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16.01.2003

16:30 Uhr

Flugausfälle und Verspätungen

Passagiere verärgert über Warnstreiks

Viele Passagiere haben auf den deutschen Flughäfen am Donnerstag vergebens auf ihre Flüge gewartet. Wegen Warnstreiks beim Boden- und Kabinenpersonal der Lufthansa hatten zahlreiche Flüge Verspätung, rund 40 Verbindungen mussten nach Angaben der Fluggesellschaft sogar ganz gestrichen werden.

HB/dpa FRANKFURT/MÜNCHEN/HAMBURG. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wollte mit den Aktionen Druck in den Tarifverhandlungen für die rund 52 000 Beschäftigten am Boden und in den Kabinen machen. Viele Passagiere reagierten verärgert auf die Protestaktionen.

"Ich muss alle meine Termine umplanen - mit solchen Streiks dürften die Passagiere eigentlich nicht belastet werden", beklagte sich ein Geschäftsreisender am Franz-Josef-Strauß-Flughafen in München. Die Wartezeit vertrieb er sich mit einer Tasse Kaffee. "Es war hier schon einmal schlimmer", kommentierte ein anderer Passagier.

Am Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel gab Geschäftsmann Ulf Hubbe am Morgen entnervt auf und reihte sich an einem Lufthansa-Schalter ein, an dem er seinen bereits eingecheckten Koffer zurückbekam. Sein Anschlussflug von Frankfurt in den Sudan war nicht mehr zu erreichen, nun muss er einige Tage warten. "Das ist hundertprozentig negativ", sagte Hubbe mit Blick auf seine geschäftlichen Planungen. Er habe kein Verständnis für den Warnstreik, nicht in der aktuellen Situation. "Die heutige Zeit haben wir doch alle begriffen."

Sauer auf Verdi war auch Maretta Canetti, die von Hamburg aus über München nach Nizza fliegen wollte. "Die Absicht ist doch, möglichst viele Fluggäste zu treffen", schimpfte sie. "Die wirtschaftliche Situation ist nicht so, dass man streiken muss."

Bernd zum Felde wusste am Morgen noch nicht, ob er seinen Anschlussflug von Frankfurt nach Dubai am Persischen Golf erreichen würde. Bei aller Unbequemlichkeit äußerte er Verständnis für die Kundgebung der Gewerkschaftsmitglieder am Hamburger Flughafen.

Auf dem größten deutschen Flughafen in Frankfurt beteiligten sich laut Verdi knapp 2000 Mitarbeiter von Technik, Cargo, Catering und Passage an dem Warnstreik, der teils 4 Uhr begonnen hatte. Sechs Flüge mussten gestrichen werden. Viele Jets konnten aber starten, weil sie bereits am Vorabend technisch vorbereitet worden waren.

Kurz nach dem offiziellen Streikende um 7:15 Uhr lief der Betrieb in der Abflughalle der Lufthansa bereits wieder fast normal. Nur ein annullierter Flug stand noch auf der Abflugtafel. "Wir hatten kaum etwas zu tun", sagte ein Lufthansa-Mitarbeiter, der sich um die Passagiere der ausgefallenen Flüge kümmern sollte.

Fast spurlos gingen die Warnstreiks am Stuttgarter Flughafen vorüber. "Der Verkehr lief ganz normal", sagte eine Lufthansa - Sprecherin. Lediglich ein Flug sei ausgefallen, weil eine Maschine aus Berlin wegen des dortigen Warnstreiks nicht planmäßig abheben konnte.

Günther Seidel von der Lufthansa-Werft in Hamburg verteidigte den Warnstreik. Sinn der Kundgebung sei, "dass der Arbeitgeber merkt, dass hier eine Gegenkraft ist und die Arbeitnehmer es Leid sind zu betteln". Von den Einstiegsgehältern könnten besonders Familien nicht mehr leben.

Verdi-Fachbereichsleiter Dietmar Stretz schwor seine Kollegen schon einmal auf weitere Auseinandersetzungen ein: "Sollte es kein verbessertes Angebot geben, sind wir zu längeren Aktionen bis hin zum Streik durchaus bereit." So hörten hunderte wartende Fluggäste, worauf sie sich möglicherweise einstellen müssen: weiteres Warten.

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