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11.02.2001

17:39 Uhr

ap BOGOTA. In Kolumbien wächst wieder die Hoffnung auf Frieden. Regierung und linke Rebellen vereinbarten am Freitag, die im November abgebrochenen Friedensgespräche wieder aufzunehmen. Aber auch wenn jetzt vorsichtiger Optimismus herrscht, beide Seiten stehen vor einer schwierigen Aufgabe, wenn sie am Mittwoch nach einer rund dreimonatigen Pause wieder über ein Ende des seit 37 Jahren dauernden Kriegs verhandeln.

Zwei Tage lang hatten Präsident Andres Pastrana und der Führer der Revolutionären Bewaffneten Streitkräfte Kolumbiens (FARC), Manuel Marulanda, in der Rebellenhochburg Los Pozos im Süden des Landes verhandelt und schließlich ein gemeinsames Abkommen unterzeichnet. Nach Einschätzung von Beobachtern ist aber noch lange nicht mit einem Ende des Konflikts zu rechnen, dem schon etwa 35 000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Die Situation sei zu komplex, als dass man mit einer Lösung über Nacht rechnen könne, sagt Daniel Garcia-Pena, der frühere Friedensbeauftragte der Regierung.

Regierung verlängert entmilitarisierten Status um Los Pozos

Als Reaktion auf die Unterzeichnung des Abkommens von Los Pozos verlängerte die Regierung den entmilitarisierten Status der Zone um die Stadt bis zum 9. Oktober. Der Sonderstatus des von Rebellen kontrollierten Gebiets wäre am Freitag ausgelaufen. Weiter wurde in dem Abkommen vereinbart, Gefangene auszutauschen und ein Gremium einzurichten, das Vorschläge zur Eindämmung der Gewalt rechtsgerichteter Milizen ausarbeiten soll.

Die paramilitärischen Vereinigten Selbstverteidigungsstreitkräfte Kolumbiens (AUC) gelten nach Einschätzung von Beobachtern als größtes Hindernis auf dem Weg zum Frieden. Der rund 8 000 Mann starken AUC werden mehrere Massaker an Sympathisanten der Rebellen vorgeworfen. Wegen möglicher Verbindungen der Regierung zur AUC hatten die Rebellen im Herbst die Friedensgespräche abgebrochen. Möglicherweise muss die AUC auch in die Verhandlungen um einen Waffenstillstand eingebunden werden. Wenn man ein Abkommen mit der FARC treffe, aber die AUC weiter kämpfe, dann mache das die Angelegenheit äußerst kompliziert, sagt Garcia-Pena.

Mit rund 16 000 Guerilleros ist die FARC die größte Rebellenorganisation Kolumbiens. Sollte ein Waffenstillstand erzielt werden, müsste im nächsten Schritt über die Forderungen der FARC nach ökonomischen und landwirtschaftlich Reformen verhandelt werden. Im Gegenzug müssten die Rebellen dann aber auch Eingeständnisse machen. Der FARC werden Entführungen und Verbindungen zur Kokainindustrie nachgesagt. Damit soll sie mehrere hundert Mill. Dollar pro Jahr einnehmen soll. Die USA haben der kolumbianischen Regierung beim Kampf gegen das Kokainkartell militärische Unterstützung von etwa 1,3 Mrd. Dollar zugesagt.

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