 Mill. DM) im vergangenen Jahr verantwortlich. Zudem führte der Internetzugang zum Pauschalpreis von 79 DM im Monat ohne zeitliche Begrenzung zu erheblichen Kapazitätsengpässen im Netz der Telekom, obwohl nur etwa 3 % extreme Vielsurfer unter den rund 8 Milionen. T-Online-Kunden das Angebot nutzten.

Die neue Tarifstruktur solle den Bedürfnissen der Kunden besser als bisher gerecht werden, betonte Holtrop. Das Grundangebot bleibt der Tarif T-Online eco mit 8 DM monatlicher Grundgebühr und 2,9 Pfennig pro Minute. Die neuen Tarife bieten unter anderem günstigere Minutenpreise bei höherer Grundgebühr, wenn die Nutzung nur zwischen 7.00 Uhr und 17.00 Uhr von Montags bis Freitags erfolgt. Ein anderes Angebot bevorzugt Kunden, die nur nachts im Internet surfen wollen.

Für Vielsurfer gibt es vier Stundenpakete, zum Beispiel 30 Stunden monatlich für 29 DM oder 90 Stunden für 79 DM, der bisherige Preis für die Flatrate. Kunden, die vor dem 11. Dezember 2000 den Flatrate-Vertrag abgeschlossen haben, werden zum Ende ihrer einjährigen Vertragslaufzeit auf die neuen Tarife umgestellt, können auf Wunsch aber schon früher wechseln. Flatrate-Verträge nach dem 11. Dezember werden im Mai automatisch auf den 90-Stunden-Tarif umgebucht.

Unverändert bleibt das Angebot einer Flatrate für 49 DM im Monat für den superschnellen Internet-Zugang über T-DSL. Diese Technik soll nach Angaben von Telekom-Vorstand Gerd Tenzer massiv ausgebaut werden. Bis Ende 2001 sollen in Deutschland 2,6 Mill. Kunden über T-DSL ins Internet gehen können.

Keine Auswirkungen auf Großhandels-Flatrate erwartet

Keine Auswirkungen dürfte der Verzicht auf die Endkunden-Flatrate auf die Großhandels-Flatrate haben, die die Telekom nach einer Entscheidung der Regulierungsbehörde seit Mitte Dezember ihren Konkurrenten anbieten muss. Behördensprecher Harald Dörr sagte zwar, man sei noch dabei, das Vorgehen von T-Online zu bewerten. Beobachter wiesen aber darauf hin, dass der Regulierer die Großhandels-Flatrate nicht vom Bestehen eines Pauschalpreises für die Endkunden abhängig gemacht habe.

AOL könnte nachziehen

Der schärfste Konkurrent von T-Online, AOL Deutschland, will nach eigenen Angaben das neue Tarifmodell von T-Online zunächst eingehend prüfen. Ein Unternehmenssprecher sagte, Ende nächster Woche solle mitgeteilt werden, ob ein ähnliches Modell auch für AOL in Frage käme. Die AOL-Flatrate für 78 DM im Monat werde zurzeit von etwa 100 000 Kunden in Anspruch genommen. "Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Flatrate sich bei den derzeitigen Konditionen für die Anbieter nicht rechnet", erklärte AOL-Sprecher Stefan Michalk.



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