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19.06.2000

19:22 Uhr

Gemeinsame Erklärung abgegeben

Dresdner Bank und Commerzbank wollen beruhigen

Dresdner Bank und Commerzbank haben ihre Gespräche offiziell bestätigt, wollen nun aber wieder schweigen. Die möglichen Partner sind sich offenbar durchaus sympathisch.

gja/jojo/kr FRANKFURT. Mit einer gemeinsamen Erklärung haben Dresdner Bank und Commerzbank versucht, die Spekulationen über Ausgang und Inhalt ihrer bekannt gewordenen Sondierungsgespräche zu beruhigen. In einer knappen Mitteilung wurden die Gespräche über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit (Handelsblatt vom 16./17.6.2000) am Montag offiziell bestätigt. Sie befänden sich "in einem frühen Stadium". Angesichts der Größe der Häuser und der Tragweite des Themas werde sich erst nach sorgfältiger Prüfung zeigen, ob ein tragfähiges Konzept entwickelt werden könne. Die Börse reagierte gestern im Verlauf mit Kursgewinnen für Commerzbank - und spürbaren Einbußen für Dresdner-Aktien.

Zuvor war es am Wochenende zu einem erneuten Spitzentreffen zwischen den Banken gekommen, an dem von beiden Seiten je vier Vorstandsmitglieder teilgenommen haben sollen. Ein Termin für eine Fortsetzung der Gespräche wurde nicht genannt. In der gemeinsamen Mitteilung heißt es nur, über den weiteren Verlauf des Gedankenaustauschs werde man sich zunächst nicht wieder öffentlich äußern. In informierten Kreisen hatte es geheißen, in den nächsten Wochen werde entschieden, ob die Sondierungen in Verhandlungen über eine mögliche Fusion münden sollen.

Beide Banken versichern, bei ihren Überlegungen seien "die Interessen aller zu berücksichtigen". Diese Botschaft dürfte vor allem den jeweiligen Großaktionären gelten. Die Allianz, die rund 22 % an der Dresdner hält, wollte die Gespräche offiziell nicht kommentieren. Es sei momentan noch zu früh, um die Ereignisse zu bewerten. Offenbar lässt die Allianz, die dem Vernehmen nach über die Gespräche informiert war, der Dresdner freie Hand. Ein Sprecher sagte, die Unterredungen seien eine "Chance für die Dresdner Bank".

Nicht informiert über die Sondierungen war nach Angaben seines Geschäftsführers Hansgeorg B. Hofmann der Commerzbank-Großaktionär Cobra, der über knapp 17 % an dem Institut verfügt. Die Gespräche selbst wollte Hofmann auf Anfrage nicht kommentieren. Die Cobra als Finanzinvestor will ihr Paket mit Aufschlag wieder veräußern. Bisher hatte Hofmann stets eine Präferenz für eine ausländische Lösung erkennen lassen. Theoretisch könnte die Cobra Hauptversammlungsentscheidungen der Commerzbank und damit auch eine mögliche Fusion mit der Dresdner blockieren.

Die Banken selbst wollten sich gestern über ihre offizielle Mitteilung hinaus nicht äußern. Aus Kreisen der Commerzbank verlautete jedoch, beide suchten nach einer partnerschaftlichen Lösung. Vielleicht gelinge es, eine "große europäische Bank von Rang" zu schaffen, machten sich die Beteiligten Mut. In der Commerzbank ist man sich bewusst, dass sich Großaktionär Cobra nur durch ein überzeugendes - und wertschaffendes, also potenziell kurssteigerndes - Konzept zur Mitwirkung bewegen lassen wird.

Die Diskussion der Banken ist dem Vernehmen nach breit angelegt. Auf der Skala zwischen 0 und 100 würden alle Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausgelotet, heißt es. Die Gespräche, so Insider, setzten bei 100 an. Wo die Grenze nach unten, bei deren Erreichen eine Fortsetzung der Gespräche keinen Sinn mehr machen würde, liegen könnte, wagen sie nicht zu sagen.

Mit Interesse wird am Bankenplatz Frankfurt die Bereitschaft der Dresdner registriert, sich öffentlich zu den Gesprächen zu bekennen. Dem Vernehmen nach bedurfte es dazu einer gewissen Überredungskunst. Beobachter werten das gemeinsame Statement als einen großen Schritt der Dresdner nach vorn. Sie konzedieren, dass es sich die grüne Bank nicht leisten kann, ihre erst bei der Hauptversammlung im Mai verkündete Strategie einer "fokussierten europäischen Beraterbank" selbst in Frage zu stellen.

Die Beziehungen zu den von Kohlhaussen als "Wahlverwandtschafte" titulierten Partnern im Ausland, so glaubt man bei der Commerzbank, stünden einem Zusammengehen mit der Dresdner nicht im Wege. Auch das Bestreben des möglichen Partners, an der von Vorstandssprecher Bernd Fahrholz in den vergangenen Tagen vor Analysten erläuterten Strategie auch im Falle eines Zusammenschlusses festzuhalten, wird offenbar nicht als grundsätzliches Hindernis angesehen. Dass die Dresdner Bank an ihrer Strategie festhalten will, hatte sich bereits am Wochenende herauskristallisiert. Offenbar hält man dort die eigene Konzept auch für einen größeren Verbund für bestens geeignet und kann sich vorstellen, dass sich die Commerzbank damit identifizieren kann. Wie weit, darum scheint es nun auch in den Gesprächen zwischen beiden Banken zu gehen.

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