Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.03.2003

08:16 Uhr

Furcht vor Einkommeneinsbußen bei Reformen

Verbraucher befürchten zunehmend Rezession

Die deutschen Verbraucher befürchten zunehmend eine Rezession. In der März-Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) blickten die Befragten angesichts schlechter Konjunkturnachrichten, hoher Arbeitslosigkeit und der Irak-Krise mit Sorge in die Zukunft.

Reuters NÜRNBERG. "Neben der gegenwärtig schwachen wirtschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik droht nun auch der Irak-Krieg eine mögliche Erholung des Konsumklimas zu behindern", sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl am Freitag. Während die rund 2000 befragten Personen im März neben der Konjunkturentwicklung auch ihre zukünftige Einkommenssituation ungünstiger einschätzten, verbesserte sich die aktuelle Kauflaune etwas. Der von der GfK für April berechnete Konsumklima-Indikator für Deutschland verharrte daher mit 3,7 Zählern auf Vormonatsniveau.

Allerdings sei die jüngste Umfrage vor Beginn des Irak-Kriegs abgeschlossen worden, sagte Bürkl. "Vor allem dann, wenn der Krieg länger anhalten sollte, sind deutliche Beeinträchtigungen der Verbraucherstimmung wahrscheinlich." Die GfK berechnet aus monatlichen Umfragen im Auftrag der EU-Kommission jeweils das Konsumklima für den Folgemonat. Der Indikator prognostiziert den realen privaten Verbrauch, auf den in Deutschland fast 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen. Positive Werte signalisieren dabei einen Anstieg, negative einen Rückgang des Verbrauchs zum Vorjahresmonat.

Der Irak-Konflikt dürfte aber schon vor Kriegsbeginn die Stimmung der Verbraucher beeinflusst haben. "Neben der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit, die im März noch einmal anzusteigen droht, und den ständig nach unten revidierten Wachstumsaussichten scheint auch die Irak-Krise die Konjunkturstimmung zu belasten", sagte Bürkl. Der Indikator für die Konjunkturerwartungen der Bürger rutschte um 2,7 Punkte auf minus 28,6 Zähler ab und befindet sich damit auf dem Niveau der Rezession von 1993. Nach einer Reihe überraschend starker Wirtschaftsdaten zu Jahresbeginn hat allerdings die Zahl der Experten, die Deutschland derzeit in einer Rezession sehen, abgenommen. Gleichzeitig betonen Volkswirte aber, dass die Chancen auf eine Erholung im zweiten Halbjahr vom Verlauf des Irak-Kriegs und der Konjunktur in den USA abhängen.

Furcht vor Einkommeneinsbußen bei Reformen

Wegen der trüben Wirtschaftsaussichten schätzten die von der GfK Befragten auch ihre zukünftigen Einkünfte pessimistischer ein. Die Einkommenserwartungen gingen um einen halben Punkt auf minus 21,4 Punkte zurück, erreichten aber noch nicht ganz das Rezessionsniveau von 1993. Neben der Angst vor Arbeitslosigkeit verunsichere wohl auch die anhaltende Reformdiskussion die Menschen, sagte Bürkl. "Offenbar befürchten nicht wenige Konsumenten, dass Reformen mit weiteren Belastungen beziehungsweise Einkommenseinbußen verbunden sein werden."

Trotz des großen Pessimismus setzte sich der Trend einer langsamen Rückkehr der Kauflust in der März-Umfrage fort. Der GfK-Indikator für die Bereitschaft der Konsumenten, langlebige Produkte wie Fernseher oder Kühlschränke zu kaufen, legte um vier Punkte auf minus 26,6 Zähler zu. Der anhaltende Pessimismus der Verbraucher und der Irak-Krieg ließen aber noch keine grundlegende Erholung der Konsumneigung erwarten, warnte Bürkl.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×