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19.07.2000

22:00 Uhr

Freightliner macht das Rennen vor anderen Interessenten

Daimler-Chrysler kauft Western Star

Der größter Nutzfahrzeughersteller der Welt rundet seine Aktivitäten in den USA ab. Die Nutzfahrzeugtochter Freightliner übernimmt den kanadischen Konkurrenten Western Star.

ajo/weg STUTTGART. Rund eine Milliarde DM (670 Mill. kanadische Dollar) zahlt die US-amerikanische Daimler Chrysler-Nutzfahrzeugtochter - Freightliner für den kleinen Konkurrenten Western Star Trucks Holdings Ltd. Das Unternehmen ist ein in Kelowna, im kanadischen Bundesstaat British Columbia beheimateter Premiumhersteller für schwere Lastkraftwagen. Damit macht die Daimler-Chrysler-Tochter das Rennen vor anderen Interessenten. Als potenzielle Käufer waren in den vergangenen Wochen auch Iveco und MAN genannt worden.

Die Übernahme gaben Daimler-Chrysler und Western Star am späten Mittwochabend bekannt. Sie soll bis zum Herbst vollzogen sein. Der Kauf steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der kanadischen und US-amerikanischen Kartellbehörden.

Die Kombination von Freightliner, Sterling und Western Star schaffe eine "hervorragende Plattform" für weiteres Wachstum, erklärte Daimler-Chrysler-Nutzfahrzeug-Vorstand Dieter Zetsche. Terrence Peabody, der Vorstandschef von Western Star, bezeichnete die Übernahme als "große Chance für die Beschäftigten und die Kunden". Der Australier Peabody war 1991 bei Western Star eingestiegen und hat in den vergangenen zehn Jahren das 1967 gegründete Lastenwagen-Unternehmen ausgebaut. 1994 ging Western Star an die Börse. Auf Grund der umlaufenden Gerüchte und des allgemein positiven Trends bei Automobilwerten stieg die Daimler-Chrysler-Aktie am Mittwochnachmittag erstmals seit mehr als vier Wochen über 60. Dabei spielten auch Gerüchte um den Verkauf der Bahntochter Adtranz eine Rolle. Schon im Juni hatte Western Star bekannt gegeben, dass es in Übernahmeverhandlungen stehe. Seither hatte sich der Kurs der Aktie von rund 18 kanadischen Dollar auf knapp 35 kanadische Dollar verdoppelt. Daimler-Chrysler zahlt 42 kanadische Dollar pro Aktie

.

Freightliner setzt mit der Übernahme seinen Expansionkurs fort. Auf dem US-Markt hielt die Daimler-Chrysler-Tochter 1999 bei schweren Nutzfahrzeugen, der so genannten Klasse 8, einen Marktanteil von rund 38 %. Western Star kam 1999 nach einer Studie der Commerzbank mit knapp 4 000 verkauften Einheiten auf einen Anteil von rund 1,5 % in diesem Marktsegment. Bei leichten Lastwagen hat Freightliner mit Hilfe der zweiten Marke Sterling inzwischen den Marktanteil auf 18 % ausgebaut. Im vergangenen Jahr setzte Freightliner in der Nafta-Region 193 000 Fahrzeuge ab. Der Umsatz belief sich 1999 laut Daimler-Chrysler-Geschäftsbericht auf 10,4 Mrd. . Das Unternehmen beschäftigte knapp 19 000 Arbeitnehmer. Die in Portland an der US-Westküste im Bundesstaat Oregon beheimatete Daimler-Chrysler-Nutzfahrzeug-Tochter hatte erst Ende 1998 mit dem Erwerb des Schulbus Thomas Built Buses Corp. -Herstellers ihre Marktposition ausgebaut.

Die Neuerwerbungen führen dazu, dass Freightliner insgesamt nach Analysteneinschätzung den Abschwung auf dem US-Nutzfahrzeugmarkt puffern kann. Außerdem soll die zweite Marke Sterling ausgebaut werden. Unter dieser Marke hat Freightliner das frühere Lastwagengeschäft von Ford seit 1998 neu positioniert und damit verstärkt auf dem Markt der leichteren Nutzfahrzeuge Fuß gefasst.

Auch Western Star, dessen Hauptmarkt mit rund zwei Dritteln des Absatzes die USA sind, ist von der Flaute auf dem US-Markt betroffen. Erst im April wurde das Stammwerk in Kelowna für zwei Wochen geschlossen. Der Nutzfahrzeughersteller reduzierte den täglichen Ausstoß auf 25 Einheiten gegenüber mehr als 30 im Winter. Dabei hatte Western Star eigentlich das Ziel, die Produktion mehr als zu verdoppeln und bis 2001 laut Geschäftsbericht auf 120 Einheiten pro Tag zu steigern. Dazu wurde ein neues Werk in South Carolina gebaut. Ziel ist es, bei mittelschweren Lastwagen der so genannten Klasse 7 Fuß zu fassen und den Anteil in der schweren Klasse 8 auszubauen.

Laut Geschäftsjahr 1998/99 (30. Juni) wurden im damaligen Rekordjahr insgesamt knapp 7 000 Fahrzeuge verkauft. Insgesamt erzielte das kanadische Unternehmen einen Umsatz von 1,8 Mrd. kanadischen Dollar (1,4 Mrd.) und einen Jahresüberschuss von 29,8 Mill. kanadischen Dollar (21,6 Mill.). In den Umsatzzahlen enthalten sind auch die rund 900 Busse der Marke Orion. Im März verkaufte Western Star seine britische Tochter ERF an den MAN-Konzern. Dieser Zweig erzielte 1998/99 rund 490 Mill. kanadische Dollar Umsatz. Insgesamt beschäftigte der Western-Star-Konzern im Geschäftsjahr 1998/99 rund 3 700 Mitarbeiter. Daimler-Chrysler, größter Nutzfahrzeughersteller der Welt, rundet seine Aktivitäten auf dem nordamerikanischen Markt ab. Die US-Nutzfahrzeugtochter Freightliner übernimmt den kanadischen Konkurrenten Western Star, um die Position im Premium-Segment weiter auszubauen.

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