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02.05.2003

14:15 Uhr

"Friedensbesuch" geplant

Indien will Beziehungen zu Pakistan normalisieren

Nach jahrelangen militärischen Spannungen wollen die Atommächte Indien und Pakistan wieder vollständige diplomatische Beziehungen zueinander herstellen. Der indische Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee kündigte am Freitag im Parlament von Neu Delhi an, ein neuer Botschafter werde nach Pakistan entsandt und der Flugverkehr zum Nachbarland wieder aufgenommen.

HB/dpa NEU DELHI/ISLAMABAD. Die pakistanische Regierung begrüßte die Entscheidung als "Schritt in die richtige Richtung". Dies könne die Verbitterung und Anspannung auf beiden Seiten abbauen, sagte der pakistanische Informationsminister Sheikh Rashid.

Vajpayee hob hervor, diese neue Runde von Gesprächen werde entscheidend sein und die letzte zu seinen Lebzeiten. "Wie lange wollen wir denn noch kämpfen? Indien und Pakistan müssen lernen, zusammen zu leben", sagte der 78-Jährige. Informationsminister Rashid lobte mit Blick auf die neue Dialogbereitschaft die Regierungschefs beider Seiten für ihre verantwortungsvolle Haltung und ihre Weitsicht.

"Wir haben wiederholt gesagt, wir brauchen eine Atmosphäre, die einen dauerhaften Dialog ermöglicht. Dies wiederum erfordert ein unbedingtes Ende des grenzüberschreitenden Terrors und den Abbau von dessen Infrastruktur", betonte Vajpayee. Ausgestreckt habe er die "Hand der Freundschaft", weil sich die internationale Situation nach dem Irak-Krieg dramatisch verändert habe. "Die Welt ist einpolig geworden, wir bevorzugen aber eine multipolare Welt."

Indien hatte seinen Botschafter Ende 2001 abgezogen, nachdem Terroristen einen Anschlag auf das Parlament in Neu Delhi verübten. Für den Anschlag mit 13 Toten machte die indische Regierung die extremistischen muslimischen Gruppen Lashkar-e-Toiba und Jaish-e-Mohammed verantwortlich, die von Pakistan aus agieren. Damals waren auch die Bus-, Schienen- und Flugverbindungen zwischen beiden Ländern eingestellt worden. Indien hatte zudem Hunderttausende Soldaten an die Grenze zu Pakistan sowie an die Demarkationslinie in der geteilten Himalaya-Region Kaschmir verlegt.

Zu einem inoffiziellen, einwöchigen "Friedensbesuch" will nun eine Gruppe pakistanischer Parlamentarier nach Indien reisen, wie ein Abgeordneter der dpa in Neu Delhi sagte. Auf beiden Seiten gebe es einen spürbaren Sinneswandel.

Pakistans Ministerpräsident Mir Zafarullah Jamali hatte bereits am Montag Vajpayee angerufen und ihm Dialogbereitschaft zugesagt. Neu Delhi hat inzwischen begonnen, Truppen von der Grenze zu Pakistan abzuziehen. Die beiden Länder haben seit 1947 drei Kriege gegeneinander geführt, zwei davon um Kaschmir. Für internationale Besorgnis sorgten zudem beiderseitige Atomtests im Jahr 1998.

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