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13.01.2003

18:25 Uhr

Friedensmissionen geplant

Papst sagt Nein zum Krieg

Die scharfer Form hat das Oberhaupt der katholischen Kirche einen Waffengang gegen den Irak verurteilt.

dpa ROM/BAGDAD/KAIRO. In seiner bislang schärfsten Stellungnahme zum Irak-Konflikt hat Papst Johannes Paul II. am Montag einen möglichen Krieg gegen Bagdad scharf verurteilt. "Krieg ist niemals ein unabwendbares Schicksal. Krieg bedeutet immer eine Niederlage für die Menschheit", sagte der Kirchenführer im Vatikan. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Mohammed el Baradei, betonte unterdessen in Paris, die Waffeninspekteure im Irak bräuchten noch "einige Monate", um ihre Arbeit erfolgreich beenden zu können. Der britisch Regierungschef Tony Blair sagte in London, Saddam Hussein müsse seine Massenvernichtungswaffen aufgeben: "Wenn er es nicht freiwillig tut, wird er mit Gewalt entwaffnet werden."

Der Papst sagte: "Krieg ist nicht einfach ein anderes Mittel, das man anwenden kann, um Konflikte unter Nationen zu regeln." Nach der Uno-Charta könne Krieg lediglich unter bestimmten Bedingungen als letztes Mittel betrachtet werden. Dabei müssten aber auch "die Folgen für die Zivilbevölkerung" beachtet werden. Nach italienischen Presseberichten will der Papst hohe Kurienvertreter zu Friedensmissionen nach Bagdad und Washington schicken.

El Baradei sagte nach einem Gespräch mit dem französischen Außenminister Dominique de Villepin, bislang nehme der Irak "eine passive Haltung ein, wir wünschten uns eine aktive Zusammenarbeit". Dies hatten Baradei und UN-Chefwaffeninspekteur Hans Blix bereits in der vergangenen Woche bei der Vorlage ihres Irak-Zwischenberichts im Weltsicherheitsrat in New York gefordert. Darin hieß es, die UN hätten bisher keine Beweise dafür, dass der Irak über Arsenale an Massenvernichtungswaffen verfüge. Dies heiße aber nicht, dass keine illegalen Waffen versteckt seien. Blix und El Baradei wollen bis zum 27. Januar im Weltsicherheitsrat einen weiteren Bericht vorlegen.

IAEO-Sprecher Mark Gwozdecky sagte der britischen BBC, die Waffeninspekteure benötigten etwa ein Jahr für eine "zuverlässige" Untersuchung der irakischen Waffenprogramme. In vielen Fällen müssten Einrichtungen mehrfach durchsucht werden. Er äußerte sich dennoch zuversichtlich, dass die Experten vor Ort jedes verbotene Nuklearprogramm entdecken könnten. Angesichts der bisher guten Kooperation der Iraker sei dies möglich. "Ist es nicht ein Jahr wert, um eine nachhaltige, überprüfbare Lösung diese Problems zu bekommen?"

Der britische Premier Blair will seinen harten Irak-Kurs beibehalten. Er plädierte in London dafür, den Waffeninspektionen eine Chance zu geben. "Aber bei einem Verstoß gegen die UN-Resolution (1441) sind wir fest entschlossen zu handeln", sagte Blair. Das Dossier, in dem der Irak am 8. Dezember die Existenz von Massenvernichtungswaffen bestritten hatte, sei "falsch". Für ihn sei es nur "eine Frage der Zeit", bis sich die Gefahren von Massenvernichtungswaffen und Terrorismus verbinden würden.

Angesichts wachsender Bedenken in der Bevölkerung und Widerstandes innerhalb der regierenden Labour-Partei hatten führende Politiker in den vergangenen Tagen immer wieder die Bedeutung des UN-Prozesses betont. Labour-Geschäftsführer John Reid sagte, die Regierung gebe einer diplomatischen Lösung des Konflikts den "Vorzug".

Unterdessen begannen US-Militärexperten mit der Inspektion von türkischen Luftwaffenstützpunkten, die bei einem Militärschlag gegen den Irak als Ausgangsbasis für eine Offensive aus dem Norden in Frage kommen. Die Einwilligung in die Inspektionen bedeute aber nicht automatisch, dass Washington die Anlagen auch benutzen darf, hieß es.

Im Irak durchsuchten Waffeninspekteure der UN am Montag erneut mehrere Universitätsinstitute in Bagdad. Wie Augenzeugen weiter berichteten, kontrollierten die UN-Chemiewaffenexperten ein Technologie-Institut. Weitere Durchsuchungen gab es auf dem Gelände des Falludscha-Industriekomplexes, 100 Kilometer westlich von Bagdad.

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