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02.01.2003

16:35 Uhr

Fünf Palästinenser getötet

Terroranschlag in Israel vereitelt

Die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern hat sechs Menschenleben gefordert. Israelische Soldaten töteten seit Mittwochabend in den besetzten Autonomiegebieten fünf Palästinenser, darunter drei nur mit einem Messer bewaffnete Jugendliche.

HB/dpa RAMALLAH/GAZA. Palästinensische Extremisten brachten einen 70-jährigen jüdischen Siedler im Jordantal (Westjordanland) um, und eine israelische Anti-Terror-Einheit erschoss am Donnerstagmorgen einen palästinensischen Extremisten in Zentralisrael. Der von ihm geplante Terroranschlag auf israelische Zivilisten in dem kleinen Ort Maor schlug fehl, weil sein Schnellfeuergewehrs eine Ladehemmung hatte.

Der schwer bewaffnete Mann war am späten Mittwochabend in ein Haus in Maor südöstlich der Stadt Chadera eingedrungen und hatte sofort auf die Bewohner geschossen. Diese konnten jedoch fliehen, nachdem sie einen Blumentopf auf den Angreifer geworfen hatten. Eine Anti-Terroreinheit erschoss den Attentäter nach dreistündiger Belagerung. Maor liegt nahe der grünen Grenze zwischen Israel und dem palästinensischen Westjordanland.

Wenige Stunden vor dem Überfall erschossen israelische Soldaten nahe der jüdischen Siedlung Emanuel, südwestlich von Nablus, einen Palästinenser, der eine Tasche mit Sprengstoff bei sich trug. Der Sprengstoff explodierte nach Armeeangaben, als die Soldaten das Feuer eröffneten.

Im nördlichen Gazastreifen erschossen Soldaten am Mittwochabend drei jugendliche Palästinenser im Alter von 14 und 15 Jahren. Nach Armeeangaben waren sie von einer Patrouille im militärischen Sperrgebiet nahe der jüdischen Siedlung Dugit entdeckt worden. Die Soldaten feuerten auf die Jugendlichen, weil diese sich "verdächtig verhalten" hätten. Später fanden die Soldaten ein Messer und zwei Bolzenschneider bei den Getöteten. Die Jugendlichen wurden am Donnerstag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung begraben. Nach Angaben des Roten Halbmondes sind im Dezember mehr als 60 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet worden.

Die bewaffneten "Al-Aksa-Brigaden" der Fatah-Organisationen von Palästinenserführer Jassir Arafat bekannten sich am Donnerstag zu der Ermordung eines 70-jährigen israelischen Siedlers aus dem Jordantal, der seit Mittwoch vermisst worden war. Die verkohlte Leiche wurde am Donnerstag in dem völlig ausgebrannten Auto des Mannes entdeckt.

Im im Flüchtlingslager von Rafah im südlichen Gazastreifen zerstörte die Armee 19 Häuser von Palästinensern und beschädigte sechs weitere schwer. Ein Armeesprecher bestätigte lediglich die Zerstörung von vier Gebäuden, aus denen militante Palästinenser zuvor auf die Arme geschossen hätten. Nach Angaben palästinensischer Menschenrechtsorganisationen wurden durch die Zerstörung der Gebäude 43 Familien mit insgesamt 222 Personen obdachlos geworden.

Die israelische Menschenmrechtsorganisation Bezelem kritisierte die Armeeführung am Donnerstag, weil sie seit Anfang 2002 mehr als 1000 Palästinenser in so genannter Administrativhaft ohne Anklage in Gefängnissen festhalte. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Armee in den besetzten Palästinensergebieten mindestens 4000 Männer und Frauen festgenommen, von denen die meisten jedoch später wieder freigelassen wurden.

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