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19.04.2006

08:14 Uhr

Geheimdienstaffäre

Suche nach dem Phantom

VonHolger Alich

Die bizarre Verleumdungsaffäre um angebliche Schmiergeld-Konten des französischen Außenministers Nicolas Sarkozy und des Ex-EADS-Topmanagers Philippe Delmas weitet sich aus. Mit einer Reihe von Durchsuchungen wollen die Ermittlungsrichter Licht ins Dunkel der Rufmord-Kampagne bringen.

PARIS. Der Gebäudekomplex der Hausnummer 14 in der Pariser Rue Saint-Dominique zählt zu den bestbewachten in ganz Frankreich; hier residiert Verteidigungsministerin Michel Alliot-Marie. Doch manchmal findet auch ungebetener Besuch schnell Einlass - er benötigt nur einen Durchsuchungsbefehl. Einen solchen hatten in diesen Tagen Jean-Marie d'Huy und Henri Pons in der Tasche.

Die beiden Ermittlungsrichter untersuchen seit rund anderthalb Jahren eine bizarre wie mysteriöse Geheimdienstaffäre, die mit der Durchsuchung der Ministerbüros nun die Spitze des französischen Staates erreicht hat. Bei der so genannten "Clearstream-Affäre" geht es um die Frage, wer im Sommer 2004 der Justiz gefälschte Computerdaten zugespielt hat, die glauben machen sollten, dass Nicolas Sarkozy und der Ex-EADS-Topmanager Philippe Delmas Schmiergeld-Konten bei der Deutschen-Börse-Tochter Clearstream in Luxemburg hätten. Bei dieser Verleumdungsaffäre wird eine Beteiligung der französischen Geheimdienste nicht ausgeschlossen. Daher haben die Richter bereits auch dem Sitz des Auslandsgeheimdienstes DGSE einen Besuch abgestattet.

Rückblende: Im Sommer 2004 erhält der Ermittlungsrichter Renaud von Rymbeke anonyme Post mit CD-Roms. Mit den Datensätzen will ein mysteriöser Insider den Verdacht erwecken, eine Reihe Top-Manager wie Delmas und Top-Politiker wie Sarkozy hätten Geheimkonten bei Clearstream. Die Ermittlungen ergeben: Die Daten sind gefälscht. Delmas und Sarkozy erstatten Anzeige wegen Rufmord.

Die Affäre sorgt bis heute für Spannungen zwischen den Rivalen Sarkozy und Dominique de Villepin. Denn damals war Villepin Innenminister, der seinerseits den Inlandsgeheimdienst DST auf die Affäre ansetzte. Auch die DST kam zu den Schluss: Sarkozy ist unschuldig. Das Ergebnis machte Villepin indes nicht publik - das wirft zumindest Sarkozy dem heutigen Premierminister vor.

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