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29.01.2001

17:07 Uhr

GAAP ist Voraussetzung für Börsennotiz in den USA

Vorschau: Siemens legt erstmals GAAP-Quartalsabschluss vor

Zahlreiche Analysten wollten angesichts der Umstellung keine Prognosen und der damit fehlenden Vergleichbarkeit der Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2000/01 abgeben.

Reuters MÜNCHEN. Die Siemens AG wird am Mittwoch zum ersten Mal ihren Quartalsabschluss nach US-Bilanzierungsrichtlinien (GAAP) vorlegen. Grund dafür ist der für den 12. März terminierte Börsengang in New York. Zahlreiche Analysten wollten angesichts der Umstellung keine Prognosen und der damit fehlenden Vergleichbarkeit der Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2000/01 (zum 30. September) abgeben. Größter Unsicherheitsfaktor für Siemens ist einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge aber das Abschneiden des Mobilfunkbereichs und der Chip-Tochter Infineon, die immer noch im Konzern konsolidiert wird und ebenfalls am Mittwoch ihre Zahlen präsentiert.

Erste Zahlen nach GAAP, den "Generally Accepted Accounting Principles", die Voraussetzung für eine Börsennotiz in den USA sind, hatte Siemens im Dezember für 1999/2000 ausgewiesen. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen sowie der Umsatz des Konzerns waren nach der US-Rechnungslegung damals niedriger ausgefallen als nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB). Grund dafür ist die Vorschrift, nach GAAP bei Großprojekten, wie sie Siemens im Industriegeschäft hat, anteilige Umsätze und Gewinne schon nach dem Baufortschritt, und nicht erst nach Abschluss des Projektes zu verbuchen.

Analyst Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim erwartet daher eine gleichmäßigere Verteilung der Umsätze über das Jahr. Das mache eine Schätzung schwierig. In der Vergangenheit sei oft versucht worden, Projekte noch vor dem Ende des Geschäftsjahres abzuschließen, was den Umsatz im vierten Quartal regelmäßig nach oben getrieben habe. Die Reuters vorliegenden Umsatzschätzungen von fünf Analysten für das erste Quartal sind mit 18,85 bis 22,4 Mrd. Euro breit gestreut, ebenso wie die Prognosen für das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit), die zwischen 850 Mill. und 1,23 Mrd. Euro rangieren. Nach HGB hatte der Konzern im Vorjahresquartal ein Ebit von 1,002 Mrd. Euro und einen Umsatz von 16,4 Mrd. Euro. Siemens will auch auf US-GAAP umgerechnete Vergleichszahlen nennen.

Beim Ergebnis setzen die Branchenanalysten vor allem hinter die Entwicklung der Infineon Technologies AG ein Fragezeichen, an der Siemens immer noch 71 % hält. "Das hängt sehr von Infineon ab", sagt Achim Fehrenbacher von Bankhaus M.M. Warburg. Die verhaltene Reaktion auf das nicht zuletzt wegen Infineon gestiegene Ergebnis des vergangenen Jahres habe gezeigt, dass die Analysten ihr Augenmerk längst mehr auf die Zahlen ohne die Halbleiter-Tochter legten, die Siemens auf mittlere Sicht ganz abstoßen will, sagte Rothauge. Eine positive Überraschung hält der Analyst in der Energieerzeugung (Power Generation) für möglich. "Das läuft vor allem in den USA zurzeit extrem gut."

Anzeichen für eine Zurückhaltung bei den Investitionen in der Telekom - und der Halbleiterbranche und die nachlassende US-Konjunktur lassen aber auch Klaus Repges von WestLB Panmure bezweifeln, ob Siemens die mittelfristigen Margenziele schon in diesem Jahr erreicht. Allerdings ist Siemens nach den jüngsten Zahlen des US-Forschungsinstituts Dataquest beim Handy-Absatz in Europa zuletzt hinter Nokia auf Platz zwei vorgerückt. Für das Jahr 2001 erwartet der Konzern eine Verdoppelung der Verkaufszahlen auf 48 von 24 Mill. Stück. Das sei aber eher ein Marketingziel, glaubt sein WestLB-Kollege Adrian Hopkinson.

Siemens-Chef Heinrich von Pierer hatte für den Konzern für die nächsten drei Jahre ein Wachstum der Ebit-Marge um jährlich durchschnittlich 20 % in Aussicht gestellt. "Da sind wir konservativer", so Repges. Merck-Finck-Analyst Kitz hält diese Ziele dagegen "nicht für besonders ehrgeizig". "Es hängt alles von den Untertönen im Ausblick ab", sagt Nick Wilson von ING Barings in London. Für 2000/01 prognostizierte von Pierer im Dezember ein zweistelliges Umsatzwachstum und einen deutlich darüber liegenden Zuwachs beim Gewinn. Doch Merck-Finck-Analyst Kitz bewertet seine jüngsten Äußerungen über die schwierige Integration der Atecs-Sparten als "kleine Warnung". Im ersten Quartal will Siemens die übernommenen Maschinenbau-Bereiche von Mannesmann , darunter VDO, Sachs und Dematic, nach Angaben eines Sprechers aber noch nicht konsolidieren. Erst müssten die US-Kartellbehörden der Übernahme zustimmen, hieß es.

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