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10.01.2001

19:00 Uhr

Führende Entwickler arbeiten für die neue Konsole

Spielehersteller glauben an X-Box

Die große Show war in Las Vegas: Microsoft-Gründer Bill Gates persönlich präsentierte am Wochenende die neue Spielekonsole X-Box. Der Prototyp des Milliarden-Dollar-Projekts blieb freilich nicht lange in der Wüste von Nevada. Am Montag wurde die neue Wunderwaffe in Paris, am Dienstag in Deutschland vorgeführt.

jojo/pos MÜNCHEN. Und Microsoft erneuerte bei dieser Gelegenheit seinen Anspruch auf die Führung im weltweit schätzungsweise 20 Mrd. Dollar-großen Markt für Videokonsolen und Software: "Wenn ich die Nummer 2 als Ziel ausgeben würde, hätte ich intern ein ernstes Problem", erklärte X-Box-Deutschland-Chef Hans Stettmeier kämpferisch in Richtung Sony. Weltweit ist die japanische Sony Computer Entertainment mit 75 Mill. verkauften Playstation 1 unangefochtener Marktführer und will bis Ende März alleine 11 Mill. der neuen (in Deutschland fast 900 DM teuren) Playstation 2 in den Weltmarkt drücken.

Gerhard Florin vom deutschen Ableger des Spielesoftware-Giganten Electronic Arts (EA) erwartet, dass sich auf Sicht von fünf Jahren die Zahl der Konsolen weltweit auf 120 bis 150 Mill. erhöhen wird. EA hatte sich erst Ende Dezember 2000 nach zähen Verhandlungen dem Entwicklerkreis der X-Box angeschlossen. "Das Business-Modell (der X-Box) stimmt", so Florin, der für EA einem Marktanteil von 25 bis 30 % an den X-Box-Software-Verkäufen erwartet. Bei der PS 2 konnte EA bereits Sony selber im Software-Verkauf überrunden. EA, als unabhängiger Entwickler, sehe den zu erwartenden Kampf der Giganten mit Genugtuung: "Ein starkes Sony ist gut - ein starkes Sony und ein noch stärkeres Microsoft ist besser."

Das kaufkräftige Deutschland, daran lässt X-Box-Top-Manager J. Allard (intern nur noch Minister of Fun genannt) keinen Zweifel, wird für Microsoft der wichtigste Markt in Europa. "Früh im nächsten Jahr", verspricht er, "wird die X-Box in die Läden kommen." In den USA wird sie freilich schon im Herbst ausgeliefert. Die Verschiebung des Europastarts wird mit Verzögerungen bei der Fertigstellung des ungarischen Werks begründet. Martin Schneider vom Spiele-Hersteller Konami begrüßt dieses vorsichtige Vorgehen. "Lieber später, dann aber richtig", sagte er mit einem Seitenhieb auf Sony, die beim PS 2-Start nicht die versprochenen Stückzahlen liefern konnten. Die Folge: Die Softwarefirmen konnten wesentlich weniger absetzen als erwartet.

Für die spielebegeisterte Kundschaft am wichtigsten: "Wir werden mit mindestens zwölf Spielen in Deutschland starten", sagte Allard bei der Präsentation in München, bei der neben EA und Konami auch Vertreter der Software-Entwickler Codemasters und Activision vertreten waren. Auf jeden Fall werde es Spiele in den Top-Bereichen Formel Eins und Fußball geben. Diese Themen sind derzeit auch die Renner auf der PS 2. Zu Preisen und Stückzahlen wollte sich Microsoft nicht äußern, die Preise sollen aber "konkurrenzfähig" sein. Das wird nicht einfach werden. Wenn die X-Box startet, könnte Sony schon die 20 Mill.-Grenze bei der PS 2 anvisieren und hätte deutlichen Preissenkungsspielraum, um den neuen Konkurrenten auszubremsen.

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