Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2002

19:00 Uhr

„Für 2002 ist alles unter Kontrolle“

Nachgefragt: Noël Forgeard

Matthias Eberle und Christoph Prössl sprachen in Paris mit dem Vorstandschef von Airbus, Noël Forgeard.

Handelsblatt: Die Luftfahrtbranche spricht von der schlimmsten Krise seit dem 2. Weltkrieg, doch Airbus bleibt vergleichsweise entspannt. Wie kommt das?

Forgeard: Es war klar, dass der Abschwung irgendwann kommen musste. Wir waren darauf vorbereitet und haben unsere Aufgaben gemacht. Das Wichtigste war, dass wir uns ein enormes Auftragspolster und eine schlanke Kostenstruktur erarbeitet haben. Wir werden in diesem Jahr mit rund 45 000 Mitarbeitern etwa 300 Flugzeuge bauen. Boeing macht nahezu den gleichen Job mit fast 70 000 Beschäftigten - nachdem sie 25 000 gefeuert haben.

Aber auch Airbus wird kräftig einsparen müssen. Können Sie Entlassungen weiterhin ausschließen, wenn die Krise noch eine Weile anhält?

Wir werden kein Vollzeit-Personal entlassen, weil wir uns nicht die Zukunft zerstören wollen. Jeder bei Airbus weiß allerdings, dass dafür unser Ziel erreicht werden muss. Wir setzen alles daran, unsere Produktivität Jahr für Jahr um 3,5 % zu verbessern.

Airlines haben nun andere Sorgen, als sich um neues Fluggerät zu kümmern. Bleibt es trotzdem dabei, dass Airbus in den nächsten beiden Jahren je 300 Flugzeuge bauen wird?

Wir hatten Verträge für die Produktion von 380 Flugzeugen in diesem Jahr. Die 300er-Marke ist bereits das Ergebnis von Nachverhandlungen mit unseren Kunden. Die Verträge sind unterzeichnet und bestätigt. Für 2002 ist alles unter Kontrolle, da habe ich keinerlei Sorge. In 2003 gibt es derzeit noch ein paar offene Positionen, das ist klar. Unser Ziel ist es, auch dann wieder 300 Flugzeuge zu bauen.

1600 Maschinen parken auf einem "Friedhof" in der Wüste von Nevada. Muss Ihnen das nicht Angst machen?

Von all diesen Jets werden nur ganz wenige zurück in den Markt kommen. Die meisten Airlines kommen zum Schluss, dass es für sie günstiger ist, neues Gerät zu beschaffen, weil es wirtschaftlicher, leiser und sicherer ist. Und ein Flugzeug, das länger als sechs Monate in der Wüste steht, rührt kaum einer mehr an.

Dennoch erwarten alle einen weiteren Rückgang der Aufträge. Große Orders für den Riesen-Airbus sind vorerst nicht mehr zu erwarten, oder?

Ich glaube, der A380 wird von vielen Beobachtern extrem unterschätzt. Es ist nicht einfach ein anderes Flugzeug, das wir bauen. In Sachen Größe und Wirtschaftlichkeit wird der A380 neue Maßstäbe setzen.

Und der neue Sonic Cruiser Ihres Konkurrenten Boeing?

Nach wie vor ist der Sonic Cruiser nicht mehr als ein Blatt Papier. Außerdem: Im Laufe der letzten Monate haben sich bei diesem Projekt nahezu alle Daten geändert, nur der Name ist geblieben. Unsere Zweifel an diesem Flugzeug haben sich eher noch verstärkt. Es macht keinen Sinn, für einen Mehrverbrauch von 30 % ein bisschen schneller zu fliegen.

Cargolifter ist in finanziellen Nöten, und Sie könnten mal ein wichtiger Kunde werden. Prüfen Sie mögliche Luft-Transporte von A380-Teilen?

Solche Transporte wären frühestens am Ende dieses Jahrzehnts möglich. Wir werden definitiv kein Geld in Cargolifter investieren, das ist nicht unser Job. Wenn es ein gutes Projekt ist, dann wird es niemals am nötigen Geld scheitern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×