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31.05.2000

15:37 Uhr

dpa SYDNEY/SUVA. Der Machtkampf auf den Fidschi-Inseln zwischen dem Militär und den bewaffneten Rebellen von George Speight hat sich am Mittwoch zugespitzt und die Freilassung der im Parlament festgehaltenen Geiseln weiter verzögert. Speight kündigte am Abend in einem Interview mit dem australischen Fernsehsender Foxtel an, der ehemalige Premierminister Mahendra Chaudhry und die anderen rund 30 Geiseln würden so lange in seiner Gewalt bleiben "wie nötig". Die Rebellen sind offenbar unzufrieden, weil das Militär sie von allen Entscheidungsprozessen ausschließt.

Das Militär unter dem Befehlshaber der Streitkräfte, Kommodore Frank Bainimarama, wird nun zunächst doch alleinverantwortlich die Regierungsgeschäfte leiten, nachdem es noch am Vormittag den Schwiegersohn des früheren Präsidenten zum Premieminister einer zivilen Übergangsregierung ernannt hatte. Bainimarama erklärte später, das Land sei noch nicht bereit für eine zivile Regierung.

Zwei Tage, nachdem er die Macht ergriffen hat, hat sich Bainimarama mittlerweile selbst zum Präsidenten eingesetzt. Vor der Presse kündigte er an, er rechne damit, dass er zwischen einem und drei Jahren im Amt sein werde, bevor es demokratische Neuwahlen gibt. So lange werde es dauern, eine neue Verfassung zu entwerfen, die den 51 Prozent eingeborenen Fidschianern mehr Rechte gegenüber der indischen Minderheit sichere. Der bisherige Präsident Ratu Sir Kamisese Mara habe sich auf seine Heimatinsel Lakemba zurückgezogen und wolle nicht zurückkehren, sagte Bainimarama über den 80-Jährigen.

Der ursprünglich als Premierminister vorgesehene Ratu Epeli Nailatikau war früher selbst Oberbefehlshaber der Streitkräfte und ist mit der Tochter Maras verheiratet, die als ehemalige Tourismusministerin selbst zu den Geiseln im Parlament gehört. Er wird aber dem "Militärrat" angehören, der vorerst das Sagen haben wird.

Während am Morgen die Menschen in der Hauptstadt Suva ihrem alltäglichen Leben nachgingen, hatte sich die Lage am Nachmittag dramatisch zugespitzt. Speight-Anhänger stahlen in der Nähe des Parlaments mehrere Autos und verprügelten die Fahrer, die alle indischer Herkunft waren. Speight räumte ein, dass er keine Kontrolle über den Mob habe. Die Armee verstärkte ihre Präsenz in der Stadt.

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