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25.01.2007

08:57 Uhr

G8-Ratspräsidentin Angela Merkel

Küsschen hier, Küsschen da

VonAndreas Rinke

Davos, Sotschi, Berlin, Straßburg: Angela Merkel ist in diesen Tagen viel unterwegs und kann sich dabei ihrer Aufmerksamkeit sicher sein. Denn bereits vor dem Beginn der EU- und G8-Ratspräsidententschaft hat sich die Bundeskanzlerin großen Respekt verschafft, der nun ihr größtes Kapital ist. Sie kann in den kommenden Monaten viel gewinnen, aber wenig verlieren.

BERLIN. Draußen schneit es, der Winter hat Davos erreicht. Auch das Kongresszentrum des Schweizer Örtchens vermittelt kühle Konferenzatmosphäre. Doch als Angela Merkel vor Hunderten Top-Managern aus aller Welt ihre Rede beginnt, kann sie sich wärmender Sympathie sicher sein. Mehr noch: Die mächtigen Besucher des Weltwirtschaftsforums hängen an ihren Lippen.

Vergangenes Jahr war sie als erste deutsche Frau an der Spitze einer Regierung noch neugierig bestaunt worden. Dieses Jahr will die Welt hören, was die Kanzlerin zu sagen hat - zu Klimawandel, Weltwirtschaft, EU, zu Krieg und Frieden.

Das hat zwei Gründe. Angela Merkel ist dieses Mal nicht "nur" als deutsche Bundeskanzlerin nach Davos gekommen, als Präsidentin der G8 und EU-Ratsvorsitzende ist sie für sechs Monate so etwas wie die Regentin weiter Teile der entwickelten Welt. Und zweitens, das räumen selbst ihre innenpolitischen Gegner zähneknirschend ein, hat sie sich international in kurzer Zeit großen Respekt verschafft. Der ist in EU und G8 derzeit ihr größtes Kapital, und das will sie nutzen.

Denn nun wird es ernst: Am Wochenende beginnen ihre "Sherpas", bei den EU-Partnern auszuloten, was bei der versuchten Rettung der Verfassung möglich ist und was nicht. Das ist ihr größtes Projekt, und viele Hoffnungen ruhen darauf, dass die deutsche Kanzlerin die EU-Verfassung aus dem Koma erwecken kann. Luxemburgs Premierminister Jean Juncker-Claude hat Angela Merkel gar schon zur Retterin Europas ausgerufen.

"The go-to-person" - so wird Merkel in amerikanischen Medien anerkennend genannt. Sie ist die Frau, zu der man in Europa gehen muss, um etwas zu bewegen. In der EU hat sie diese Rolle längst. Deshalb kann sich Merkel auch bescheiden geben. Bei ihrem Antrittsbesuch im Europäischen Parlament in Straßburg setzt sie sich im Plenum ohne Murren auf den Platz mit der Nummer zwei. Sie weiß, dass auch so jeder weiß, wer zurzeit die Nummer eins ist.

Auch wenn sie erst 16 Monate im Amt ist, ist Europa für Merkel schon ein Heimspiel. Zwar kokettiert sie gelegentlich damit, sie sei ja eine "EU-Jugendliche", weil sie als Ostdeutsche erst 1990 EU-Bürgerin wurde. Aber seit ihrer Zeit als Umweltministerin unter Kanzler Helmut Kohl kennt sie die Spielchen der EU-Diplomatie und beherrscht die Tricks, die in den EU-Räten unverzichtbar sind.

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