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06.07.2000

21:28 Uhr

sid ZÜRICH/MÜNCHEN. Eröffnungsspiel am 9. Juni 2006 in München, Endspiel am 9. Juli 2006 in Berlin - zum zweiten Mal nach 1974 wird Deutschland die Endrunde einer Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten. Der knappe Zuschlag des 24-köpfigen Exekutiv-Komitees des Weltverbandes Fifa (12:11, eine Enthaltung) hat weit reichende Auswirkungen: Für die Wirtschaft des ganzen Landes; für die Infrastruktur, speziell die Stadien, in denen 2006 gespielt werden soll; und nicht zuletzt für den deutschen Fußball, der nach den jüngsten sportlichen Desastern eine Aufbruchstimmung beschwört.

Für den DFB endete am Donnerstag eine fast achtjährige Kampagne um die WM-Gastgeberrolle 2006. Auf einer Präsidiumssitzung am 20. November 1992 war eine Kandidatur beschlossen worden. Um die Ambitionen frühzeitig zu untermauern, hatte der jetzige DFB -"Vize" Gerhard Mayer-Vorfelder bereits am 2. Juni 1993 im Hauptquartier der Fifa in Zürich die ersten Bewerbungsunterlagen dem damaligen Präsidenten Joao Havelange übergeben. Am Donnerstag schloss sich der Kreis, trotz starker Konkurrenz, trotz Südafrika, das stark auf Emotionen und weniger auf Fakten Wert gelegt hatte.

Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist diese Entscheidung ein Segen: Für das Turnier 2006 muss sie sich nicht qualifizieren. Immerhin sechs Jahre bleiben Zeit, eine Mannschaft aufzubauen. Die WM im eigenen Land, ein Ansporn zur rechten Zeit, nachdem nach dem blamablen EM-Aus mit der Berufung von Rudi Völler zum Teamchef und der anschließenden (1. Juni 2001) Übernahme des Bundestrainer-Postens durch Christoph Daum bereits erste kleine Anzeichen für eine Aufbruchstimmung spürbar sind.

Profitieren wird auch die Bundesliga. Die Renovierung der Stadien, deren Umbau, teilweise sogar deren Neubau wird nun zur nationalen Angelegenheit. Denn längst sind nicht alle Stadien in einem Zustand, wie er der Fifa versprochen wurde. In München, wo das Eröffnungsspiel stattfinden soll, und in Berlin, das für das Finale vorgesehen ist, müssen die jeweiligen Olympiastadien fast komplett umgebaut werden. Das Stadien in Mönchenglabach existiert derzeit nur auf dem Papier.

Der DFB plant zunächst mit 16 Stadien, in die insgesamt drei Mrd. DM investiert werden. "Wir werden neue Maßstäbe setzen und werden weit über den Fifa-Standard hinausgehen", erklärte Fedor Radmann, der Koordinator der WM-Bewerbung. Die Fifa muss sich dann für zehn bis zwölf Arenen entscheiden, was sie wahrscheinlich im Jahre 2004 tun wird.

Praktisch gesetzt sind die Spielorte München, Berlin, Dortmund, Frankfurt, Gelsenkirchen, Hamburg, Leipzig, Nürnberg und Stuttgart sowie Leverkusen. Bei zwölf Stadien stünden noch Bremen, Düsseldorf, Köln, Hannover und Kaiserslautern zur Auswahl.

Abgesehen von den Kosten für die Stadien kalkuliert der DFB derzeit grob mit einem WM-Etat von 600 Mill. DM. Gedeckt wird er hauptsächlich durch den Kartenverkauf sowie durch Sponsoren der so genannten "zweiten Kategorie" (Supplier). Die zahlungskräftigen Besucher, an die Business-Sitze und Logen verkauft werden sollen, werden praktisch den "normalen" Fan subventionieren. Der DFB plant eine so genannte "Fan-Kategorie", die bei vergleichsweise billigen 40 DM beginnen soll.

Nicht zuletzt wird ganz Deutschland profitieren. Nach einer Studie der Universität Paderborn wird es in den Jahren 2000 bis 2015 eine so genannte "volkswirtschaftliche Wertschöpfung" von fünf Mrd. DM geben.

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