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02.03.2004

16:02 Uhr

Führende MBA-Anbieter bringen Drittel der Top-Manager hervor

Sprungbrett ins Investmentbanking

VonChristoph Mohr
Quelle:http://www.karriere.de

Business Schools und die Paradedisziplin der Banken passen kulturell zusammen. Die führenden MBA-Anbieter bringen ein Drittel der Top-Manager der Industrie von morgen hervor.

Gerhard Grueter ist ein Mann, dessen Rechnung aufgegangen ist. Der Diplom-Wirtschaftsinformatiker, dessen Karrierechancen bei Daimler-Chrysler begrenzt waren, machte einen MBA an der renommierten US-Business School Cornell. Mit Erfolg. Der MBA sollte sich für ihn als Sprungbrett für einen Job im Investmentbanking erweisen. Heute arbeitet Grueter für die US-Investmentbank Merrill Lynch in London. "Ohne MBA wäre das nicht gegangen", sagt Grueter.

Auch für den Juristen Christoph Brand erwies sich der MBA als Karrieresprungbrett. Das Diplom der Harvard Business School öffnete ihm die Pforten von Goldman Heute ist Brand Executive Director bei der Frankfurter Tochter der US-Bank und einer der wichtigeren Leute im Investmentbanking in Deutschland.

Keine Einzelfälle. Denn dass die führenden Business Schools, wie sie gerne behaupten, die Top-Manager der Industrie von morgen hervorbringen, ist nur ein Teil der Wahrheit. Genauer: Ein Drittel. Denn zwei Drittel der Absolventen guter Business Schools gehen nicht in die Industrie, sondern werden Investmentbanker oder Unternehmensberater.

Eine stichprobenartige Handelsblatt-Umfrage bei führenden Business Schools in Europa und den USA zeigt, dass diese Faustregel trotz der Massenentlassungen im Bankenbereich in den letzten Jahren nach wie vor Gültigkeit hat.

"38 Prozent unserer letztjährigen MBA-Absolventen sind ins Investmentbanking gegangen", sagt man bei der Columbia Business School in New York. "Etwa 30 Prozent" sind es bei der Konkurrenz, der Stern School of Business (New York University), erklärt Gary Fraser, Assistant Dean, Office of Career Development. Der Appetit der Wall Street-Firmen an MBA-Absolventen ist unvermindert groß.

Ähnliches ist im europäischen Finanzzentrum London zu erfahren. "Etwa dreißig Prozent von unseren 300 MBA-Absolventen pro Jahr gehen ins Investmentbanking", sagt Graham Hastie, Director of Career Services an der London Business School (LBS). "Und 85 Prozent der Absolventen unseres Masters ins Finance-Programm."

Bei der Cass Business School, der zweiten MBA-Schmiede in London, erklärt Andy Jackson, Employer Relations Manager: "Wenn man die letzten fünf Jahre betrachtet, sind im Durchschnitt 21 Prozent unserer Absolventen in den Finanzbereich gegangen."

Warum sind Business-School-Absolventen für die Geldhäuser so attraktiv? "Ein Schlüsselfaktor ist der ?cultural fit', das kulturelle Zusammenpassen zwischen MBA-Absolventen und den US-geprägten Investmentbanken", sagt Jackson. "Die Absolventen haben das richtige Alter (25-30), sie passen genau in das Hierarchieschema (analyst, associate, vice-president, director, managing director) der Banken, wo sie auf associate-level einsteigen, und sie können sofort auf die Kunden losgelassen werden." Client ready oder business maturity heißt das im Anglo-Slang.

Ein Argument, das auch für Thomas Racky, Director Investmentbanking bei Merrill Lynch in Frankfurt, wichtig ist: "Ein MBA-Absolvent einer führenden Business School ist von seiner akademischen Ausbildung nicht schlechter als ein Diplomkaufmann einer guten deutschen Universität. Aber er hat typischerweise relevante Berufserfahrung und ein Zusatzstudium, das Bezug auf diese Berufserfahrung nimmt."

Mehr noch: "Die führenden US-Business Schools sind näher an den Entwicklungen der Kapitalmärkte", sagt Racky. "Und das bedeutet dann auch, dass deren Absolventen Vorteile bieten, wenn es darum geht, neue Dienstleistungen zu entwickeln oder für aktuelle Kundenprobleme neue Lösungen zu finden. Und sie sind auch schneller, wenn es darum geht, solche theoretischen Kenntnisse umzusetzen."

Tatsächlich liest sich das Kursangebot mancher Business School wie ein Lehrplan fürs Investmentbanking. Beispielhaft ein Blick auf das aktuelle Lehrangebot der University of Chicago Graduate School of Business. Hier finden sich im laufenden Jahr über ein Dutzend Kurse mit Relevanz für das Investmentbanking: Financial Accounting, Basics of Investments, Corporate Finance, Financial Statement Analysis, M & A , Applied Regression Analysis, Portfolio Theory, Futures, Forwards, Options and Swaps, Asset Pricing oder Financial Engineering.

So wundert es nicht, dass praktisch alle Investmentbanken die Business Schools als idealen Talentpool betrachten, in dem sie mit zum Teil erheblichen finanziellen Aufwand fischen. "Viele globale Investmentbanken kommen zum Recruiting an die Schule", sagt Maria Graham von der Columbia Business School. "Die aktivsten sind Goldman Morgan Stanley, Merrill Lynch, Lehman Brothers, Citigroup, Bear Stearns, Deutsche Bank, Credit Suisse First Boston, UBS, Bank of America Securities und JP Morgan."

Eine Liste, die sich mit leichten Variationen in London wiederfindet. "Die Top-Recruiter 2003 waren Barclays Capital, Citigroup, Morgan Stanley, Bank of America, Deutsche Bank, Lehman Brothers und UBS Warburg", berichtet Graham Hastie, London Business School.

Viele Business Schools bereiten ihre MBA-Studenten nicht nur akademisch auf eine Karriere im Investmentbanking vor. Zahlreiche Schulen vor allem in den USA bieten darüber hinaus regelrechte Trainings für die Bewerbungsgespräche. Mittlerweile gibt es sogar Vorbereitungsbücher wie etwa das des ehemaligen MIT/Sloan-Dozenten Timothy Falcon Crack ("Heard on The Street: Quantitative Questions from Wall Street Job Interviews") oder den "Vault.com Guide to Investment Banking" (beide über amazon.com).

Um bei Merrill Lynch zu landen, reicht die Lektüre jedoch nicht. "Das Recruiting liegt bei uns im Wesentlichen bei den Bankern, nicht bei der Personalabteilung", erläutert Thomas Racky. "Schließlich sucht man Leute, mit denen man selbst zusammen arbeiten will." So genannte "School Captains" kümmern sich bei Merrill persönlich um ausgewählte Business Schools. "Und ob ein Banker dort aktiv und erfolgreich ist, geht auch in seine Performance-Beurteilung ein, hat letztlich also sogar Einfluss auf seine Vergütung."

Quelle: Junge Karriere, weitere Informationen zum Thema MBA finden Sie auch unter www.jungekarriere.com/mba

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