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13.06.2000

07:39 Uhr

Führende Politiker aus aller Welt nehmen teil

Tausende erweisen verstorbenem Assad letzte Ehre - die Nachfolge ist geregelt

Hunderttausende von Menschen haben am Dienstag in Syrien dem verstorbenen Präsident Hafis el Assad die letzte Ehre erwiesen.

dpa/afp DAMASKUS. Im Stadtzentrum von Damaskus fielen Dutzende von Menschen in Ohnmacht, als die Menge auf den Platz Omejjades strömte. Der Sarg mit Assad wurde im Volkspalast auf dem Hügel Kassjun aufgebahrt. Zuvor war er von Offizieren von der Privatresidenz von Assad durch die Straßen getragen worden. Palästinenserpräsident Jassir Arafat, der ägyptische Präsident Husni Mubarak und US-Außenministerin Madeleine Albright trafen in Damaskus ein, um Assad die letzte Ehre zu erweisen. Zu den Trauerfeierlichkeiten wurde unter anderem auch Bundesaußenminister Joschka Fischer erwartet.

Assads Sarg war in die Landesfarben rot, weiß und schwarz mit grünen Sternen gehüllt. Assads Sohn und designierter Nachfolger Baschar folgte dem Zug. Auch seine Brüder Madschd und Maher sowie Regierungschef Mohammed Miro und die Führungsspitze von Baath-Partei und Armee waren im Trauerzug. Einige Gruppen in der Menschenmenge riefen «Paradies öffne Deine Pforten, Assad besucht Dich». Am Platz Omejjades hinderte die Präsidentengarde die teilweise hysterische Menge am Straßenrand daran, zum Trauerzug vorzudringen.

Nach einem letzten Segen in der Omajjaden-Moschee wird Assad in sein Heimatdorf Kardaha überführt, das rund 30 Kilometer entfernt von von der Hafenstadt Lattakia liegt. Dort steht bereits ein Mausoleum, wo Assads 1994 verstorbener Sohn Basil seine letzte Ruhestätte fand. Die Strecke von Lattakia nach Kardaha säumten bereits am Morgen Hunderttausende von Syrern. Alle Geschäfte in Damaskus sind geschlossen. Nur Trauerkleidung durfte verkauft werden.

Assad war kurz vor seinem 70. Geburtstages und seiner 30-jährigen Amtsübernahme am Samstag verstorben. An der Trauerfeier nehmen führende Politiker aus aller Welt, darunter auch der lange Jahre mit Assad verfeindete Palästinenser-Präsident Jassir Arafat sowie Ägyptens Staatschef Husni Mubarak teil.

Nachfolger Baschar steht in den Startlöchern

Die Nachfolge Assads ist bereits weitgehend geregelt. Assads Sohn Baschar soll alle Ämter seines Vaters im Staat und in der regierenden Baath Partei - übernehmen. Er wurde bereits wenige Stunden nach dem Tod seines Vater offiziell für die Nachfolge nominiert und zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte ernannt. Das Parlament senkte mit einer Verfassungsänderung das Mindestalter für den Staatschef von 40 auf 34 Jahre, um ihm den Weg an die Macht zu ebnen. Das Parlament soll am 25. Juni über die Nachfolge entscheiden.

Unterdessen meldete der jüngere Bruder des verstorbenen Präsidenten, Rifaat el Assad, seinen Nachfolgeanspruch an. In einer vom arabischen Nachrichtensender ANN verbreiteten Ansprache kündigte er einen "neuen korrigierenden Putsch" in Syrien an. Es werde eine neue Ausrichtung geben, "die alle politischen, sozialen und ökonomischen Belange umfasst", sagte der 63-Jährige. «Rifaat el Assad repräsentiert die rechtmäßige Nachfolge und ist jederzeit bereit, die Verantwortung zu übernehmen», sagte sein Sprecher dem arabischen BBC- Dienst.

Rifaat al Assad lebt Medienberichten zufolge im Exil in Europa, seit er 1983 versucht hatte, seinen älteren Bruder zu stürzen. Die in London erscheinende arabische Zeitung "Al-Hayat" berichtete, das syrische Militär und der Geheimdienst seien angewiesen, "jede notwendige Maßnahme" zu ergreifen, um eine mögliche Einreise Rifaats zu verhindern.

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