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02.01.2001

17:02 Uhr

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Frauen erstmals für alle Waffengattungen eingerückt

Von den für Dienstag erwarteten 244 Frauen sollten 151 zum freiwilligen Dienst im Heer, 76 zur Luftwaffe und 17 zur Marine kommen, wie das Verteidigungsministerium mitteilte.

ap BERLIN/DÜLMEN. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundeswehr haben am Dienstag Frauen ihren Dienst an der Waffe angetreten. Insgesamt wurden 244 Frauen an verschiedenen Standorten erwartet. Zugleich zog die Bundeswehr rund 22 000 wehrpflichtige junge Männer ein. Verteidigungs-Staatssekretärin Brigitte Schulte erklärte, bis zur Gleichstellung der Geschlechter auf allen Ebenen dauere es noch 25 bis 30 Jahre.

Bisher waren bereits rund 4 700 Frauen bei der Bundeswehr, ihnen stand jedoch nur der Sanitäts- und der Musikdienst offen. Für die nun freiwillig erschienenen Soldatinnen standen fast nur Formalien auf dem Programm des ersten Tages. In gemischten Gruppen sollen sie mit ihren männlichen Kameraden die Grundausbildung durchlaufen. In den Kasernen leben sie allerdings, wie etwa im nordrhein-westfälischen Dülmen, auf getrennten Fluren.

Der Dienst für Frauen auch an der Waffe wurde möglich, nachdem Deutschland vom Europäischen Gerichtshof verurteilt worden war, das geltende Verbot aus dem Grundgesetz zu nehmen, da es dem Gleichbehandlungsgebot widerspreche.

Von den für Dienstag erwarteten 244 Frauen sollten 151 zum freiwilligen Dienst im Heer, 76 zur Luftwaffe und 17 zur Marine kommen, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Ob sie alle kommen würden, war offen, da es sich um Freiwillige handelt. Eine Wehrpflicht für Frauen gibt es nach wie vor nicht.

Der Bundestag hatte im November mit einer Änderung des Soldatengesetzes die Grundlage für den gleichberechtigten Einsatz von Frauen in allen Waffengattungen geschaffen. Der Gesetzentwurf wurde gegen die Stimmen von CDU/CSU und PDS angenommen. Am 1. Dezember hatte auch der Bundesrat der nötigen Grundgesetzänderung zugestimmt.



Zwtl: Kujat verspricht sich Bereicherung



Schulte meinte im Deutschlandradio, sie rechne nicht mit Schwierigkeiten innerhalb der Truppe. Jüngere Menschen hätten kaum Vorbehalte gegen Frauen in Kampfeinsätzen. Generalinspekteur Harald Kujat versprach sich eine Bereicherung der Streitkräfte durch den Eintritt von Frauen. Zu denkbaren sexuellen Belästigungen durch Kameraden sagte Kujat, er glaube, "dass es in der Bundeswehr nicht anders ist als in normalen Betrieben".

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, begrüßte die Öffnung der Streitkräfte für Frauen als ein "Stück mehr Normalität und ein Stück mehr gesellschaftliche Integration". Im Inforadio Berlin räumte er ein, dass einige Soldaten verunsichert seien, "weil das bisher so eine schöne, heile Männerwelt gewesen ist".

Von einem "guten Tag für die Frauen" sprach der CDU-Sicherheitsexperte Friedbert Pflüger. Die Öffnung des freiwilligen Dienstes für Frauen sei kein Argument für die Abschaffung der Wehrpflicht, weil Frauen in der Gesellschaft noch nicht vollends gleichgestellt seien. Daher könne man nicht von einer Benachteiligung der Männer sprechen.

Die PDS-Vorsitzende Gabi Zimmer erklärte für die PDS, zwar sei ein weiteres Stück Gleichstellung erreicht, "aber keines, über das Freude aufkommen kann". Frauen sollten ihre "Kraft und Beharrlichkeit, ihren Mut und ihre Ideen für die Erhaltung des Friedens mit vorwiegend nichtmilitärischen Mitteln einsetzen", schlug sie vor.



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