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09.01.2003

07:43 Uhr

Frist bei Frankreichs zweitgrößter Fluggesellschaft läuft am Donnerstag ab

Air Lib steht ohne feste Finanzierung dicht vor der Insolvenz

Die französische Fluggesellschaft Air Lib S.A. steht abermals kurz vor dem Zusammenbruch. Bis Donnerstag muss sie der französischen Regierung nachweisen, dass sie einen neuen Investor gefunden hat, der ausreichend zahlungskräftig und im Luftverkehrsgeschäft bewandert ist. Doch der potenzielle Air-Lib-Käufer Erik de Vlieger zögert mit Investitionszusagen, obwohl er mit dem Air-Lib-Chef Jean-Charles Corbet zusammen einen neuen Rettungsplan bei der Regierung eingereicht hat.

abo PARIS. Die Regierung hatte der zweitgrößten französischen Fluglinie eine Frist bis zum heutigen 9. Januar gesetzt, ihre Finanzierung aus eigener Kraft sicher zu stellen. Nur unter dieser Bedingung will sie über eine weitere Stundung von staatlichen Überbrückungskrediten in Höhe von insgesamt 110 Mill. Euro sprechen. "Wenn der neue Plan genau so vage ist wie der vorige, hat Air Lib eben kein Geld mehr", sagte Transportminister Gilles de Robien in einem Radiointerview. "Wenn es keine konkrete Finanzierungszusage gibt, sehen wir nicht, wie das Unternehmen fort geführt werden könnte."

Das könnte Corbet zum Konkursrichter treiben und 4 500 Beschäftigte ihren Job kosten. Corbet ist in Frankreichs Luftfahrtbranche bestens bekannt: Er hatte die Pilotenstreiks vor der Privatisierung von Air France 1997 organisiert und war im vergangenen Jahr vom Air-Lib-Personal als Retter gefeiert worden. Nun aber droht die einzige französische Billigfluglinie von der Bildfläche zu verschwinden - zur Freude des Platzhirschen Air France sowie der aggressiven Billiganbieter Easyjet und Buzz.

Hinter der strengen Terminsetzung steckt auch ein Fingerzeig der Brüsseler Wettbewerbskommission. Sie warnt davor, Air Lib wettbewerbsverzerrenden Hilfen zu geben, wie aus Regierungskreisen verlautete. Air Libs Anwälte halten jedoch eine andere Frist für bedeutsamer. Ein Handelsgericht hatte der Fluggesellschaft bis Mitte Februar Zeit gegeben, sich neu aufzustellen.

De Vlieger, Chef der niederländischen Holding IMCA, pokert indes um die Staatshilfen. Wie aus Air-Lib-Kreisen verlautete, hat er seine Finanzierungszusage bisher von einer Stundung der Kredite bis 2005 abhängig gemacht. Außerdem verlangt er nach einem Bericht des Wirtschaftsblattes "La Tribune" eine Betriebslizenz für zwei Jahre sowie Landerechte in Afrika. Dafür will er die weitere Finanzierung ab März sicher stellen. Der Mischkonzern mit 2 000 Beschäftigten setzt schwerpunktmäßig auf Immobilien, hat jedoch auch Ambitionen in der Luftfahrt. Im November 2002 hatte De Vlieger angekündigt, 50 % an der hoch verschuldeten Air Lib übernehmen zu wollen.

Der Regierung sind IMCA?s Pläne, die nicht im Detail veröffentlicht wurden, offenbar zu vage. In Branchenkreisen heißt es, der Konzern interessiere sich vor allem für Air Libs internationale Streckenrechte. Die Gesellschaft gehört zu den größten Fluglinien am Pariser Südflughafen Orly. Wie IMCA mit dem als Billigflug-Tochter Air Lib Express geführten Inlands-Streckennetz umgehen will, ist nicht klar.

Quelle: Handelsblatt

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