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04.01.2001

17:30 Uhr

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Führungsstreit in der FDP hält weiter an

Auch am Donnerstag trafen sich Guido Westerwelle und Parteichef Wolfgang Gerhardt zu einem Krisengespräch in Hamburg. In Parteikreisen wurde mittlerweile ausgeschlossen, dass Westerwelle den Fraktionsvorsitz von Gerhardt übernehmen werde.

dpa BERLIN/STUTTGART/HAMBURG. Der Führungsstreit in der FDP ist eskaliert. Am Donnerstag kamen Parteichef Wolfgang Gerhardt und Generalsekretär Guido Westerwelle in Hamburg zu einem erneuten Krisengespräch zusammen. Bereits am Vortag waren sie in Wiesbaden zusammengetroffen. Dabei war dem Vernehmen nach noch keine endgültige Einigung über die künftige Rollenverteilung erzielt worden.

Zum Auftakt des Landesparteitages der Südwest-FDP rief der baden- württembergischen FDP-Vorsitzende Walter Döring in Stuttgart zu innerparteilicher Geschlossenheit auf. Wenn es zu keiner raschen Einigung im Machtkampf um die Partei-Führung zwischen Westerwelle und Gerhardt komme, müsse ein Sonderparteitag Klarheit schaffen, betonte Döring, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender ist.

Döring erntete für seinen Appell zu einer raschen Einigung Applaus und Bravorufe der 400 Delegierten. Ein Erfolg der FDP bei der Landtagswahl am 25. März setze die Zusammenarbeit von Teamspielern auch in der Bundespartei voraus, sagte er. Erstmals sprach sich Döring für eine Trennung der Ämter in der Bundesspitze aus. Bislang hatte der baden-württembergische Wirtschaftsminister den Vorschlag des nordrhein-westfälischen FDP-Chefs Jürgen Möllemann, dass Gerhardt Bundesvorsitzender bleibe und den Fraktionsvorsitz im Bundestag Westerwelle überlasse, vehement abgelehnt.

Die bayerische FDP-Vorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat das Personalgerangel erneut scharf kritisiert. "Mein Eindruck ist, dass das nicht nach sehr professionellem Politmanagement aussieht, was uns hier geboten wird", sagte sie im InfoRadio BerlinBrandenburg. Auch Berlins FDP-Vorsitzender Günter Rexrodt kritisierte den Führungskampf. "Mit dieser Hängepartie muss endlich Schluss gemacht werden", sagte er der "Berliner Zeitung" (Freitag). Westerwelle habe noch mehrere Optionen - auch die einer Kampfkandidatur. Eine Folge stehe aber fest: "Das Amt als FDP - Generalsekretär wird Westerwelle auf jeden Fall niederlegen müssen."

Inzwischen wurde in Parteikreisen "definitiv" ausgeschlossen, dass Westerwelle von Gerhardt die Führung der Bundestagsfraktion übernimmt. Gerhardt war erst vor wenigen Wochen auf Vorschlag von Westerwelle in diesem Amt mit großer Mehrheit bestätigt worden. Zuvor hatte Gerhardt in einem Interview mit der "Berliner Zeitung" Westerwelle zwar als seinen Nachfolger vorgeschlagen, doch den Zeitpunkt für einen Wechsel an der FDP-Spitze offen gelassen und zugleich bekräftigt, beim Bundesparteitag im Mai wieder für den FDP - Vorsitz kandidieren zu wollen.

Eine weitere - bislang nicht bestätigte Version ist - dass Westerwelle als Generalsekretär zurücktritt und eine Kampfkandidatur gegen Gerhardt anstrebt. Eine aktuelle Umfrage gibt Westerwelle dafür Rückendeckung. Eine Mehrheit der FDP-Anhänger würde eine Kampfkandidatur Westerwelles gegen Parteichef Gerhardt beim Bundesparteitag in Mai unterstützten. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders N 24 sprechen sich 60 % dafür aus. 40 % sind gegen eine Kandidatur Westerwelles für den Parteivorsitz.

In der gesamten Bevölkerung unterstützen der Umfrage zufolge 50 % Westerwelle. 28 % sind dagegen, dass Westerwelle gegen Gerhardt antritt. Besonders groß ist der Zuspruch für Westerwelle bei den Jungen. 60 % der unter 30-Jährigen unterstützen ihn, 25 % sind gegen eine Kandidatur. Auch unter den Anhängern der anderen Parteien genießt Westerwelle deutlich mehr Sympathien als Gerhardt.

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