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11.04.2003

07:30 Uhr

Geglückter Start der Ariane 5 – Europäische Raumfahrtindustrie hofft auf Hilfen der EU

Europarakete braucht neuen Schub

VonTim Wender

Noch ist nicht aller Tage Abend für die Europarakete Ariane 5. Am Donnerstag konnte die Betreibergesellschaft Arianespace einen Achtungserfolg melden, sie brachte zwei Satelliten ins All. Doch die Zukunft des Ariane Programms steht in den Sternen. Die Raumfahrtindustrie braucht dringend finanzielle Unterstützung.

DÜSSELDORF. Alles andere als ein geglückter Start wäre verheerend gewesen: Die europäische Trägerrakete Ariane 5 hat in der Nacht zum Donnerstag einen amerikanischen und einen indischen Telekommunikations-Satelliten auf ihre Umlaufbahnen gebracht. Für die Betreibergesellschaft Arianespace jedoch ist das allenfalls ein Hoffnungsschimmer. Denn den gescheiterten Jungfernflug der neuen Ariane 5 ESC-A im Dezember hat die europäische Raumfahrtindustrie noch lange nicht verkraftet. "Die Zukunft der Trägerrakete Ariane 5 steht auf dem Spiel", bestätigt Volker Liebig, Programmdirektor Raumfahrt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Insgesamt 3 300 von gut 12 000 Stellen im Raumfahrtbereich baut Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern EADS in seiner verlustreichen Raumfahrtsparte ab. Betroffen sind vor allem die Beschäftigten im Satellitenbereich.

Die schlechte Auftragslage auf dem Markt der Kommunikationssatelliten - weltweit gab es letztes Jahr nur drei neue Bestellungen - wirkt sich direkt auf das Geschäft der Trägerraketen aus. Die chronisch defizitäre Betreibergesellschaft der Ariane hat daraus erste Konsequenzen gezogen: Jean-Yves Le Gall, Präsident der Betreibergesellschaft Arianespace, verlangt von den Aktionären einen Zuschuss von bis zu 1 Mrd. Euro.

Der Fehlstart im Dezember letzten Jahres war für die gesamte europäische Raumfahrt ein herber Rückschlag. Die neue Version der Ariane gilt als derzeit stärkste Trägerrakete für kommerzielle Satelliten und soll Nutzlasten mit mehr als 10 Tonnen in den Orbit transportieren. Doch muss nach dem Fehlstart - die zweite Raketenstufe hatte nicht gezündet - das gesamte Programm überprüft werden. Das kostet zunächst viel Geld, Arianespace rechnet mit Zusatzkosten von rund 550 Mill. Euro. Außerdem kommt der Fehlschlag zu einem völlig falschen Zeitpunkt: Die US-Konkurrenten Boeing und Lockheed-Martin drängen mit neuen Raketen auf den Markt.

Die Not leidende europäische Industrie hofft daher jetzt auf die Politik. Ende Mai kommen die Forschungsminister der Mitgliedsländer der European Space Agency (ESA) zu einem außerordentlichen Treffen in Paris zusammen. Thema soll vor allem die Zukunft der Ariane 5 sein. "Ein klares Ja zur Ariane 5", verlangt Klaus Dieter Naumann, Sprecher der MAN Technologie, von den Politikern. Die Augsburger MAN-Tochter stellt Satellitentanks und Antriebskomponenten für die Ariane her und beschäftigt rund 865 Mitarbeiter. Alleine 430 Arbeitsplätze hängen an der Produktion der Ariane 5. MAN fährt zur Zeit Kurzarbeit: "Anfangs war von zehn Trägerraketen pro Jahr die Rede, momentan produzieren wir Null!" klagt Naumann.

Von der deutschen Politik hat er zurZeit wenig zu erwarten, die Bundesregierung hat die Mittel für die Raumfahrt im laufenden Haushalt um 42 Mill. Euro gekürzt. Ganz anders verhalten sich da die USA, deren Raketenbauer stark von militärischen Aufträgen profitieren: Washington stockte die Fördergelder nach dem Absturz der Raumfähre Columbia auf.

"Weitere 200 bis 250 Arbeitsplätze könnten in Folge der Kürzungen im Mittelstand wegfallen", warnt Hans-Joachim Gante, Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Luft- und Raumfahrt (BDLI). Auch die Großindustrie appelliert an die Politik. Rainer Hertrich, Chef des größten Ariane-Aktionärs EADS, sieht die Industrie außer Stande, die Probleme alleine zu lösen: "Europa muss sich überlegen, ob es einen eigenen Zugang zum Weltall haben will oder nicht."

EADS, größter europäischer Luft und Raumfahrtkonzern, versucht die Krise allerdings auch mit eigenen Mitteln in den Griff zu bekommen. Im Juni übernimmt der Konzern vom britischen Konkurrenten BAE Systems den restlichen Anteil von 25 % am europäischen Raumfahrtunternehmen Astrium. EADS will dann die Raumfahrtaktivitäten in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Spanien bündeln. So wird Mitte 2004 eine Fertigungstätte der Ariane 5 mit 159 Stellen vom südfranzösischen Toulouse nach Bremen verlagert. Vorgesehen ist, dass es in Zukunft nur einen Systemführer für die Ariane 5 gibt.

Quelle: Handelsblatt

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