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11.07.2000

20:17 Uhr

Früherer Afrika-Chef von Elf spricht von Schmiergeldzahlungen an die CDU

Kohl nennt angeblich Zahl der Spender

Der Alt-Kanzler äußert sich erstmals vage zu den Spendern. Die Namen bleiben weiter geheim.

dpa/rtr BERLIN/PARIS. Alt-Kanzler Helmut Kohl soll gegenüber Unionsabgeordneten erstmals vage Angaben zu den Spendern gemacht haben. Deren Namen will er wegen seines Ehrenwortes aber weiter geheim halten. Unterdessen hat sich der Verdacht erhärtet, dass vom französischen Mineralölkonzern Elf-Aquitaine wegen des Kaufs der ostdeutschen Leuna-Raffinerie Schmiergeldzahlungen an die CDU geflossen sein sollen.



Einer der Abgeordneten, der nicht genannt werden wollte, sagte am Dienstag, Kohl habe bei einem dreistündigen Gespräch mit mehreren Parlamentariern erklärt, dass es sich um vier Spender handle, die mit ihren Unternehmen auf ein Leben in Deutschland angewiesen seien. Bei Namensnennung bekämen sie Kohl zufolge "erhebliche Probleme".



Ein Sprecher von Kohl wies das zurück. Kohl habe keine Angaben gemacht, die über seine Aussage vor dem Untersuchungsausschuss hinaus gingen. Möglicherweise hätten ihn die Abgeordneten falsch verstanden. Die "Berliner Morgenpost" berichtete, Kohl habe bei einem Treffen mit der "Gruppe 94" von "vier hoch angesehenen Unternehmern" gesprochen. Die "Gruppe 94" gründete sich vor sechs Jahren als Gegenpart zu den "Jungen Wilden".



Nach einem Bericht von "Le Monde" hat der für das Afrika-Geschäft zuständige frühere Elf-Gabun-Chef André Tarallo vor Gericht ausgesagt, höchste französische Regierungsstellen, darunter der damalige Staatspräsident François Mitterrand, hätten gewusst und genehmigt, dass 1992 umgerechnet rund 77 Mill. DM an die CDU gezahlt worden seien.



Kohl wies die Berichte gestern zurück. Derartige Behauptungen seien bereits im Januar aufgestellt worden. Sie seien frei erfunden, erlogen und verleumderisch, erklärte ein Sprecher Kohls. Kohl habe zu keinem Zeitpunkt Kenntnis von derartigen Zahlungen gehabt. Der Obmann der Grünen im Spenden-Untersuchungsausschuss des Bundestags, Christian Ströbele sagte, eine Aussage Tarallos vor dem Ausschuss könnte dessen Arbeit möglicherweise weiterbringen. Kohl hatte im Ausschuss gesagt, es sei abwegig, dass Entscheidungen seiner Regierung käuflich gewesen seien.

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