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21.07.2000

10:06 Uhr

Game-Boy-Hersteller will Verkauf in Deutschland bündeln

EU-Kommission wirft Nintendo und Vertriebpartnern Kartell ähnliche Absprachen vor

Nintendo will mit neuem Europa-Vertrieb EU-Vorwürfe entkräften

afp TOKIO. Der japanische Videospiel-Hersteller Nintendo will mit einer tiefgreifenen Neuordnung seines Vertriebs in Europa Vorwürfe der EU-Kommission über wettbewerbswidrige Absprachen entkräften. Der Verkauf von Konsolen wie dem Game Boy und Nintendo 64 sowie Spielesoftware solle künftig für ganz Europa über die Nintendo-Niederlassung in Deutschland gebündelt werden, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Freitag in Tokio. Damit würden die bisher autonomen Vertriebsnehmer in mehreren europäischen Ländern ihre Eigenständigkeit verlieren.

Die EU-Kommission hatte im April ein Verfahren gegen das japanische Unternehmen und sieben seiner Importeure eingeleitet. Brüssel sieht durch die Aufteilung des Marktes Nachteile für Käufer, die nicht von den zum Teil erheblichen Preisunterschieden in der EU für die vor allem bei Kindern beliebten Spiele ("Super Mario", "Pokemon") profitieren können. In manchen Unions-Staaten kosteten diese doppelt so viel wie anderswo. Nach Auffassung der Kommission haben Nintendo und seine Vertriebspartner "kartellähnliche Absprachen" getroffen, um den europäischen Markt unter sich aufzuteilen.

Den Unternehmen wurden demnach einzelne Staaten für den Verkauf von Nintendo-Spielkonsolen und-Computerspielen zugeteilt. Betroffen sind der britische Buchverkäufer John Menzies, der Nintendo-Produkte exklusiv über seine Tochter The Games in Großbritannien und Irland vertreibt, CD Contact Data in Belgien, das portugiesische Unternehmen Concerta, die italienische Linea GIG, Bergsala in Skandinavien sowie zwei griechische Vertriebsnehmer. In Deutschland, Frankreich, Spanien und den Niederlanden vertreibt Nintendo seine Produkte über eigene Töchter. "Die EU-Untersuchung hat uns die Möglichkeit gegeben, unser Marketing-System zu überdenken", sagte Nintendo-Sprecher Yasuhiro Miyagawa gegenüber AFP. Nintendo Deutschland wird demnach künftig die Preisgestaltung in den EU-Staaten überwachen sowie das gesamte Marketing für Nintendo-Produkte in die Hand nehmen. Die Reform des Vertriebssystems soll bis Ende März kommenden Jahres abgeschlossen sein.

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