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17.04.2003

08:25 Uhr

Führungsduo des Freiburger Anbieters von geschlossenen US-Immobilienfonds wegen Betrugs verurteilt

Rosche-Anleger sehen ihr Geld nicht wieder

VonReiner Reichel

Der in den 90-er Jahren aufgelegte "Masterfonds" der Rosche Finanz sollte die Nachteile geschlossener Immobilienfonds vermeiden. Doch jetzt ist der Fonds überschuldet. Investoren verlieren etliche Millionen Dollar.

DÜSSELDORF. Die Idee der Freiburger Rosche-Finanz-Gruppe hatte Charme: Ein Anleger beteiligt sich als Kommanditist an einem geschlossenen Fonds, der US-Immobilien kauft. Dieser Fonds wird später in einen so genannten "Masterfonds" eingebracht, der eines Tages als Reit (Real Estate Investment Trust) an die Börse geht. Reits sind steuerbegünstigte Immobilien-Aktiengesellschaften, die in den USA 95 Prozent ihrer Erträge ausschütten müssen. Das wachsende Immobilienportfolio des Masterfonds, so der Gedanke, würde für Risikostreuung sorgen und es Anlegern erleichtern, die in Reit-Aktien umgewandelten Kommanditanteile jederzeit an der Börse zu versilbern.

Weit weniger charmant als die Idee war der Umgang des Rosche-Gründungs- und Führungsduos Gabriele B. Rosche und Michael O. Vogelbacher mit dem Geld der Anleger. Der selbstständige Fondsanalyst Stefan Loipfinger hatte das Rosche-Beteiligungsmodell schon früh kritisiert und erinnert sich, dass der "brillante Rhetoriker" Vogelbacher die Anleger mit der Aussicht auf Kursgewinne der Reits in den Masterfonds "Rosche One Interests" lockte. "Vogelbacher hat dann das Vermögen des Masterfonds für den Neuankauf von Immobilien verwendet oder durch Sicherheiten belastet", sagt Loipfinger.

Das ging nicht lange gut. Als Mieteinnahmen ausblieben, musste der überschuldete Fonds Anfang des Jahres 2002 Gläubigerschutz nach Chapter 11 des Insolvenzrechts der Vereinigten Staaten beantragen. Chapter 11 soll es ermöglichen, ein Unternehmen mit Zustimmung der Hauptgläubiger zum Sanierungsplan und nach einer Neuorganisation weiterzuführen. Über von Scharfenbergs Sanierungsplan entscheidet am 30. April ein Insolvenzgericht in Corpus Christi, Texas. Rosche und Vogelbacher sind inzwischen wegen unlauterer Machenschaften in einem anderen Fonds wegen Betrugs verurteilt worden. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Mannheim haben sie Rechtsmittel gegen die Verurteilungen zu Freiheitsstrafen von vier Jahren und neun Monaten (Vogelbacher) und zwei Jahren und acht Monaten (Rosche) eingelegt (Az.: 637 Js 35893/01).

Die Verurteilung des Führungsgespanns mag für viele der rund 2 300 Investoren des Masterfonds eine Genugtuung sein - bringt ihnen aber die angelegten rund 169 Mill. Dollar nicht zurück. Harald von Scharfenberg, geschäftsführender Gesellschafter der BVT Holding GmbH & Co. KG, München, im Dezember 2001 noch als Sanierer angetreten, bilanziert nüchtern: "Das Geld, das ursprünglich investiert wurde, ist weg." Umso bitterer für jene etwa 1 000 Rosche-Fondsanleger, die Anfang 2002 noch einmal die eine Mill. Dollar zusammenkratzten, die nötig waren, um das Chapter-11-Verfahren in Gang zu setzen und die drohende Zwangsvollstreckung in das Vermögen des Masterfonds abzuwenden. Denn auch von diesem Geld wird nicht viel übrig bleiben. Anwaltskosten hätten es weitgehend aufgezehrt, sagt von Scharfenberg, dem ein kritischer Anleger vorwirft, noch keine Abrechnung dafür vorgelegt zu haben.

Der Sanierungsplan im konkreten Fall verhindert zwar die Zwangsversteigerung der Immobilien. Doch um an sie überhaupt noch einmal ran zu kommen, müssten die Anleger neu investieren. Denn von Scharfenberg teilt das Masterfonds-Vermögen auf. Zunächst gehen 16, überwiegend in Texas liegende Bürogebäude und Einkaufszentrum an den Hauptgläubiger, den Versicherungskonzern Aegon, zurück. Für die zwei Bürogebäude in der US-Hauptstadt Washington hat von Scharfenberg zusammen mit den bereits als Komplementäre am Ursprungsfonds beteiligten US-Immobilienentwicklern Greenebaum & Rose (G & R) eine Auffanglösung gestrickt: G & R schießen noch 20 Mill. Dollar Eigenkapital ein, nachdem sie bereits eine hoch verzinste Forderung gegen den Fonds für 20 Mill. Dollar gekauft haben. Dass G & R so spendabel sind, erklärt von Scharfenberg mit Steuernachzahlungen, die G & R drohten, falls die beiden langjährig an den Nachrichtensender CNN und eine amerikanische Regierungsbehörde vermieteten Gebäude in der Nähe des Capitols in andere Hände gelangten.

"Damit haben Greenebaum & Rose die Filetgrundstücke des Masterfonds", sieht Peter Rössler die Anleger übervorteilt. Rössler ist Anwalt in der Kanzlei Mecklenburg & Partner in Frankfurt und Gründer der "Frankfurter Anlegerinitiative". Er wendet sich gegen die Zerschlagung des Fonds und fordert: "marode Objekte verkaufen und eine Vermietungsoffensive starten".

Von Scharfenberg stellt - wen wundert?s - das Verhandlungsergebnis positiv dar. Er möchte die beiden Immobilien, möglicherweise noch eine dritte, an der G & R bereits beteiligt sind, wieder in einen Fonds einbringen, an dem sich Anleger dann erneut beteiligen können. Auch über den Ankauf des nach seiner Kenntnis mit 53 Mill. Dollar zu Buche stehenden Aegon-Portefeuilles für einen weiteren Fonds denkt er nach. Dabei erwägt von Scharfenberg sogar, das Angebot der von Anwalt Rössler ins Spiel gebrachten US-Immobilien-Gruppe Taurus von 44 Mill. Dollar um zwei bis vier Mill. Dollar zu überbieten. Über die Erfolgsaussichten grübelt er noch: "Ich weiß nicht, ob Investoren, die schon einmal mit Rosche alles verloren haben, noch einmal investieren." Ob er auch eigenes Geld in die Fonds investieren werde, wisse er noch nicht, sagt von Scharfenberg. Mit seinen Entwicklungsprojekten in den USA könne er "mehr verdienen", gibt er zu. Das sollte Interessenten zu denken geben.

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