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06.01.2003

07:42 Uhr

Geld sitzt nicht mehr so locker

Event-Filme sollen Sender übers Jahr retten

VonPetra Schäfer

Sie weisen den Weg für die Zukunft: Aufwendige Mehrteiler wie "Napoleon", der am Montag im ZDF anläuft. Auch andere Sender planen ähnliche Produktionen. Doch bei den üblichen einteiligen TV-Filmen wird kräftig gespart.

DÜSSELDORF. Napoleon hat die ZDF-Zentrale auf dem Mainzer Lerchenberg erobert: Der öffentlich-rechtliche Sender zollt dem bekanntesten Franzosen der Geschichte mit einem neuen vierteiligen Fernsehfilm Tribut, der ab Montag Abend ausgestrahlt wird. Das ZDF hat die deutsch-französische Koproduktion für 5 Mill. Euro von Kirch Media gekauft. Bereits seit Wochen wird der Film mit Christian Clavier, Gerard Depardieu und Heino Ferch auf Plakaten und in TV-Spots beworben. Der für den Sender verhältnismäßig hohe Werbeaufwand liefert einen Vorgeschmack auf die Bedeutung der so genannten Event-Filme auch für andere Sender in diesem Jahr.

Denn solche Filmproduktionen, die mit großem Star-Aufgebot nicht für das Kino, sondern speziell für das Fernsehen gedreht werden, spielen auch nach dem mageren Wirtschaftsjahr 2002 weiter eine herausgehobene Rolle. Neben typischer Unterhaltung wie Shows, Comedy und Serien sowie dem aus Kostengründen geschrumpften Angebot an Hollywood-Filmen brauchen die Sender solche "Events". Sie sollen die eigene Sender-Marke für die Zuschauer und damit für die Werbekunden attraktiv machen. "Der Wunsch nach Event-Produktionen ist ungebrochen", sagt Nico Hofmann, Chef der Teamworx Produktion für Kino und Fernsehen fest, eines der zur Zeit erfolgreichsten Filmemacher.

Vor allem die privaten Sender wie RTL und Sat 1 leiden unter den im vergangenen Jahr weiter gesunkenen Werbeeinnahmen: Laut Nielsen Media Research haben die Sender bis Ende November 2002 brutto gut 5 % weniger Werbegelder eingenommen als noch im Vorjahreszeitraum. Film-Events sollen auch bei den Privaten die Zuschauer anziehen. Teamworx hat für Sat 1 "Für immer verloren" mit Veronica Ferres gedreht, der im Frühjahr auf Sendung geht. Allerdings machen sich die knapperen Produktionsmittel des Senders bemerkbar: Der Film kostet 3,6 Mill. Euro - nur die Hälfte des Mehrteilers "Der Tunnel", der vor zwei Jahren als Film-Ereignis gefeiert wurde.

Auch die ARD wird demnächst eine Werbekampagne für ihren teuren Event-Film "Eine Liebe in Afrika" Ende Januar beginnen. RTL arbeitet bei den Film-Events zur Zeit an einem aufwendigen Historienstreifen mit dem vorläufigen Titel "Gladiator".

Trotz der Großprojekte ist die Stimmung bei den deutschen Fernsehproduzenten zu Jahresbeginn verhalten. Denn die Sender drücken bei den traditionellen Produktionen - Liebesfilmen und Melodramen ohne hochkarätige Stars - die Kosten. "Die Zahl der Aufträge für Einzel-Fernsehspiele geht eindeutig zurück", sagt Hofmann. Selbst die von den Werbeeinnahmen kaum abhängigen Sender ARD und ZDF halten sich zurück: Anders als im vergangenen Jahr wird die ARD-Tochter Degeto, zuständig für den Filmeinkauf und die Vergabe von Filmproduktionen, das Budget für Auftragsproduktionen 2003 nicht erhöhen. 40 Fernsehfilme für den Sendeplatz am Freitag Abend wird die ARD in Auftrag geben. 2002 hatte Degeto das Budget um 20 Mill. Euro aufgestockt und so das Auftragsvolumen von 25 auf 40 Filmaufträge hochgefahren. "Wir müssen jetzt auch sparen", sagt Degeto-Geschäftsführer Wolfgang Jurgan. Beim ZDF, einem der größten Auftraggeber für die Produzenten, sollen wie bisher 350 Mill. Euro für Filme und Serien ausgegeben werden, eine Erhöhung steht nicht an.

Den Produzenten passt das nicht. "Die Öffentlich-Rechtlichen sollten als Nicht-Marktabhängige als Puffer für die Filmwirtschaft funktionieren", fordert Georgia Tornow, Generalsekretärin der Produzentenvereinigung Film 20. Allerdings weist sie darauf hin, dass es einen Auftragsboom für die Filmwirtschaft wie einst bei der Einführung des Privatfernsehens nie mehr geben wird. In den neunziger Jahren hatten die Senderfamilien von Kirch und RTL verstärkt mit der Produktion unterhaltsamer TV-Filme begonnen. Inzwischen ist beim Zuschauer-Marktführer RTL Nüchternheit gegenüber herkömmlichen Fernseh-Einteilern eingekehrt. "Normale TV-Filme lassen sich eben schwer refinanzieren", sagt eine RTL-Sprecherin.

Quelle: Handelsblatt

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