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06.07.2000

14:16 Uhr

Der Gewinner

Der Gewinner

sid ZÜRICH. Ihm, dem "Kaiser" gelingt eben alles. Jetzt hat Franz Beckenbauer auch die größte Herausfordernung seines Lebens bestanden. Die Weltmeisterschaft 2006 wird in Deutschland ausgetragen. Er war schon Pokalsieger, Deutscher Meister, Europapokal-Gewinner, Europameister, Weltmeister. WM-Champion auch als Teamchef, auch Deutscher Meister und Uefa-Pokalsieger als Trainer. Selbstverständlich ist er Präsident von Bayern München. Und ohne Wahlkampf DFB -"Vize". Er hat sich immer größere Herausforderungen gesucht. Jetzt, mit 54, hat er auch die bislang größte bewältigt, und die Welt fragt sich: Wo sind seine Grenzen?

Der Respekt, den nicht nur Bundeskanzler Gerhard Schröder ihm entgegenbringt, ist ungeheuer groß und berechtigt. Wie sehr die Kampagne nur auf den "Kaiser" zugeschnitten war, verdeutlicht die Tatsache, dass alle anderen Bewerber bei der letzten Präsentation jeweils drei Vertreter reden ließen. Für Deutschland sprach nur Franz Beckenbauer. Selbst Bundeskanzler Gerhard Schröder stand stumm neben ihm und drückte nur die Daumen, Schröder später: "sieben Minuten waren angekündigt. Aber es viel mehr geworden."

So ist er eben, der Franz. Wenn er ins Plaudern gerät, vergisst er Zeit und Raum - und niemand ist ihm böse. Kein anderer in Deutschland hat den Charme, längst Bekanntes so zu verpacken, dass es immer wieder noch einmal ein neues, interessantes Detail gibt. Kein anderer hätte es geschafft, Kanzler Gerhard Schröder, Model Claudia Schiffer und Unternehmer Boris Becker dazu zu bewegen, sich einen Tag frei zu nehmen, um sich 36 Minuten schweigend auf eine Bühne zu stellen, wo sie nur Däumchen drückten.

Während die anderen Kandidaten ihre bis auf Punkt und Komma geschliffen vorbereiteten Reden vom Blatt lasen, hielt Beckenbauer einen freien Vortrag. Verhaspelte sich mal, uferte aus, kurzum: war menschlich. Verbreitete Sympathie für ein Deutschland, das im Ausland immer noch als streng, organisiert, diszipliniert und humorlos gilt.

Beckenbauer hat den Gewinn der Bewerbung gegen zunächst vier Gegner als die wichtigste Herausforderung in seinem Leben bezeichnet: "Weltmeister kann man als Spieler und Trainer theoretisch mehrfach werden - eine Weltmeisterschaft organisieren, das Geschenk erhält man nur einmal im Leben."

Gegen die sportpolitischen und moralischen Argumente für Afrika hat seine Aura gereicht, die Mehrheit des Exekutiv-Komitees zur Wahl von Deutschland zu verführen. Die Zukunft liegt jetzt auf der Hand. Beckenbauer wird Präsident des nun zu gründenden Organisations-Komitees werden. Und ganz Deutschland weiß jetzt schon: 2006 wird alles gut.

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