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14.03.2003

11:09 Uhr

Franzosen profitieren in erster Linie

Deutsche Firmen profitieren von Stimmung gegen USA

Das Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und den USA hat in den vergangenen Jahren tiefe Risse bekommen, nicht zuletzt weil 15 der 19 Flugzeugattentäter vom 11. September 2001 saudische Staatsbürger waren. Auf die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Supermacht und dem Königreich mit den größten Ölvorkommen der Welt hat dies anfangs keine Auswirkungen gehabt. Doch allmählich sind bei den Investitionen und Konsumentscheidungen der Golfaraber anti- amerikanische Tendenzen spürbar.

HB/dpa RIAD/KAIRO. Dies liegt nach Einschätzung von Beobachtern in der Region einerseits an der Sorge, dass in den USA angelegtes Geld bei neuen Terroranschlägen blockiert werden könnte. "Saudische Bürger beginnen sich Sorgen zu machen, dass ihr Vermögen eingefroren werden könnte. Wenn eine Klage (etwa wegen angeblicher Unterstützung für Terroristen) eingereicht wird, kann sich das Jahre lang hinziehen", warnte der Vorsitzende des saudischen Exportentwicklungszentrums, Abdulrahman el Zamil, diese Woche. Sein Fazit: "Unter derartigen Umständen würde nur ein verrückter Saudi noch irgendwelches Geld in den USA belassen." Das in den USA angelegte saudische Vermögen wird von Experten derzeit auf etwa 594 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Andererseits missfallen den reichen arabischen Investoren, die an eine VIP-Behandlung gewöhnt sind, die nach dem 11. September eingeführten Sicherheitsbestimmungen für Araber, die in die USA einreisen wollen. Aber auch die israelischen Militäroperationen in den Palästinensergebieten, für die man in der arabischen Welt die USA mitverantwortlich macht, und die von den meisten Arabern abgelehnten amerikanischen Vorbereitungen auf einen Irak-Krieg spielen in diesem Zusammenhang immer mehr eine Rolle.

Appell an Landsleute für Investitionen am Golf

Saudi-Arabiens Kronprinz Abdullah Ibn Abdelasis, nutzte diesen Trend in dieser Woche, um seine Landsleute dazu aufzurufen, ihr Geld doch bitte künftig im Königreich selbst zu investieren. "Gott ist mit diesem Land und seiner Entwicklung, und Gott möge nicht das Geld segnen, das in dieser Nation vermehrt und dann außer Landes gebracht wurde", sagte er am Mittwoch bei einem Treffen mit saudischen Firmenvertretern. Während westliche Finanzexperten die Investitionsmöglichkeiten in den Golfstaaten immer noch für sehr begrenzt halten, glaubt Zamil, dass für diese Entscheidung auch wirtschaftliche Gründe sprechen. Wer sein Geld in den USA investierte, habe in den vergangenen Jahren Geld verloren gegenüber einem Gewinn von 15 Prozent für Investitionen in Saudi-Arabien.

Das saudisches Geld in größerem Umfang aus dem wichtigsten Anlagemarkt USA abgeflossen sein soll, davon wollen Banker in Riad bisher nicht viel gemerkt haben. Höchstens ein Prozent des in den USA investierten saudischen Geldes sei abgezogen und vorwiegend in der Schweiz angelegt worden, meint ein amerikanischer Banker in Riad. "Die Milliardenbeträge, von denen zuletzt in den Medien berichtet wurde, sind stark übertrieben", erklärt er. "Die würden sich doch sofort auf dem europäischen Markt bemerkbar machen. Und wenn man kein Vertrauen in den amerikanischen Markt hat, wohin dann mit dem Geld? Etwa in den Dax?", fragt er spöttisch.

Zahlreiche Aufträge in der Pipeline

Norbert Lehner, Fabrikmanager der Firma Abu Hischam in Riad, stellt dagegen fest, dass die Saudis für Kontakte zu europäischen Firmen derzeit besonders aufgeschlossen sind. Auch im weniger reichen Bahrain wachsen derzeit die Möglichkeiten für europäische Firmen. Zahlreiche Aufträge seien allerdings noch "in der Pipeline", meint der österreichische Vertreter einer Industriemaschinen-Firma in dem Golfstaat. Ob sich diese Chancen letztlich in barer Münze auszahlten, sei jedoch auch von der politischen Stabilität der Region abhängig.

Das Gefühl, dass man die politisch übermächtig erscheinenden USA nur im Bereich der Wirtschaft treffen könne, sei bei den Golfarabern inzwischen weit verbreitet. Amerikanische Autos seien in Bahrein mittlerweile für "einen Appel und ein Ei" zu haben. Der von Pro- Palästina-Gruppen organisierte inoffizielle Boykott amerikanischer Produkte dürfe nicht unterschätzt werden, glaubt er.

Laut Import-Statistik profitieren in Saudi-Arabien derzeit vor allem die Franzosen vom anti-amerikanischen Klima. Die französischen Importe ins Königreich legten innerhalb von vier Monaten um 13 Prozent zu. Die saudische Zeitung "Arab News" berichtet unter Berufung auf amerikanische Zahlen, die US-Exporte seien in den ersten vier Monaten des vergangenen Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 43 Prozent auf 986 Mill. Dollar gefallen.

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