Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.01.2002

19:00 Uhr

Fünf Millionen neue Mobilfunkkunden im Monat

Handy-Hersteller planen in China Investitionen in Milliardenhöhe

VonOliver Müller

Beim Kampf um Anteile auf dem Weltmarkt wird Asien für Hersteller von Mobilfunknetzen und Handys immer wichtiger. In den Konzernstrategien spielt vor allem China eine Schlüsselrolle: Das Land ist der am schnellsten wachsende Mobilfunk-Markt der Welt, den von Verlusten geplagten Handy-Sparten globaler Konzerne bietet es gleichzeitig Kostenvorteile bei der Produktion. Daher haben Motorola, Ericsson und Nokia in den vergangenen Wochen milliardenschwere Investitionen in der Volksrepublik angekündigt.

HB HONGKONG. Motorola Inc. will in den nächsten fünf Jahren zusätzliche 6,6 Mrd. $ in China ausgeben. Das würde die Gesamtinvestitionen des US-Konzerns dort auf 10 Mrd. $ erhöhen. Das Unternehmen will die Produktion seiner Telekom-Sparte in dem Land verdoppeln. Gleichzeitig baut Motorola rund um die Welt massiv Stellen ab.

Auch Telefon AB LM Ericsson setzt verstärkt auf China: Die Schweden wollen ihre Investitionen dort in den kommenden fünf Jahren auf über 5 Mrd. $ verdoppeln. Der Konzern streicht zwar 22 000 Arbeitsplätze weltweit, will künftig in der Volksrepublik jedoch rund 29 000 neue Stellen schaffen. Die Exporte aus dem Land sollen sich bis zum Jahr 2005 auf 4,5 Mrd. $ verdreifachen.

Nokia Oy hat China in der Konzernstrategie ebenfalls erneut aufgewertet. Dem Land kommt eine Schlüsselrolle zu beim ambitionierten Ziel der Finnen, ihren weltweiten Marktanteil bei Handys von derzeit 33 % auf künftig 40 % zu steigern. Denn jeden Monat kommen in der Volksrepublik 5 Millionen neue Mobilfunkkunden hinzu. Kein anderes Land bietet eine ähnlich große Anzahl Neukunden.

Wer in China nicht stark vertreten sei, werde im Kampf um weltweite Marktanteile immer nur "zweiter Sieger" sein, sagt auch Peter Borger, Länder-Chef von Siemens Mobile in China. Für die Mobilfunksparte von Siemens ist China der wichtigste Einzelmarkt weltweit: Mit 2,35 Mrd. ? haben die Münchener dort im vergangenen Jahr ein Fünftel ihres weltweiten Geschäfts mit Handys und Netzen erwirtschaftet. Bei Endgeräten beziffert Siemens seinen Marktanteil auf 13 % und sieht sich damit als Nummer drei.

Zweifel an markigen Investitionsversprechen

Bei Handys heißt der Marktführer in der Volksrepublik allerdings Motorola, was Nokia-Chef Jorma Ollila ein Dorn im Auge ist. Er hat sich ein hohes Ziel gesetzt: "Wir werden bald zum klaren Verkaufsführer in China aufsteigen", sagte er kürzlich vor Analysten.

Manche Branchenkenner äußern hinter vorgehaltener Hand zwar Zweifel daran, ob die Konzerne ihre markigen Investitionsversprechen in die Tat umsetzen. Doch kommt die Asien-Offensive nicht überraschend: Der Ferne Osten erwies sich für das Mobilfunkgeschäft im ansonsten verhagelten Jahr 2001 als Lichtblick. Nokia hat in China zum ersten Mal mehr Mobiltelefone verkauft als in Europa. "China ist der einzige große Wachstumsmarkt weltweit", erläutert Siemens-Manager Borger. Alle namhaften Firmen versuchen deshalb, in dem Land den Markteinbruch in Europa und den USA zu kompensieren. Deshalb will zum Beispiel Motorola in diesem Jahr in Fernost mehr Geld fürs Marketing ausgeben als irgendwo sonst. Siemens hat bereits Mitte 2000 angekündigt, über drei Jahre 1,5 Mrd. $ in der Region zu investieren, einen großen Teil davon in China. Außerdem wird die Produktionskapazität der Handy-Fabrik in Schanghai von 10 auf 14 Millionen Stück erhöht. Allerdings könnte die Zeit bald vorbei sein, dass Asien-Manager europäischer Handy-Hersteller von gesunden Margen und Gewinnen schwärmen. Denn der Wettbewerb verschärft sich rasant - vor allem in China. Dort geht im Januar erstmals ein Mobilfunknetz an den Start, das den US-Standard CDMA verwendet und nicht den europäische Standard GSM.

Diese Gelegenheit nutzen koreanische und japanische Handy-Hersteller, die mit der Technologie vertraut sind, zur Offensive. Unter anderem ziehen Samsung, Toshiba, Hitachi, Kyocera und Sanyo in China Produktionsstätten für CDMA-Geräte hoch. Analysten warnen bereits vor Überinvestitionen. Denn zusätzlich kämpft ein Dutzend einheimischer Hersteller um Kunden, und Marken wie Haier, Konka, Kejian oder TCL gewinnen Marktanteile. Merrill Lynch-Analyst Francis Cheung schätzt, dass Chinas lokale Hersteller in diesem Jahr auf 15 % Marktanteil kommen. Allerdings schreiben die meisten rote Zahlen. Borger hält es angesichts immer weiter schrumpfender Handelsspannen für "schwer vorstellbar", dass alle überleben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×