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27.01.2003

06:07 Uhr

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Für Anleger wird Asien zur Alternative

VonMichael Sesit (Wall Street Journal)

Viele Industrie- und Technologie-Werte in Thailand, Süd-Korea, China und Indien weisen einen Bewertungsabschlag auf - und werden damit attraktiv für Aktienanleger.

Quelle: ap

Der Westen leidet: Firmen und Staaten haben mit einer enormen Schuldenlast zu kämpfen, die Wirtschaft stagniert und Kriegsangst lähmt die Menschen. Anleger können dieser Malaise entfliehen: Für sie heißt die Alternative Asien. Fast alle Volkswirtschaften in dieser Region boomen und die US-Bank J.P. Morgan schätzt, dass die Wirtschaftsleistung dort in diesem Jahr durchschnittlich um 5,6 % zulegt. An der Spitze steht China mit einem Wachstum von 7,5 %. Es folgen Süd-Korea mit 6,2 % und Indien mit 5,8 %. Zudem hat sich das Bankensystem von den Auswirkungen der Schuldenkrise der Jahre 1997 und 1998 erholt. Die Institute stehen bereit, um die Ausgaben der Konsumenten und Firmen zu finanzieren.

Es gibt gewiss gute Gründe, warum Investoren Asien seit der Schuldenkrise links liegen gelassen haben. Damals kamen einbrechenden Kursen und fallenden Währungen zusammen. Darüber hinaus waren die pazifischen Märkte relativ klein, so dass die Investoren ihr Portfolio an anderen Börsen orientierten. So verlor der indonesische Aktienmarkt im Dollar gemessen vom 1. Juli 1997 bis zum 1. Juli 1998 90 % an Wert. In Malaysia ging es 74% bergab, in Thailand 73%. Selbst in Hongkong halbierten sich die Kurse.

Doch fünfeinhalb Jahre nach dem Ausbruch der Schuldenkrise seien "die Bilanzen wieder im Lot, die Firmen wettbewerbsfähiger und das Bankensystem wurde umgebaut", so Aktienanalyst Chris Vale von Rexiter Asset Management. Und Philip Ehrmann, Chef der Pazifik-Abteilung bei Gartmore, gibt zwar zu, dass die Flaute der Weltwirtschaft auch Asiens Märkte schwächt. Positiv stimmt ihn aber, dass die Produktion aus Hochlohnländern mehr und mehr an asiatische Standorte verlegt wird. Außerdem gewinne die Binnennachfrage an Fahrt, so dass die asiatischen Volkswirtschaften untereinander für Wachstum sorgen können.

Sicher, Asien birgt Risiken und Asien wäre nicht Asien, wenn man dort nicht alles verlieren könnte. "Überkapazitäten, zu starkes Wachstum und angeschlagene Banken sind in der Tat eine Gefahr", gibt Ehrmann zu. "Doch für die nächsten 18 Monate sehe ich diese Risiken nicht."

Dazu kommt, dass Asiens Aktienmärkte die regionale Wirtschaft heute viel besser widerspiegeln als noch vor ein paar Jahren. Damals dominierten Hongkong und Singapur und die Investoren konzentrierten sich auf große Immobilien- und Bankenaktien, sagt Nilesh Jasani, Chefstratege bei HSBC in Hongkong.

Heute haben Aktien aus Korea und Taiwan einen Anteil von 40 % am MSCI AC Asia Free ex-Japan Index. Und das Gewicht von Immobilien- und Bankpapieren ist in den vergangenen drei Jahren von 26 % auf 10 % gefallen. Der Technologie-Bereich hat dagegen von 2 % auf 22 % zugelegt. Außerdem sind asiatische Aktien billig im Vergleich zu anderen Märkten - und im Vergleich zu den Kursen der 90er Jahre. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 10. Zum Vergleich: Im S&P-500-Index liegt der Wert bei 16,7. "Jeder asiatische Industriesektor wird mit einem Abschlag gehandelt", sagt Jasani. Zudem liegt die Dividendenrendite in Asien mit 3% um etwa die Hälfte über den USA.

Wer jetzt in Asien investieren will, hat verschiedene Möglichkeiten. Die Experten von HSBC empfehlen eine Länderauswahl und ziehen dies einer Aktienselektion vor. Die Bank hat die Daten von zehn Jahren ausgewertet und kommt zum Schluss, dass diese Strategie mehr Erfolg verspricht. "In vielen asiatischen Märkten ist es schwierig, lokale Aktien zu kaufen. Deshalb ist es sinnvoll, in börsennotierte Fonds zu investieren", rät Deborah Fuhr von Morgan Stanley. Solche Fonds werden an der American Stock Exchange sowie verschiedenen asiatischen Plätzen gehandelt.

Wer sich seine Aktien dennoch einzeln aussuchen will: Gartmore-Analyst Ehrmann hat einige Favoriten. Dazu zählen Siam Cement und die Siam Commercial Bank aus Taiwan, Pohang Iron & Steel und Posco aus Süd-Korea, der indische Pharmaproduzent Ranbaxy Laboratories, der chinesische Autobahnbetreiber Zhejiang Expressway sowie Denway Motors, ein Konzern der in China die Autos von Honda montiert.

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