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03.02.2003

08:10 Uhr

Frankfurter Geldhaus begleitet Börsengang der Kabelsparte von AOL Time Warner

Deutsche Bank erobert Top-Mandat in USA

VonVo Michael Maisch

Die ambitionierte Strategie der Deutschen Bank im Investmentbanking scheint auch in den USA Früchte zu tragen. Gemeinsam mit dem Wall - Street-Haus Bear Stearns und der Citigroup-Tochter Salomon Smith Barney wird der deutsche Branchenprimus aller Voraussicht nach den milliardenschweren Börsengang der Kabelfernsehsparte von AOL Time Warner führen.

FRANKFURT/M. Mit einem geplanten Volumen von 4 bis Mrd. Dollar für 20 bis 30 Prozent des Kabelgeschäfts wäre die Emission die größte in der Medienbranche überhaupt. Insgesamt winken den Banken bis zu 160 Mill. Dollar an Honoraren, schätzen Branchenkreise.

Wegen des massiven Kursverfalls an den Börsen herrscht im Geschäft mit Aktienplatzierungen seit Monaten absolute Flaute. Entsprechend hart war die Konkurrenz der krisengeschüttelten Investmentbanken um einen der vorderen Plätze im AOL-Time-Warner - Konsortium. Der Medienkonzern hat sich zu der Ausgliederung des Kabelgeschäfts entschlossen, um einen Teil seines enormen Schuldenbergs von insgesamt 26 Mrd. Dollar abzutragen.

Die Deutsche Bank will die Vergabe des Mandats derzeit nicht kommentieren, da AOL Time Warner den Prozess noch nicht endgültig abgeschlossen habe. In der Tat versuchen weitere Institute auf den fahrenden Zug aufzuspringen. In Branchenkreisen werden vor allem die Namen Morgan Stanley, JP Morgan Chase und die Bank of America genannt. Am Ende könnten bis zu fünf Banken die Emission führen.

Die Deutsche Bank und die Citigroup hätten das Mandat vor allem ihrem Kreditengagement bei AOL Time Warner zu verdanken, heißt es. Beide Institute haben eine Brückenfinanzierung über gut zwei Milliarden Dollar arrangiert. Mit diesen Mitteln hatte der Medienkonzern einen Teil des Kaufpreises für rund ein Drittel des Kabelgeschäfts finanziert. Im vergangenen Jahr hatte AOl Time Warner einen Anteil von 28 Prozent an den Kabelaktivitäten von Comcast übernommen. Die Einnahmen aus dem jetzt geplanten Börsengang will AOL Time Warner auch für die Rückzahlung der Finanzierung einsetzen.

Große Universalbanken wie die Citigroup, die Deutsche Bank aber auch JP Morgan Chase versuchen seit geraumer Zeit Kredit- und Beratungsgeschäft zu verknüpfen. Diese Institute setzen ihre Bilanzstärke ein, um durch Finanzierungszusagen lukrative Mandate im Investmentbanking zu gewinnen.

Für die Deutsche Bank ist das Kabel-Mandat ein großer Schritt nach vorne im US-Geschäft. Josef Ackermann, der neue Chef der Deutschen Bank, will sein Haus in die absolute Spitzenklasse der internationalen Investmentbanken führen - ohne eine starke Stellung an der Wall Street lässt sich dieses ehrgeizige Ziel allerdings kaum erreichen.

In Europa hat die Deutsche Bank 2002 im Geschäft mit Aktienplatzierungen bereits den Sprung an die Spitze geschafft. In den USA rangiert das Institut in dieser Sparte dagegen nur auf Rang 10. In der Königsdizsziplin des Investmentbanking, der Übernahmeberatung (M&A), taucht die Deutsche Bank in den USA nicht unter den Top-Ten auf. Aber auch in Europa reicht es für Ackermanns Truppe im prestigeträchtigen M&A-Geschäft lediglich für den zehnten Platz.

Quelle: Handelsblatt

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