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06.01.2002

19:00 Uhr

Für Bonds wird 2002 ein schwieriges Jahr

Strategen setzen auf mehr Risiko bei Anleihen

VonAndrea Cünnen

Experten empfehlen Unternehmensanleihen gegenüber Staatsaleihen und Pfandbriefen im Depot höher zu gewichten. Dabei sollten Anleger zu etwas schlechter bewerteten Emittenten greifen.

HB FRANKFURT/M. Im Vergleich zu Aktien werden Anleihen in diesem Jahr schlechter abschneiden - darin sind sich Experten weitgehend einig. Dennoch werden sich auch 2002 mit Anleihen ordentliche Erträge erzielen lassen. Nahezu alle großen Banken empfehlen ihren Kunden, dabei verstärkt auf Unternehmensanleihen zu setzen und deren Depotanteil gegenüber Staatsanleihen und Pfandbriefen überzugewichten.

Voraussetzung für diese Strategie ist, dass sich die Konjunktur in den USA ab Sommer diesen Jahres wieder erholt, wovon die meisten Strategen ausgehen. Später sollte dann auch die Wirtschaft in der Eurozone wieder anziehen. "Wenn sich die volkswirtschaftliche Entwicklung bessert, werden auch die Unternehmensgewinne wieder steigen", erklärt Claus Huber, Anleihestratege für Privatkunden bei der Deutschen Bank. Dadurch ist auch die Finanzierung von Zins- und Tilgungszahlungen sichergestellt. Folglich sinkt das Risiko von Zahlungsausfällen bei Unternehmensanleihen. "Staatsanleihen und Pfandbriefe werden dagegen auf das anziehende Wirtschaftswachstum eher negativ reagieren", sagt Anja Mikus, Geschäftsführerin bei der Union Investment.

Im vergangenen Jahr war es unter anderem die Talfahrt an den Aktienmärkten, die diesen Anleihen Auftrieb verschaffte. Dazu kamen die pessimistische Konjunkturerwartungen, die durch die Terroranschläge gegen die USA noch verstärkt wurden. 2001 brachten Staatsanleihen und Jumbo-Pfandbriefe Erträge von 5,8 % beziehungsweise 6,6 %.

Jumbo-Pfandbriefe sind mit Hypotheken oder Krediten an die öffentliche Hand gedeckte Schuldverschreibungen spezieller Banken, die mit einem Volumen von mindestens 500 Mill. ? aufgelegt werden.

Am Besten schnitten aber im vergangenen Jahr als sehr sicher eingestufte Unternehmensanleihen ab, das heißt Bonds, die von den führenden Ratingagenturen Standard & Poor?s und Moody?s mit der höchsten Bonitätsnoten AAA beziehungsweise Aaa eingestuft werden. Dies gelingt allerdings nur wenigen Schuldnern. Dementsprechend gibt nur recht wenige Papiere.

Unternehmensanleihen bieten höhere Renditen

Generell bieten Unternehmensanleihen aufgrund des höheren Ausfallrisikos einen Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen und Pfandbriefen. Schlechter entwickelten sich 2001 allerdings Unternehmensanleihen, die über ein Dreifach-B-Rating, eine mittlere Einstufung der Bonität, nicht hinauskamen. Doch genau auf solche Titel und auf diejenigen mit einem einfachen A (eine Note besser) sollten Anleger in diesem Jahr setzen, sagt Huber. Doch das allein garantiert noch keinen Erfolg. Ebenso wichtig ist dabei die Branchenauswahl und die Wahl der einzelnen Schuldner.

Beim richtigen Rezept für die richtige Zusammenstellung gehen die Meinungen der Banken auseinander. Einig sind sich die Experten nur bei Telekomanleihen. Die Verlierer des Jahres 2000 werden jetzt als vergleichsweise sichere Investition gesehen. Autobonds - die zweitgrößte Branche am Markt für Unternehmensanleihen - halten nicht alle Bondexperten für empfehlenswert. Fachmann Huber zum Beispiel bewertet die fundamentalen Risiken der Branche als relativ hoch, ebenso wie das US-Investmenthaus J.P.Morgan. Dagegen sollten nach Meinung der Strategen von Dresdner Kleinwort Wasserstein und BNP Paribas Anleger Autobonds übergewichten. Diese Papiere dieser Schuldner haben sich zwar von ihren Tiefständen erholt, seien aber immer noch unterbewertet. Auch an anderen Branchen wie bei den Versorgern scheiden sich die Geister.

Einigkeit herrscht dagegen darüber, dass Privatanleger ihr Risiko begrenzen sollten. Von Anleihen, die unterhalb der Investitionklasse, das heißt nicht schlechter als BBB- bzw. Baa3 eingestuft werden, sollten sie die Finger lassen. Die Gefahr, dass der Bond nicht zurückgezahlt wird, sei einfach zu groß. Auch die Performance dieser Hochzins-Bonds überzeugt nicht. So verlor der Index von Goldman Sachs für europäische hochverzinsliche Unternehmensanleihen 2001 gut 21 %.

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