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29.06.2000

13:18 Uhr

Reuters FRANKFURT. Das Geldmengenwachstum in der Euro-Zone ist im Mai überraschend deutlich zurückgegangen, doch wird dies die EZB nach Einschätzung von Analysten nicht von weiteren Leitzinserhöhungen im Jahresverlauf abhalten. Die Geldmenge M3 sei mit einer Jahresrate von 5,9 nach 6,5 % im April gewachsen, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt mit. Analysten, die im Durchschnitt einen Anstieg von 6,4 % erwartet hatten, beurteilten den Rückgang als einen saisonbedingten Ausrutscher und rechnen angesichts des weiteren Inflationsdrucks nach wie vor mit einer Zinserhöhung der EZB im Herbst. Die Geldmengenentwicklung ist eine der beiden Säulen, an der die EZB ihre Zinspolitik ausrichtet. Der Euro legte nach den Zahlen einen halben Cent zu.

Im gleitenden Dreimonatsschnitt März bis Mai, der weniger saisonalen Schwankungen unterliegt, blieb nach Angaben der EZB das Geldmengenwachstum gegenüber der Vorperiode unverändert mit einer Jahresrate von 6,3 %. "Das Jahreswachstum (der Geldmenge) ist ein bisschen schwächer ausgefallen als wir erwartet hatten. Das ist jedoch ein einmaliger Ausreißer, der saisonell bedingt ist", sagte Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank Research. Auch müsse man sehen, dass der aussagekräftigere Drei-Monatsschritt nicht gesunken sei. "Für die EZB hat die Zahl eine geringe Bedeutung. Wir erwarten weiterhin eine Zinsanhebung im Herbst", fügte er hinzu.

Nach Angaben der EZB ermäßigte sich das Wachstum der an den den privaten Sektor vergebenen Kredite im Mai nur leicht auf eine Jahresrate von 11,3 % und nach 11,4 % im April. Das Kreditwachstum in der Euro-Zone insgesamt fiel auf 7,6 % nach 8,1 % im Vormonat. Gerd Grebe von der Bank Julius Bär sieht angesichts dieser anhaltend starken privaten Kreditnachfrage keinen Grund für eine Entwarnung an der Zinsfront: "Das zeigt, dass die Konjunktur weiter boomt. Ihre geldpolitische Tendenz "Tightening Bias" (Tendenz zur Zinserhöhung) sollte die EZB daher weiter aufrechterhalten." Auch Thoms Hueck von der HypoVereinsbank in München ist der Ansicht, dass diese Atempause noch keinen Trendwechsel anzeigt. "Das Wachstum der privaten Kreditnachfrage bleibt unverändert auf hohem Niveau. Die Liquididitätsausstattung der Wirtschaft ist also immer noch sehr großzügig", fügte Hueck hinzu.

Die EZB richtet ihre Geldpolitik an zwei Säulen aus. Neben der Geldmengenentwicklung gehört eine breit fundierten Beurteilung der Preisaussichten dazu. Das seit Monaten anhaltend über dem Referenzwert von 4,5 % liegende Geldmengenwachstum diente der EZB unter anderem als eine Begründung für die jüngsten Zinserhöhungen. Zur Geldmenge M3 gehören der Bargeldumlauf in der Euro-Zone, die von Nichtbanken bei Kreditinstituten gehaltenen Sichteinlagen, Termingelder von bis zu vier Jahren und Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist.

Der Euro legte nach der Veröffentlichung der Zahlen um mehr als einen halben Cent zu und notierte mittags um 95 US-Cents, womit eine Mark etwas weniger als 2,06 DM kostete. Im Devisenhandel hieß es, die Zahlen hätten die Erwartung einer Leitzinserhöhung im Spätsommer oder Herbst verstärkt.

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