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02.01.2001

19:00 Uhr

Geflügelverarbeiter kauft für 4,7 Milliarden Dollar den Schlachtkonzern IBP

Tyson wird größter Fleischkonzern der USA

Tyson Foods hat sich beim Kampf um den Großschlachter IBP durchgesetzt und will nun als mächtiger Fleischkonzern größeren Einfluss auf den US-Lebensmittelhandel bekommen. Die amerikanische Fleischindustrie konzentriert sich durch die Übernahme Fusionen und Übernahmen erwarten auch die deutschen Schlachter.

bef/Reuters NEW YORK. Der nach eigenen Angaben weltgrößte Geflügelproduzent Tyson Foods kauft für 4,7 Mrd. $ den Rinderschlachter IBP Inc. und steigt damit zum größten Fleischverarbeiter der USA auf. Mit dem Angebot über 30 $ je Aktie setzte sich der Konzern gegen den Konkurrenten Smithfield durch, mit dem sich Tyson ein monatelanges Bietergefecht geliefert hatte.



Durch die Übernahme gibt Tyson seine Konzentration auf das Geflügelgeschäft auf. In dieser Sparte hat das Unternehmen einen Marktanteil in den USA von 25 %. IBP ist mit einem Anteil von etwa einem Drittel die Nummer eins der Rindfleischschlachter in den Vereinigten Staaten und zugleich die Nummer zwei in der Verarbeitung von Schweinefleisch. Durch den Zusammeschluss entsteht nach Tyson-Angaben ein weltweit vertretener Konzern mit einem Umsatz von 23 Mrd. $ und 114 000 Beschäftigten.



Tyson hat beispielsweise mit Hähnchenprodukten in den vergangenen Jahrzehnten eine landesweit bekannten Marke für schnell zubereitbares, verpacktes Geflügelfleisch aufgebaut. Diese Strategie will der Konzern nun auch im Markt für Rinder- und Schweinefleisch durchsetzen. Vorstandschef John Tyson hofft, durch die Übernahme einen größeren Einfluss auf den mächtigen US-Lebensmitteleinzelhandel zu bekommen.



Nettoergebnis wird kurzfristig gesteigert

Tyson wird die Kaufsumme zu 50,1 % in bar und den Rest in Aktien aufbringen. Zudem übernimmtder Geflügelverarbeiter die Schulden von IBP in Höhe von 1,5 Mrd. $. Die Akquisition werde das Nettoergebnis von Tyson kurzfristig um 15 % steigern und im ersten vollen Geschäftsjahr die Erträge um 20 % erhöhen, teilte der Konzern mit.



Das US-Unternehmen hat mit der Offerte über 30 $ den Schweinefleisch-Produzenten Smithfield ausgestochen, der zwei Dollar mehr pro IBP-Aktie geboten hatte. Mitentscheidend für den Zuschlag für Tyson war offenbar, dass das Unternehmen die Summe je zur Hälfte in Aktien und Bargeld bezahlen will.



Das Angebot von Smithfield hätte den IBP-Aktionären 200 Mill. $ mehr gebracht, sagte Paul Korngiebel, Manager bei Brandes Investment Partners, die rund 9 % der IBP-Aktien halten. IBP sei eine Erklärung schuldig, weshalb sie Tyson den Vorzug gegeben habe. Korngiebel vermutet, die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden sei bei einem Zusamenschluss mit Tyson leichter zu erhalten als bei einem Zusammengehen mit Smithfield.



Starke Konzentration in der Branche

Der Bieterwettbewerb zwischen Tyson und Smithfield war im Oktober vorigen Jahres entbrannt, nachdem IBP eine Übernahme durch ein Konsortium bestehend aus dem eignen Management und der Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette im Gesamtwert von 3,8 Mrd. $ akzeptiert hatte und die großen Fleischkonzerne mit höheren Offerten nachzogen. Das nun angenommene Angebot von Tyson liegt mehr als ein Drittel über dem ersten Angebot des Finanzkonsortiums. Mit der Übernahme konzentriert sich die US-Fleischindustrie auf einen Schlag deutlich. In dem stark zersplitterten deutschen Schlachtermarkt erwarten führende Anbieter wie etwa Nordfleisch in den kommenden Jahren ebenfalls eine Verstärkung der Konzentration durch Übernahmen, Pleiten und Fusionen. Die Branche ist nach Einschätzung der Rabobank seit Längerem wegen hoher Überkapazitäten bei gleichzeitigem Preisverfall durch den starken Wettbewerb im Einzelhandel unter Druck.

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