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17.03.2003

09:16 Uhr

Erich Ahlers

Erich Ahlers

Dass der FC Bayern hinter dem Rücken anderer Klubs Geschäfte mit Kirch gemacht hat, war im Grunde genommen keine Überraschung. Dass Kirch Beraterverträge mit wichtigen und halb wichtigen Protagonisten des deutschen Fußballs abgeschlossen hat, stellte letztlich auch keine Sensation dar. Und dass nun via "Spiegel" bekannt wurde, dass der Deutsche Fußball-Bund die Kirch-Kuh auch mal heimlich gemolken hat, wen wundert es wirklich? Denn so wie Elfmeter oft und gern erschummelt werden, so selbstverständlich wird in der Branche hinter den Kulissen krumm gedealt.

Umso mehr wird der Würgereiz angeregt, wenn die ganze Mischpoke über Solidarität und andere hehre Grundsätze philosophiert. Dies gilt insbesondere für den DFB, der mit Gerhard Mayer-Vorfelder einen Präsidenten aufbietet, der wahrlich nicht für die Rolle des ehrenamtlichen Wohltäters taugt. Mit Wilfried Straub, dem einstigen DFB - und jetzigen DFL-Apparatschik, gerät nun freilich einer ins Visier, der sich bisher elegant hinter der Fassade des pflichtbewussten Beamten versteckte. Just dieser Straub ist als Prüfer des Kirch/Bayern-Vertrags so geeignet wie der Bundeskanzler als Lobbyist für die Rüstungsindustrie. Eine Bayern-Bestrafung ist jedenfalls unwahrscheinlicher denn je.

Der Profifußball hier zu Lande hat schon länger handfeste Glaubwürdigkeitsdefizite. Und ein Konstrukt der Selbstverwaltung, wie es die Deutsche Fußball-Liga darstellt, ist nicht dazu angetan, diese abzubauen. Vor allem, weil es Nimmersatte in großer Zahl gab und gibt. Leute, die dank Kirch jahrelang im Überfluss leben konnten und nun fluchend in ihren schicken Büros hocken, weil der Mäzen aus München als edler Spender ausfällt. Beim gemeinen Fußballfreund hält sich das Mitleid in Grenzen.

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