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03.02.2002

19:44 Uhr

Für den Kauf fehlt noch ein Partner – Russischer Ölkonzern expandiert

Yukos nimmt deutsche Tankstellen ins Visier

VonJOACHIM DORFS

Russlands zweitgrößter Ölkonzern Yukos sucht nach neuen Absatzmärkten in Westeuropa. Die Tankstellen, die die Gruppen BP-Aral und Dea-Shell auf Anordnung des Bonner Kartellamts verkaufen müssen, kommen da gerade Recht. Auch eine BP-Raffinerie in Bayern interessiert das russische Energieunternehmen.

NEW YORK. Yukos, der zweitgrößte russische Ölkonzern, ist an der Übernahme deutscher Tankstellennetze interessiert. "Yukos sucht nach Möglichkeiten, seine Ölexporte in den Westen langfristig deutlich zu steigern", sagte Yukos-Chef Michail Chodorkowskij in New York am Rande des Weltwirtschaftsforums im Gespräch mit dem Handelsblatt. Zudem wolle man eine oder mehrere Raffinerien in Deutschland erwerben.

In der Bundesrepublik stehen nach der Übernahme von Aral durch BP und der Gründung des Joint Ventures von RWE-Dea und Shell bis zu 1 500 Tankstellen zum Verkauf. Außerdem muss BP eine Raffinerie (Bayern Oil) abgeben. Von diesen Veräußerungen hatte das Bundeskartellamt seine Zustimmung zu den Tankstellenfusionen abhängig gemacht. Ausdrücklich hatte die Bonner Wettbewerbsbehörde gefordert, dass Tankstellen und Raffinerie nur von einem kleinen Anbieter auf dem deutsche Markt oder einem Neueinsteiger erworben werden dürfen. Yukos ist in diesem Geschäft in Deutschland noch nicht präsent. Mögliche Partner könnten Total-Fina oder Agip sein.

Nach den Worten Chodorkowskijs will Yukos die deutschen Tankstellen nicht allein übernehmen. "Wir suchen einen Partner, der bereits über Erfahrungen auf diesem Markt verfügt", sagte er. Er wollte nicht sagen, ob bereits Verhandlungen geführt werden. Auch in Kreisen der verkaufswilligen Mineralölkonzerne wollte man sich nicht äußern.

Insgesamt werde Yukos in den kommenden zwei Jahren rund 2 Mrd. $ für Akquisitionen von Tankstellen und Raffinerien im Westen ausgeben, ergänzte Chodorkowskij. Weitere 2 Mrd. $ sollten von Banken sowie industriellen Partner kommen. Außer Deutschland hat der Ölkonzern dabei unter anderem Italien und die Slowakei im Auge. Die Engagements sollen eine Rendite von mindestens 15 % auf das eingesetzte Kapital erbringen.

Yukos hatte in den vergangenen Monaten von sich reden gemacht, als es einen knapp 400 Mill. Euro umfassenden Rettungsplan für den norwegischen Schiffs- und Anlagenbaukonzern Kvaerner präsentierte und einen Anteil von 22 % an der angeschlagenen Unternehmensgruppe übernahm. Nachdem Kvaerner letztlich vom Konkurrenten Aker Maritime übernommen wurde, will sich Yukos wieder von den Anteilen trennen, kündigte Chodorkowskij an. "Yukos ist bei Kvaerner ein mittelfristig orientierter Finanzinvestor. Unsere Aktien stehen innerhalb der nächsten zwei Jahre jederzeit zum Verkauf", betonte er.

Um seinen Absatz in Westeuropa zu steigern, hat Yukos bereits in der vergangenen Woche einen Anteil von 49 % an der "Transpetro"-Ölpipeline übernommen, die die Slowakei mit Deutschland verbindet. 74 Mill. $ hat der Konzern dafür ausgegeben. "Wenn wir erst einmal genügend Abnehmer in Deutschland haben, werden wir die Durchleitungskapazität von heute neun Millionen Tonnen jährlich deutlich erhöhen", kündigte der 38-jährige Yukos-Chef Chodorkowskij an. Er gehört mit einem Vermögen von geschätzten 2,7 Mrd. $ zu den reichsten Männern in Russland. Das von ihm geführte Energie-Unternehmen Yukos erfreut sich mit seiner Börsenkapitalisierung von rund 13,5 Mrd. $ inzwischen auch bei vielen westlichen Finanzanalysten größerer Beliebtheit. Die Aktie gilt als interessanter Wert.

Chodorkowskij sucht nach zusätzlichen Absatzmärkten, da die geplante Erhöhung der Produktion - Yukos will in fünf Jahren am größten russischen Ölproduzenten Lukoil vorbeiziehen - für den Heimatmarkt allein zu ambitioniert ist. Daher hält er es für einen "unglücklichen Zwischenfall", dass die russische Regierung der Opec für das erste Quartal dieses Jahres eine Reduktion der Ölexporte um 150 000 Barrel (1 Barrel entspricht 159 l) pro Tag zugesagt hatte.

Yukos hatte im Jahr 2000 umgerechnet 3,6 Mrd. Euro verdient. Chodorkowskij deutete an, dass sich der Gewinn für das vergangene Jahr in der gleichen Größenordnung bewege, da der Ölpreisverfall durch eine größere Fördermenge kompensiert wurde. "Es ist nichts Dramatisches passiert", sagte der Yukos-Chef

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