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13.01.2003

08:38 Uhr

Freshfields musste in Deutschland den ersten Platz räumen

Linklaters dominiert M&A-Szene

VonJens Koenen

Nicht alle Anwälte spüren die Flaute bei Übernahmen gleichermaßen. In Europa machen Linklaters und Clifford Chance Boden gut. In Deutschland setzt sich Hengeler Mueller an die Spitze.

FRANKFURT/M. Die britische Anwaltssozietät Linklaters geht gestärkt in ein voraussichtlich erneut schwieriges Jahr für die Rechtsberater von Übernahmen und Fusionen (M&A). Mit einem betreuten Transaktionsvolumen von fast 194 Mrd. Euro und 208 Deals liegt Linklaters nach Berechnungen des Informationsdienstes Mergermarket klar an der Spitze der europäischen M&A-Rechtsberater.

"Wir haben im vergangenen Jahr in einem schwachen Umfeld Marktanteile hinzugewonnen. Das ist eine gute Basis für das laufende Jahr", meint Stephan König, Leiter der deutschen M&A-Bereichs von Linklaters. Nach seiner Ansicht zeichnet sich eine leichte Erholung zumindest aber keine erneute Talfahrt im M&A-Markt ab. Das bestätigen die Experten von Mergermarket. Sie sprechen von einem leichten aber kontinuierlichen Wachstum im letzten Quartal 2002. Die über 160 Jahre alte Sozietät Linklaters konnte in den zurückliegenden Jahren durch Übernahmen in ganz Europa stark wachsen. In Deutschland ist Linklaters über die Kanzlei Oppenhoff & Rädler aktiv. "Natürlich beraten wir nicht nur bei M&A-Transaktionen. Aber wir haben in den zurückliegenden Jahren erheblich in diesen Bereich investiert. Das zahlt sich jetzt aus", berichtet König. Das Geschäft mit Übernahmen und Fusionen ist 2002 zum zweiten Mal in Folge eingebrochen. Nach Angaben von KPMG Corporate Finance sackte der Wert der globalen Transaktionen um 47 % auf 996 Mrd. US-Dollar ab. Der Rückgang hat die europäische Rangfolge der erfolgreichsten Rechtsberater auf den ersten zehn Plätzen kräftig durcheinander gewirbelt. Gemessen am Volumen der angekündigten Transaktionen hat Freshfields Bruckhaus Deringer den zweiten Platz an Clifford Chance verloren. Den deutlichsten Sprung nach vorne machten Allen & Overy (von 10 auf 5) und Ashurst Morris Crisp (von 17 auf 8).

"Die Sozietäten, die eng an Transaktionen von Beteiligungsgesellschaften hängen, wie etwa Ashurst oder Allen, haben sich verbessern können", erläutert Charlie Welsh von Mergermarket.

Bei zahlreichen Transaktionen standen 2002 Finanzinvestoren auf der Käuferseite - auch in Deutschland. Dagegen hat die Übernahmelust der Unternehmen deutlich nachgelassen. So erwarb die amerikanische Beteiligungsgesellschaft KKR für knapp 1,7 Mrd. Euro sieben Unternehmen von Siemens. Haarmann & Reimer, die Duftstoffsparte von Bayer, ging an den Finanzinvestor EQT/Investor AB. "Was den Markt zur Zeit am Leben hält, sind neben den Strukturmaßnahmen der Industrie vor allem die Private-Equity-Häuser, die als Käufer auftreten", sagt Axel Epe, einer von zwei Leitern der Praxisgruppe Gesellschaftsrecht bei Freshfields Bruckhaus Deringer.

Freshfields musste in Deutschland den ersten Platz in der Rangliste der erfolgreichsten M&A-Sozietäten räumen, zumindest gemessen am Wert der Transaktionen. An der Spitze steht jetzt Hengeler Mueller. Die Düsseldorfer berieten etwa die Deutsche Bank beim milliardenschweren Verkauf der Wertpapier-Abwicklung an die US-Gesellschaft State Street. Trotzdem ist Epe mit dem Abschneiden von Freshfields zufrieden. Er verweist darauf, dass die Sozietät gemessen an der Zahl der Transaktionen in Deutschland die Führung übernommen habe.

Auffällig ist der rasante Aufstieg von Clifford Chance. Die britische Sozietät verbesserte sich in Deutschland binnen Jahresfrist von Rang 16 auf Platz drei. Charlie Welsh von Mergermarket ist sich sicher, dass sich Clifford Chance dauerhaft einen Platz in der Spitzengruppe der Rechtsberaterin Sachen Übernahmen und Fusionen sichern wird.

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