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21.06.2000

15:09 Uhr

Flugzeugbau

Neue EADS startet an der Börse - Mit Airbus auf Höhenflug

dpa MÜNCHEN. Der größte europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS setzt nach monatelangen Vorbereitungen jetzt auch an der Börse zum Höhenflug an. Am Freitag beginnt die Zeichnungsfrist für die Aktien der Airbus-Muttergesellschaft.

Mit ihrer Fusion zur EADS haben die drei Branchenführer aus Deutschland (DASA), Frankreich (Aerospatiale Matra) und Spanien (CASA) ein neues Kapitel in der europäischen Luft- und Raumfahrtgeschichte aufgeschlagen. Der Senkrechtstarter in der Luft, so heißt es in der groß angelegten Werbekampagne, soll nun auch eine Spitzenposition auf dem Börsenparkett erobern.

Rund 150 Mill. Aktien sollen in den nächsten Wochen platziert werden. Um Privatanleger für das Engagement in Eurocopter, Ariane und Eurofighter zu begeistern, ist für sie ein Preisvorteil vorgesehen. Auch institutionelle Frühzeichner sollen bei der Zuteilung bevorzugt werden. Nähere Einzelheiten wollen die beiden EADS-Vorstandschefs Rainer Hertrich und Philippe Camus am Freitag in Paris mitteilen. Die Erstnotiz der EADS-Aktie soll am 10. Juli an den Börsen in Frankfurt, Madrid und Paris erfolgen. Analysten rechnen mit einem Preis zwischen 22 und 27 Euro je Aktie. Gut 34 Prozent des EADS-Kapitals werden an die Börse gebracht.

Das Volumen des Börsengangs könnte somit bei rund 3,5 Mrd. Euro liegen. Damit liegt die Größenordnung zwar unter den jüngsten Neuemissionen der Telekom und des Halbleiterherstellers Infineon. Auf alle Fälle bietet der Börsenneuling EADS dem Börsenpublikum eine spannende und ungewöhnliche Geschichte. Denn eine solche länderübergreifende Fusion hat es in der Luftfahrt- und Raumfahrtbranche in dieser Größenordnung bislang nicht gegeben.

Als faustdicke Überraschung präsentierten die DaimlerChrysler Aerospace (DASA) und Aerospatiale Matra im vergangenen Oktober ihre Fusionspläne, da sich die DASA ursprünglich mit der früheren British Aerospace zusammentun wollte. Im Dezember stieß die spanische CASA zur European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) dazu, die ihren juristischen Sitz in Amsterdam haben wird. Die neue EADS kommt auf rund 44 Mrd. DM Jahresumsatz und knapp 100 000 Beschäftigte und ist damit der drittgrößte Luft- und Raumfahrtkonzern der Welt, über die Tochter Eurocopter die Nummer eins bei Hubschraubern, zweiter im zivilen Flugzeugmarkt und führend im Satellitengeschäft.

In einer Studie bescheinigt die Deutsche Bank - zusammen mit der niederländischen ABN Amro Konsortialführer der Aktienemission - dem Unternehmen noch erhebliche Ergebnispotenziale, vor allem beim europäischen Erfolgsflugzeug Airbus, an dem die EADS mit 80 Prozent beteiligt ist. So wird von der geplanten Airbus-Gesellschaft, die den bisher lockeren Verbund der Deutschen, Franzosen, Spanier und Briten ablösen soll, erhebliche Ertragssprünge erwartet. Allerdings weist die Deutsche Bank als Schwäche unter anderem auf die Dollar- Abhängigkeit.

EADS-Hoffnungsträger ist vor allem der geplante Airbus - Superflieger A3XX. Mit diesem Großraumflugzeug will Airbus die Vorherrschaft des US-Konzerns Boeing bei den Flugzeug-Jumbos brechen. Zunächst wird der 20 Mrd. teure A3XX zwar nach Analystenurteil die EADS-Ergebnisse belasten. Er soll sich aber nach Branchenschätzungen ab 250 Bestellungen rechnen. Deutsche und Franzosen sind sich uneinig über den Standort der Endmontage und der Auslieferung, der entweder in Hamburg oder in Toulouse sein soll. Der Streit wird von Branchenkennern als schlechtes Omen für die EADS gewertet, die trotz jahrzehnterlanger Kooperation noch vor einem schwierigen Fusionsprozess stehe.

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