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13.02.2002

19:00 Uhr

Frühere Konzernchefs sollen überhöhte Pensionszahlungen erhalten haben

ABB fordert Geld zurück

Die früheren ABB-Konzernchefs Barnevik und Lindahl haben nach Aussage des jetzigen Verwaltungsrates zu hohe Pensionszahlungen erhalten. Dies und ein hoher Konzernverlust für 2001 belasten den einstigen Vorzeigekonzern. Im laufenden Jahr will ABB wieder mit Gewinn abschließen.

ef/gil/hst ZÜRICH/KOPENHAGEN. Der Züricher Elektrokonzern ABB AG sorgt erneut für Verstimmung: Neben dem erwarteten Konzernverlust und den erwarteten hohen Klagen wegen Asbestbelastungen sorgen jetzt überhöhte Pensionszahlungen für Schlagzeilen. Der Verwaltungsrat des schwedisch-schweizerischen Konzerns erklärte am Mittwoch, dass zwei frühere Konzernchefs überhöhte Pensionszahlungen erhalten haben. An Percy Barnevik wurden 1996 nach seinem Ausscheiden als Konzernchef 148 Mill. sfr gezahlt. Sein Nachfolger Göran Lindahl erhielt einschließlich weiterer Bezüge 85 Mill. sfr.

ABB-Verwaltungsratspräsident Jürgen Dormann erklärte dazu, dass diese Zuwendungen unter der Voraussetzung einer ordnungsgemäßen Zustimmung durch den Verwaltungsrat ausgezahlt wurden. Es sei aber festgestellt worden, dass die Zustimmungsprozesse für diese Bezüge ungenügend waren. Deshalb werde eine Rückzahlung von Beträgen angestrebt, die über die gängigen Verpflichtungen hinaus gingen. Die genaue Summe der Rückforderungen nannte Dormann nicht.

Die Zahlungen dürften im November 2001 bei dem Ausscheiden von Barneviks als Verwaltungsratspräsident durch seinen Nachfolger und jetzigen Aventis-Chef Dormann entdeckt worden sein. Barnevik hatte seit 1996 als Chef der Industrieholding Investor AB die Interessen der schwedischen Familie Wallenberg bei ABB vertreten. Der Anteil von Investor lag aber unter der meldepflichtigen Grenze von 5 %.

Neben Dormann dürfte der Bankier Martin Ebner als Mitglied des ABB-Verwaltungsrates eine wichtige Rolle bei der Aufdeckung und Beseitigung der von Barnevik und Lindahl hinterlassenen "Altlasten" gespielt haben. Die von Ebner kontrollierte BZ Gruppe Holding AG ist mit über 10 % größter ABB-Aktionär. Ein Sprecher der BZ-Gruppe begrüßte denn auch die Überprüfung der Pensionszahlungen als einen Schritt zu mehr Transparenz.

In Schweden herrschte angesichts der hohen Zahlungen an die beiden früheren schwedischen ABB-Chefs Barnevik und Lindahl Empörung. "Unfassbare Bezüge" nannte der Vorsitzende des schwedischen Kleinaktionärsverbandes Erik Forsgårdh die Zahlungen und forderte alle Beteiligten auf, "die Karten auf den Tisch" zu legen. In den schwedischen Medien wurde besonders der moralische Aspekt hervorgehoben. Barnevik sei noch vor Jahren als "Europas Manager" gefeiert worden, Lindahl würde sich heute als einer der engsten Mitarbeiter von UNO-Generalsekretär Kofi Annan um Konzerne und Menschenrechte kümmern. Wie passe das mit den enormen Pensionen zusammen? Barnevik ließ schriftlich mitteilen, dass sein Honorar "in Form von Gehalt und Pensionsbezügen für die Zeit als Konzernchef zwischen 1980 und 1996 zum überwiegenden Teil ergebnisabhängig und in Übereinstimmung mit getroffenen Vereinbarungen" gezahlt wurde.

Der amtierende Konzernchef Jörgen Centerman bemühte sich auf der Bilanzpressekonferenz nach Kräften, die günstigeren Perspektiven des Konzerns aufzuzeigen, nachdem alle erkennbaren Risiken in der Bilanz 2001 verbucht worden seien. Für das laufende Jahr kündigte er zwar nur einen gehaltenen Umsatz, aber wieder einen Konzerngewinn an. Die operative Marge soll 4 bis 5 % erreichen.

Centerman hielt auch an der mittelfristigen Zielsetzung fest. Bis 2005 soll das Umsatzwachstum 6 % und die Ebit-Marge 9 bis 10 % erreichen. Weiter will er in diesem Jahr die Nettoschulden um 1,5 Mrd. $ senken. Diese waren am Ende des dritten Quartals des Berichtsjahres auf 6,3 Mrd. $ angeschwollen. Um Mittel im Konzern zu halten, wird die Dividende gestrichen. Angekündigt werden auch weitere Verkäufe von Unternehmensteilen.

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