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26.05.2000

17:03 Uhr

dpa LIMA. Im zweiten Wahlgang um das Präsidentenamt in Peru wird Amtsinhaber Alberto Fujimori am kommenden Sonntag als einziger Kandidat antreten. Die oberste Wahlbehörde bestätigte den als Stichwahl angesetzten Termin am Donnerstagabend trotz starken internationalen Drucks für eine Verschiebung. Die Beobachtermission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) kündigte die drastische Einschränkung ihrer Arbeit an.

Der Oppositionskandidat Alejandro Toledo bekräftigte in einer ersten Reaktion, er werde am Sonntag nicht zur Wahl antreten. Später rief er Fujimori auf, als "Geste der Größe" die Wahlbehörde persönlich um einen späteren Wahltermin zu bitten, damit das Land nicht noch tiefer in die Krise gerate. Er sei jederzeit zu Gesprächen mit Fujimori bereit.

Der Leiter der OAS-Mission, der früherer Außenminister Guatemalas, Eduardo Stein, äußerte sich "überrascht und enttäuscht" über das Verhalten der Wahlbehörde und kündigte an, er werde am Sonntag nicht in Peru sein. Die US-Stiftung des früheren Präsidenten Jimmy Carter kündigte ihren Rückzug aus Peru an. Die Wahl ist nach Auffassung der OAS ungenügend vorbereitet und für die Beseitigung der bei der ersten Wahlrunde sichtbar gewordenen Mängel seien noch mindestens zehn Tage notwendig.

In der Hauptstadt Lima versuchten Anhänger der Opposition, das Gebäude der Wahlbehörde zu stürmen. Anschließend griffen sie den Präsidentenpalast an. Einem der Demonstranten "gegen Wahlbetrug" gelang es, auf einen Balkon des Palastes zu klettern. Er legte ein Feuer, das jedoch schnell gelöscht werden konnte.

Bei einer Straßenschlacht vor dem Präsidentenpalast, in dem Fujimori auch wohnt, setzte die Polizei Tränengas und Gummiknüppel ein. Mehrere Menschen wurden verletzt. Auch aus einigen anderen Städten wie Cusco wurden Ausschreitungen gemeldet. Toledo verurteilte die Gewalt. Die Opposition wirft dem seit zehn Jahren regierenden Fujimori einen von Anfang an unfairen Wahlkampf, Einschränkung der Pressefreiheit, Missbrauch öffentlicher Gelder für seine Wahlkampagne und Wahlfälschung vor.

Die Entscheidung über den Wahltermin sei mit drei gegen zwei Stimmen gefallen, teilte die Wahlbehörde JNE mit. Eine Verschiebung sei nicht möglich, da die Verfassung einen Termin spätestens 30 Tage nach Veröffentlichung der Resultate der ersten Wahlrunde vom 9. April zwingend vorschreibe, hieß es. Die Opposition argumentiert hingegen, die Präsidenten- und die zeitgleich am 9. April abgehaltene Parlamentswahl seien ein einziger rechtlicher Vorgang. Das Ergebnis der Parlamentswahl war erst am 12. Mai veröffentlicht worden.

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