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26.06.2000

08:00 Uhr

Gemeinsames Gebot für Daewoo - Kooperation bei Nutzfahrzeugen

Daimler-Chrysler steigt mit 10% bei Hyundai in Korea ein

In der koreanischen Hauptstadt Seoul wurde an diesem Montag offiziell der Einstieg der Daimler-Chrysler AG beim koreanischen Autobauer Hyundai Motor Co bekannt gegeben. Der deutsch-amerikanische Autobauer beteiligt sich mit 10 % an dem südkoreanischen Konzern.

afp SEOUL. Drei Monate nach dem Schulterschluss mit Mitsubishi Motors stärkt der deutsch-amerikanische Autokonzern DaimlerChrysler seine Asien-Präsenz mit einer weiteren strategischen Allianz. Die Daimler-Chrysler-Vorstände Eckhard Cordes und Dieter Zetsche unterzeichneten am Montag in Seoul eine entsprechende Absichtserklärung mit der Spitze des südkoreanischen Branchenführers Hyundai Motors. Sie sieht einen zehnprozentigen Kapitaleinstieg von Daimler-Chrysler bei Hyundai für umgerechnet 886 Mill. DM, ein gemeinsames Gebot für den bankrotten südkoreanischen Hersteller Daewoo sowie eine Kooperation bei Nutzfahrzeugen vor. Außerdem soll Hyundai in das so genannte "Weltauto-Projekt" von Daimler-Chrysler und Mitsubishi eingebunden werden, das die Produktion eines Kleinwagens in hoher Stückzahl für Märkte rund um den Globus vorsieht.

Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp nannte die Allianz eine "großartige Möglichkeit, Pkw und Nutzfahrzeuge in Asien zu produzieren und zu vertreiben". Hyundai sei in vielfacher Hinsicht ein "idealer Partner": Das Unternehmen sei profitabel, mit mehr als 70 Prozent Marktanteil bei weitem stärkster Anbieter auf dem südkoreanischen Markt und es verfüge über ein "hervorragendes Vertriebsnetz", vor allem in den wirtschaftlich aufstrebenden Asean-Staaten. Hyundai-Chef Chung Mong-koo sagte, die neue Verbindung ermögliche es seinem Haus, sich einem führenden Hersteller anzuschließen, ohne die eigene Unabhängigkeit zu verlieren.



Gemeinsames Angebot für Daewoo

Daimler-Chrysler und Hyundai wollten zunächst ein gemeinsames "unverbindliches" Angebot für Daewoo Motor abgeben. Die Angebotsfrist im Bieterverfahren um den im vergangenen Jahr zusammengebrochenen Hersteller sollte am Montagabend enden. Das Gebot diene vorerst dem Zweck, den einstmals zweitgrößten Autokonzern des Landes zu analysieren, erläuterte DaimlerChrysler. Die südkoreanische Regierung will bis Monatsende im Konsens mit Gläubigerbanken und Daewoo-Spitze zwei Bewerber aussuchen, mit denen exklusiv verhandelt wird. Bis Ende September soll dann entschieden sein, wer Daewoo mehrheitlich erhält. Am Vormittag (Ortszeit) reichten der US-Konzern General Motors (GM) und Fiat ein gemeinsames Gebot ein; eine Bewerbung von Ford wurde noch erwartet.

Sollten Hyundai und Daimler-Chrysler den Zuschlag für Daewoo erhalten, ist nach unbestätigten Berichten vorgesehen, dass die Stuttgarter 40 % von Daewoo übernehmen, während Hyundai sich mit 19,9 % beteiligt. Zehn Prozent würden an das Daewoo - Management gehen, den Rest erhielten die Gläubigerbanken.

Hyundai Motor hatte 1998 den koreanischen Mitbewerber Kia übernommen und verfügt über mehr als 70 % der Marktanteile in Südkorea. Alleine darf Hyundai deshalb Daewoo nicht übernehmen. Der Autobauer, der innerhalb des weit verzweigten Hyundai-Konzerns als eigenständiges Unternehmen geführt wird, hatte im vergangenen Jahr rund 21 Mrd. $ Umsatz und ein operatives Ergebnis von 870 Mill. $ erzielt. 1999 wurden 1,8 Mill. Autos gebaut.



Joint-Venture bei Nutzfahrzeugen

Im Nutzfahrzeugbereich, wo Hyundai sogar 90 Prozent Anteil am heimischen Markt hat, plant Daimler-Chrysler ein 50: 50-Joint-venture, in das der koranische Partner seine Bus- und Lkw-Werke in Chonju mit einer Jahreskapazität von 100.000 Einheiten sowie seinen Vertrieb einbringt. DaimlerChrysler will seinerseits technologisches Know-how beisteuern. Die gemeinsam produzierten Schwerfahrzeuge und in Korea gefertigte DaimlerChrysler-Modelle sollen dann über die jeweiligen Vertriebsnetze global verkauft werden.

Cordes betonte, es könnten weitere gemeinsame Projekte folgen. Für Daimler-Chrysler zähle dabei vor allem der Zugang zu den Emerging Markets, den aufstrebenden Märkten in Asien. Die Allianz mit Hyundai sichere dem eigenen Unternehmnen einen achtprozentigen Marktanteil in Asien. Eine Komplett-Übernahme Hyundais sei indessen zu keinem Zeitpunkt geplant gewesen, betonte der Daimler-Manager. Vereinbart sei lediglich ein zehnprozentiger Kapitalanteil.



Bereits die zweite Allianz in Asien

Im März hatte Daimler-Chrysler bereits eine milliardenschwere Allianz mit dem japanischen Hersteller Mitsubishi Motors (MMC) vereinbart, die einen 34-prozentigen Kapitaleinstieg und eine umfangreiche technische Zusammenarbeit vorsah. Mitsubishi ist mit 4,8-Prozent auch Anteilseigner bei Hyundai Motors. MMC-Chef Matsuhiko Kawasoe begrüßte die Annäherung von DaimlerChrysler und Hyundai am Montag mit den Worten, nun würden sich die Verbindungen der drei Unternehmen untereinander festigen.



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