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13.02.2002

10:16 Uhr

Frühjahrsumfrage

DIHK erwartet 2002 nur "kraftloses Wachstum"

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet in diesem Jahr keinen schnellen und starken Wirtschaftsaufschwung.

Reuters BERLIN. Die deutschen Unternehmen blicken nach einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern (DIHK) pessimistischer auf das Jahr 2002 als die Bundesregierung.

"Das Wirtschaftswachstum wird nicht mehr als 0,5 Prozent betragen", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben bei der Vorstellung der DIHK-Frühjahrsumfrage am Mittwoch in Berlin. Noch im Herbst hatte der DIHK ein Prozent Wachstum als möglich bezeichnet. "Erst im Jahresverlauf ist ein kraftloses Wachstum in der deutschen Wirtschaft zu erwarten", sagte Wansleben nun. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft sei gedrückt, die Konjunktur bleibe labil, und am Arbeitsmarkt stünden die Zeichen auf Stellenabbau. Es werde 2002 daher durchschnittlich mehr als vier Millionen Arbeitslose geben.

Die Bundesregierung erwartet etwa 0,75 Prozent Wachstum 2002. Die Konjunktur werde spätestens im zweiten Halbjahr kräftig anziehen, und im Jahresdurchschnitt werde die Zahl der Arbeitslosen unter der Vier-Millionen-Marke bleiben, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht.

Die Einschätzung des DIHK deckt sich dagegen weitgehend mit den Erwartungen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), der Ende Januar ebenfalls maximal 0,5 Prozent Wachstum vorhergesagt hatte. Auch der BDI rechnet mit einer Wende am Arbeitsmarkt erst 2003.

In Ostdeutschland sei die Lage besonders düster, sagte Wansleben. Hier gingen die Erwartungen flächendeckend nach unten und werde es 2002 kein Wachstum geben, sondern allenfalls eine Stagnation. "Deutschland muss sich schämen, dass wir im Konjunkturzug nicht im Führerhäuschen, sondern hinten im Schlafwagen sitzen." Dabei habe das Land, was Wissen und Technik betreffe, ein gewaltiges Potenzial.

Die Investitionspläne der mehr als 25 000 befragten Firmen seien noch geringer als während der Rezession 1993, sagte Wansleben. Der Binnennachfrage werde keine Kraft zugetraut, der Export sei wieder einziger Hoffnungsträger. Dies gelte besonders für Ausfuhren nach Mittel- und Osteuropa. Abgesehen von Japan werde auch aus Asien mit einer stärkeren Nachfrage gerechnet. 2002 dürften die Exporte nach China erstmals die Ausfuhren nach Japan übertreffen. Die Krise in Argentinien und Südamerika führe dagegen dazu, dass Exporte dorthin kaum zunähmen.

Wie ein dunkler Schatten auf Investitionen und Arbeitsmarkt lege sich zudem die Angst vor einer überzogenen Lohnrunde. Die Gewerkschaften machten mit ihren "aberwitzigen Forderungen" vieles kaputt, was an Vertrauen durch die moderaten Abschlüsse der Vergangenheit geschaffen worden sei, beklagen die Unternehmen Wansleben zufolge in der Umfrage.

Traditionell im Frühjahr und im Herbst befragt der DIHK Unternehmen aus den Branchen Industrie, Dienstleistungen, Handel und Bauwirtschaft nach ihren Geschäftserwartungen. Lediglich in der Industrie gebe es erste Anzeichen für eine Besserung der Lage, sagte Wansleben. Dagegen habe die Bauwirtschaft immer noch nicht die Talsohle erreicht.

Neben der Tarifrunde bildeten die Nachwirkungen der Anschläge in den USA weiter ein Risiko für die Konjunktur. Wansleben nannte hier einen möglichen Krieg im Nahen Osten, der starken Einfluss auf die Ölpreise haben würde. An die Bundesregierung appellierte er, trotz des Wahljahres Reformen anzupacken. Einstellungen müssten für die Unternehmen erleichtert und der Druck auf Arbeitssuchende erhöht werden, eine Stelle anzutreten.

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