Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.06.2000

19:05 Uhr

Fondsmanager erklärt chinesische und malaiische Aktien zu seinen Favoriten

Indocam glaubt an die Asien-Chance

Die Tigerstaaten zeigen nach ihrer Krise 1997 wieder die Krallen. Ray Jovanovich, der in Hongkong Geld für institutionelle Anleger verwaltet, hält die wirtschaftliche Gesundung der Region für dauerhaft.

ali DÜSSELDORF. Asien ist weiter auf dem Weg nach oben. Die wirtschaftliche Erholung gewinnt an Breite und ist dauerhaft. Die Region bietet daher Chancen für langfristig denkende Anleger, glaubt Ray W. Jovanovich aus Hongkong. Er ist Fondsmanager bei Indocam, dem Vermögensverwalter der französischen Crédit-Agricole-Gruppe. Nur Japan bleibe das Sorgenkind. Indocam verwaltet insgesamt 50 Mrd. $, davon stammen 600 Mill.$ von deutschen Investoren - sowohl institutionelle wie private.

"Das Wachstum in den Tigerstaaten beträgt im Schnitt drei bis fünf Prozent im Jahr. Das Gewinnwachstum bei den Unternehmen liegt bei 10% bis 15%", erläutert der Asien-Experte. Das sei zwar ein geringeres Wachstum als vor Ausbruch der Asienkrise 1997; aber es handelt sich nach seiner Einschätzung im Unterschied zur Vorkrisenzeit Anfang der 90er Jahre um "profitables Wachstum": In den Tigerstaaten beginne - auf unterschiedlichen Niveaus - die private Nachfrage anzuziehen. Die Exportraten zum Beispiel in die USA seien hoch. Die Unternehmen machten überdies gute Fortschritte bei ihrer Restrukturierung und Entschuldung.



"Die asiatischen Märkte sind - mit Ausnahme Hongkongs - nicht zu teuer im Verhältnis zu den Unternehmensgewinnen" sagt Jovanovich. Das weitere Gewinnwachstum der Unternehmen wird seiner Einschätzung nach die Aktienkurse beflügeln. Er rät Anlegern, bei einem ausgewogenen weltweit anlegenden Portfolio einen Anteil von 8% bis 10% in ostasiatische Werte zu investieren. "Bei einem risikofreudigeren Anleger können es bis zu 20% sein", meint der Experte.

Jovanovich managt bei Indocam den Mosais Asian Renaissance Fonds, der zurzeit ein Volumen von 82,2 Mill.$ hat und auch in Deutschland zugelassen ist. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Fondsmanager einen Plus von 115,16%. Der Vergleichsindex MSCI Pacific Free kam auf 40,57%, der Durchschnitt der Fonds mit ähnlicher Ausrichtung erreichte ein Plus von 80,16%.

Die Tiger haben großen Hunger

Jovanovich verschweigt nicht die Risikofaktoren eines Asien-Investments: Als Hauptgefahr sieht er den großen Kapitalhunger der asiatischen Unternehmen: "Allein von Juli 1999 bis Juni 2000 werden Unternehmen 93 Mrd.$ an den Märkten dort aufgenommen haben", sagt Jovanovich. Dieser Ansturm auf die Kapitalmärkte habe bereits im Februar und März die Kurse gedrückt. Wenn viele neue Unternehmen an die Börsen drängten, zögen Anleger Gelder aus anderen Investments ab. Die Folge: Die Kurse fallen. Des weiteren sieht der Indocam-Experte in weiteren Leitzinserhöhungen in den USA eine Gefahr auch für die asiatischen Märkte.

Von den asiatischen Internetwerten, die in jüngster Zeit mit starken Kursschwankungen für viel Gesprächsstoff gesorgt hätten, hält der Fondsmanager nicht viel: "Die meisten von ihnen werden wohl nie Gewinne erwirtschaften." Jovanovich hält Chiphersteller wie Samsung für die bessere Wahl. Gerade die Chipbranche würde auch vom Mobilfunk-Boom profitieren. Außerdem hält er die Konsumgüterbranche und Finanztitel für chancenreich. Zu seinen größten Einzelposten zählen die Finanzholding Pacific Century Regional Development (5,4% Portfolio-Anteil), Sony (4,4%) und Nikko Securities (4%).

Die Ländergewichtung hat Jovanovich gerade geändert: "Ich habe den Anteil von Märkten abgesenkt, die sich bereits gut entwickelten, etwa Hongkong." Bei seiner Strategie für Ostasien exklusive Japan übergewichtet er zurzeit die Märkte China und Malaysia. Hintergrund sei die Höhergewichtung dieser Märkte im MSCI-Index für Ostasien exklusive Japan von nahezu Null auf nun jeweils rund 10%. Hong Kong, Indonesien, Korea, die Philippinen, Singapur und Thailand habe er untergewichtet, der Anteil von Investments in Taiwan entspreche dem Anteil taiwanesischer Unternehmen im Index (rund 20%), was eine neutrale Gewichtung bedeute.

Positiv vermerkt Jovanovich, dass asiatische Unternehmen zunehmend nach professionellen Gesichtspunkten gemanagt würden; der Einfluss von Familien-Clans schwinde langsam. "Dieser Prozess dauert aber gewiss insgesamt eine Generation", gibt sich Jovanovich realitätsbewusst

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×