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04.06.2000

14:28 Uhr

dpa ZÜRICH/VADUZ. In der Geldwäsche-Affäre in Liechtenstein gerät jetzt auch die Bank des Fürsten ins Visier der Ermittler. Der österreichische Sonderstaatsanwalt Kurt Spitzer bestätigte dem Schweizer "Sonntagsblick", dass gegen Angestellte des "Liechtenstein Global Trust" (LGT) ermittelt wird. Der Verdacht lautet auf Geldwäsche. Die Bank gehört zu 100 Prozent Fürst Hans-Adam II.

Der streitbare Fürst hatte in den vergangenen Wochen immer wieder öffentlich eine rückhaltlose Aufklärung der Geldwäsche-Vorwürfe gefordert. Im Mai wurden mehrere Treuhänder in Liechtenstein festgenommen, darunter der Bruder des höchsten Richters im Land und der Bruder des stellvertretenden Regierungschefs. Es solle "ohne Rücksicht auf Verluste, selbst wenn es die Fürstenfamilie betrifft", ermittelt werden, hatte Hans-Adam in Interviews gesagt. Zu den jüngsten Ermittlungen Spitzers wollte der Fürst sich am Wochenende nicht äußern.

Treuhänder und Banken stehen im Verdacht, Drogengelder krimineller südamerikanischer Banden gewaschen zu haben. Den Stein ins Rollen brachte der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND). In einem Ende letzten Jahres bekannt gewordenen Geheimpapier warf er Liechtensteiner Banken, Polizei und Justiz vor, ein illegales Netz zur Geldwäsche aufgebaut zu haben. Über Liechtensteiner Stiftungen sollen Hunderte von Mill. an Schwarzgeldern der Drogen- und der Russenmafia gewaschen worden sein.

Der Schweizer Treuhänder Ulrich Linder sagte dem "Sonntagsblick", dass auch Schweizer Banken jede Woche mit dubiosen Geschäften konfrontiert werden. "Die meisten solch undurchsichtiger Anfragen kommen im Moment aus Afrika, fast täglich über Fax. Es sind Anfragen mit der Bitte, Gelder zu platzieren oder umzuplatzieren. Auch aus den Ost-Staaten kommen solche Ansinnen", sagte Linder. Treuhänder fungieren als Vermittler für Bankgeschäfte. In Liechtenstein können sie Geld für Kunden anlegen, ohne der Bank die Identität preiszugeben.

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