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31.03.2003

14:43 Uhr

Frist läuft am 31. März ab

Doping-Opfer dürfen mit 10 000 Euro rechnen

Jedes Dopingopfer des DDR-Sports darf mit einer Entschädigung von rund 10 000 Euro rechnen. Das Frist-Ende am 31. März hatte unter den Opfern zuletzt eine Flut von Anträgen ausgelöst. Allein in der zurückliegenden Woche schnellte die Zahl der Antragsteller beim Bundesverwaltungsamt in Köln von reichlich 100 auf fast 200 in die Höhe. Die genaue Zahl der Antragsteller wird erst gegen Ende dieser Woche feststehen, denn als maßgeblicher Termin gilt der Datum des Poststempels.

HB/dpa BERLIN. Per Gesetz hatte die Bundesregierung zwei Millionen Euro zur Doping-Opfer-Entschädigung zur Verfügung gestellt. Weiterhin werden 25 000 Euro der Arzneimittelfirma Schering den Opfern zur Verfügung stehen. Schering hatte nach der Wende Jenapharm übernommen, jene Firma, die maßgeblich die Anabolika für den DDR-Sport produzierte.

Birgit Boese, die die Beratungsstelle des Doping-Opfer- Hilfevereins in Berlin leitet, führte in den zurückliegenden sieben Monaten rund 450 Beratungen geschädigter DDR-Sportler durch und kann erklären, warum sich einige nicht zur Antragstellung entschlossen, andere nur zögerlich dazu bereit waren. "Viele schweigen aus Scham. Man muss Hemmungen überwinden, um sich selbst einzugestehen, was damals passiert ist. Andere fürchten Probleme, wollen ihre berufliche Karriere nicht aufs Spiel setzen", erklärte die Ex-Kugelstoßerin.

Der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke hatte am Wochenende angekündigt, im Zuge der weiteren Aufdeckung der Doping- Geschehnisse in der DDR Strafanzeige wegen Urkundenunterdrückung zu stellen. Nach seiner Auffassung würden Akten von Sportlern, die detaillierte Angaben über Doping und daraus resultierende Schädigungen enthalten, den Betroffenen vorenthalten. So würden in der Gesundheitsverwaltung Berlin, wo 100 000 Akten des Sportmedizinischen Dienstes des DDR lagerten, vor Herausgabe an Betroffene geschwärzt, was einem Täterschutz gleichkomme.

Zu den prominenten Doping-Opfern, die ihren Antrag stellten, gehören der schwer geschädigte Ex-Weltrekordler und Olympia-Zweite von 1976 im Superschwergewicht der Gewichtheber Gerd Bonk, der seinen Namenszug vor laufenden Kameras unter den Antrag setzte, und Kugelstoß-Europameisterin Heidi Krieger, die nach Geschlechtsumwandlung Andreas Krieger heißt. Insgesamt sollen nach wissenschaftlichen Studien 10 000 Sportler zu DDR-Zeiten mit Doping konfrontiert worden sein, rund 1000 schwere Folgeschäden erlitten haben. "Viele Sportler sind medizinisch tickende Zeitbomben", erklärte Birgit Boese.

Auf Grund der Antragswelle hatte Birgit Boese dafür plädiert, die Antragsfrist noch zu verlängern. Doch von Seiten der Politik werden diesem Vorstoß wenig Chancen eingeräumt. "Irgendwann muss Schluss sein. Ich sehe ein Verlängerung als rechtlich kritischen Akt", meinte CDU/CSU-Sprecher Klaus Riegert am Montag. "Wir werden uns den Bericht des Bundesinnenministeriums anhören und dann entscheiden, was zu tun ist. Aber wir müssen bedenken, dass wir auch jenen gerecht werden müssen, die fristgerecht ihren Antrag gestellt haben", sagte Dagmar Freitag, die sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. "Wir können ein Gesetz nicht von heute auf morgen umschwenken".

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